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Celle Stadt Kein bisschen Frieden
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kein bisschen Frieden
13:56 22.07.2011
Von Michael Ende
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Celle Stadt

CELLE. „Ich singe aus Angst vor dem Dunkeln mein Lied, und hoffe, dass nichts geschieht“ – so heißt es im Lied „Ein bisschen Frieden“, mit dem die Schlagersängerin Nicole 1982 den Eurovision Song Contest gewann. Von „Frieden“ konnte für sie persönlich monatelang kaum die Rede sein, denn Nicole erhielt genauso wie ihre Kollegin Andrea Berg Emails, in denen Sie mit dem Tod bedroht wurde. Als mutmaßlicher Absender dieser Mails steht jetzt ein 39-jähriger Celler vor dem Amtsgericht München.

„Dem Angeklagten wird vorgeworfen, etliche dieser Emails mit beleidigendem und bedrohendem Inhalt geschrieben zu haben“, so Ingrid Kaps, Pressesprecherin des Amtsgerichts an der Isar. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Celler vor, 15 dieser Droh-Mails verfasst zu haben:„Der Angeklagte wollte durch seine Botschaft den Empfänger von der öffentlichen Aufführung der Lieder der Sängerinnen Andrea Berg und Nicole abhalten.” So soll es in einer Mail heißen: „Ich habe gesagt, die tritt nicht mehr mit meinen Songs auf. Für den 8. April werdet Ihr Eure Strafe kriegen. Dafür schneide ich Euch die Kehle durch. Ihr Verbrecherpack.“

Die Mails seien zwischen Januar und Mai 2010 aus der Finca von Martin B. auf Mallorca versendet worden, so Kaps. Ihr Inhalt sei in der Tat starker Tobak gewesen. Hier einige Auszüge: „Was hast Du an Kohle von mir gefressen und lässt mich hier hängen, hab noch eine zerrissene Hose und 10 Cent, schlachte Euch ab dafür, hoch und heilig versprochen.” „Ihr werdet so leiden, bevor ich Euch hinrichte. Ihr dreckiges kriminelles Mistpack, könnt schon mal darauf warten, dauert nicht mehr lange. Bluten werdet ihr. Ich schneid Euch die Kehlen durch!” „Ich hetz’ Euch 100.000 Hell’s Angels auf den Hals; und für jeden toten Wichser von Euch bezahl ich noch ’ne Million; Ihr dreckiges Pack!”

Da sich die Droh-Mails über die IP-Adresse zurückverfolgen ließen, kam die Polizei schnell auf die Spur des Verdächtigen. Die Beamten passten ihn ab, als er aus Spanien kommend auf dem Flughafen in Hannover landete: Anstatt nach Celle ging es in die JVA München-Stadelheim, wo der 39-Jährige in U-Haft landete. "Mittlerweile ist er längst wieder auf freiem Fuß", so Kaps.

Dass er es gewesen sei, der die wüsten Drohungen versendet hatte, bestreite der Celler vehement, so die Münchener Richterin. Er habe gesagt, dass er weder Nicole noch Andrea Berg kenne - und mit ihrer Musik "nichts am Hut" habe: "Ich höre Rock." Kaps: "Bei manchen der Drohungen schwingt mit, dass der Absender in irgendeiner Weise Musik produziert - das scheint irgendwie nicht so richtig zu diesem Schrotthändler zu passen."

Genau das sage der Beschuldigte auch, so Kaps: Er gehe davon aus, dass sich ein Fremder in seine Internet-Verbindung gehackt und die Künstlerinnen belästigt habe. So unwahrscheinlich ist das nicht: In Internet-Foren wird immer wieder davon berichtet, dass es möglich sei, IP-Adressen zu fälschen. Kaps: "Deshalb werden vom Gericht nun auch Experten zu Rate gezogen, die klären sollen, ob es auch in diesem Fall so gewesen sein könnte." Sollte sich herausstellen, dass das nicht auszuschließen sei, wäre der Celler Schrotthändler selbst ein Opfer, und der Prozess würde so ausgehen, wie er es fordert: mit einem Freispruch.