Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Keine brave „Literaturverwurstung“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Keine brave „Literaturverwurstung“
13:29 13.06.2010
Die Schauspieler (von links): Ronald Schober (Grünlich), Tim Bierbaum (Thomas Buddenbrook), Hartmut Fischer (Konsul), Christine Richter (Konsulin), Sara Wortmann (Tony Buddenbrook) und Lajos Wenzel (Christian Buddenbrook). Quelle: Jochen Quast
Anzeige
Celle Stadt

„Nicht gerade sehr entzückt“ sei er vom ungewöhnlichen Umfang des Buches, so der Verleger der „Buddenbrooks“ seinerzeit. Das 1896 bis 1900 entstandene Werk erschien dennoch, kam 1901 auf den Markt und mauserte sich zu einem Roman von Weltruhm. 1929 nahm sein Autor Thomas Mann den Literaturnobelpreis entgegen.

Regisseur Kalle Kubik hat sich der Buddenbrook-Dramatisierung von John von Düffel angenommen und bringt das Werk zum Saisonstart auf die Bühne des Schlosstheaters. Freitag, 20 Uhr, hebt sich der Premierenvorhang.

Anzeige

Kubik („der Theatermacher“, „Johnny Johnson“ „Dreigroschenoper“) hält nichts von einer kreuzbraven „Literaturverwurstung“. Die rhythmisch ausgefeilte Sprache von Thomas Mann will er belassen. Nur hier und da werde ein veralteter Ausdruck ausgetauscht oder eine Formulierung geglättet, ansonsten blieben die Dialoge wie gehabt. Allerdings müsse die Länge des Romans zwangsläufig den Rahmen sprengen. „Natürlich hat man bei so einem Werk einen Zeitbonus, wir beschränken uns aber auf zweieinhalb Stunden Spielzeit“, gibt der Regisseur Entwarnung.

Anstelle einer umfassenden Seelengeschichte des Bürgertums im 19. Jahrhundert (inklusive kleiner Revolution) setzt er Akzente und richtet den Fokus auf die private und finanzielle Bankrotterklärung der Lübecker Kaufmannsfamilie Buddenbrook, gemäß dem Untertitel „Der Verfall einer Familie“. Dieser zieht sich auch auf der Bühne über vier Generationen hin. Kleine Veränderungen in Maske und Kostüm liefern Anhaltspunkte zum Zeitablauf. Zudem bekommt der Regisseur Unterstützung von Ulrich Jokiel, der die Musik als, wie er es formuliert „inhaltlich dramaturgisches Scharnier“ einsetzt. Hierfür bedient sich der musikalische Leiter sowohl der großen Ikonen der Romantik, Schubert, Schumann und Brahms, als auch Elementen südamerikanischer Musik, die Mann glühend verehrte.

Am Ende steht eine, so Kubik, „eingekochte Version“, in der insbesondere der Geschwisterkonflikt zwischen Thomas, Christian und Tony in den Vordergrund rückt. Hier offenbare sich ein nach wie vor brandaktuelles Thema: die festgelegte Rollenverteilung in der Familie. Gerade dieser Aspekt habe eine „Ensemble stiftende Wirkung“ gehabt, berichtet Kubik von den Probenarbeiten. Persönliche Äußerungen zu Hierarchien, Abhängigkeiten und Machtverhältnisse in der Familie hätten zu einer schnellen Zusammenführung des Teams geführt. Gute Voraussetzung für den Auftakt der Spielzeit.

-Termine: Das Stück wird bis zum 4. Oktober gezeigt. Gespielt wird täglich mit Ausnahme des 20. September, Vorstellungsbeginn 20 Uhr (außer am 27. September: 15 Uhr).

Von Silja Weißer