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Celle Stadt Zoff im Waldorfkindergarten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zoff im Waldorfkindergarten
08:38 29.12.2018
Von Gunther Meinrenken
Im Celler Waldorfkindergarten ist ein Streit über den Beitrag der Eltern an der Finanzierung der Einrichtung entbrannt. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Der von der Landesregierung zum August eingeführte kostenlose Besuch eines Kindergartens ist nicht überall ein Segen. Einrichtungen, die durch ein besonderes pädagogisches Konzept Mehrkosten haben, stehen vor schweren Zeiten. Die Förderung reicht oft nicht aus, um die Zusatzleistungen bestreiten zu können, und von den Eltern lassen sich die fehlenden Mittel nicht ohne Weiteres eintreiben, weil die Landesregierung sonst die Förderung kürzen würde. So stellt zumindest die Geschäftsführung des Celler Waldorfkindergartens den Hauptgrund für die finanzielle Schieflage dar, in der die Einrichtung ab kommendem Jahr zu rutschen droht. Als Ausweg sollen die Eltern nun eine Zusatzvereinbarung unterschreiben, die sie „freiwillig“ zu monatlichen Zahlungen verpflichtet. Doch bei einigen Erziehungsberechtigten regt sich Kritik. Sie betrachten die finanziellen Probleme als hausgemacht.

"Höhere Qualitätsstandards" erhalten

Geschäftsführerin des Waldorfkindergartens ist Franziska Philipps. Noch würde man keine roten Zahlen schreiben, sagt sie, doch im Verlauf des Kindergartenjahres drohe ein Defizit von etwa 61.000 Euro. Von den „höheren Qualitätsstandards“ in der Einrichtung möchte sie nicht abrücken und die Eltern sähen das genauso: „Das Votum unserer Mitgliederversammlung war eindeutig: Die Eltern unterstützen unsere Pädagogik und wünschen sich die Fortsetzung unseres Qualitätsanspruches.“ Die Eltern zahlen bereits jetzt Zusatzbeiträge. Doch die möchte der Waldorfkindergarten umwandeln, denn künftig müssen die besonderen Angebote – so die Vorgabe vom Land – frei wählbar sein. Das ist bisher nicht der Fall. Philipps möchte daher „unsere Mehrleistungen in einer Zusatzvereinbarung“ abbilden, die rückwirkend zum Beginn des Kindergartenjahres im August gilt. Doch die ist in der Elternschaft durchaus umstritten.

300 Euro "Materialkosten"

Beispiel Kindergarten: Hier sollen die Eltern fortan 75 Euro im Monat zahlen. Kritisch: Einige der dort aufgeführten Leistungen sind nicht unbedingt gruppenunabhängig, wie es das Land verlangt, wie etwa „eine zusätzliche Kraft über den kommunalen Standard hinaus“ (26 Euro). Ebenfalls bedenklich: 25 Euro sollen gezahlt werden „für die Umsetzung des besonderen pädagogischen Konzepts erforderlichen Materials“. Das würde bedeuten, dass die Eltern im Jahr 300 Euro an Materialkosten bezahlen müssten. Schwer vorstellbar, dass die Kinder so viel verbrauchen. Philipps räumt denn auch ein, dass dies eher „eine Umlage ist, für alles, was wir als Waldorfkindergarten mehr leisten“.

Eltern kritisieren Personalkosten

Für die besorgten Eltern ist denn auch klar, dass die in der Zusatzvereinbarung aufgeführten Leistungen im Grunde genommen nur die „unnötigen Personalkosten“ verschleiern sollen. Denn im Gegensatz zu anderen Einrichtungen leistet sich der Waldorfkindergarten nicht nur eine Leitung und eine Verwaltungskraft – für beides zahlt die Stadt –, sondern eben auch die hauptamtliche Geschäftsführerin Philipps. Die gibt an, dass ihr Gehalt weniger als die Hälfte des Defizits ausmachen würde, die Eltern behaupten, es seien um die 40.000 Euro für eine 30-Stunden-Woche.

Die hauptamtliche Geschäftsführung war vor drei Jahren eingeführt worden, zuvor hatten dies Eltern ehrenamtlich gemacht. Doch das sei nicht mehr leistbar, so Philipps. Kaum jemand habe diesen Job länger als ein Jahr lang geschafft. Die Kita-Leitung kümmere sich um pädagogische Angelegenheiten, die Verwaltungsaufgaben erledige sie zum großen Teil, so Philipps. Der Waldorfkindergarten verfüge im Gegensatz zur Stadt oder anderen freien Trägern wie der Kirche eben nicht über einen dahinterliegenden Verwaltungsapparat, der die Kita-Leitung entlastet.

Zusatzvertrag "ist freiwillig"

Die kritischen Eltern sehen das anders: „Bevor die Eltern zur Kasse gebeten werden, muss der Verein erst einmal schauen, wo sonst gespart werden kann“, zielen sie auf die Stelle der Geschäftsführung. Sie fühlen sich erpresst, sprechen davon, dass ihnen klar gemacht worden sei, dass ohne Unterzeichnung der Zusatzvereinbarung der Waldorfkindergarten im Januar insolvent wäre. Philipps bestreitet, eine solche Drohkulisse aufgebaut zu haben. Sie betont, dass „die Unterzeichnung des Zusatzvertrages freiwillig“ sei. Kein Kind werde seinen Betreuungsplatz verlieren, falls die Eltern die Vereinbarung nicht unterschreiben.

Kultusministerium prüft Sachverhalt

Im Neuen Rathaus beobachtet man die Vorgänge mit Sorge. Denn wenn der Waldorfkindergarten schließt, müsste die Stadt auf einen Schlag 90 Kinder in Kitas und Krippen unterbringen. Zur Sache äußert sich der zuständige Fachbereichsleiter Peter Binz nur zurückhaltend. „Wir haben der Geschäftsführung Potenziale aufgezeigt, die Kosten zu senken.“ Das klingt durchaus so, als sehe auch die Stadt andere Möglichkeiten, als das Geld von den Eltern einzutreiben.

Im Kultusministerium „wird der Sachverhalt derzeit geprüft“, erklärt Pressesprecherin Jasmin Schönberger. Verlaufe diese negativ, würde der Träger, sprich der Waldorfkindergarten, für die Personalausgaben vom Land lediglich eine Finanzhilfe von 20 und nicht von bisher 55 Prozent erhalten.

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