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Celle Stadt „Lähmung der Herzaktivität und der Lungenatmung“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Lähmung der Herzaktivität und der Lungenatmung“
13:34 13.06.2010
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Celle Stadt

Schon einmal hatte das Landgericht Lüneburg die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt. Dazu hatte das Gericht nach Aktenlage der Anklage den hinreichenden Tatverdacht zu prüfen und offenbar bei vorläufiger Beurteilung der Beweissituation eine spätere Verurteilung für nicht wahrscheinlich gehalten. Das Oberlandesgericht Celle entschied anders, so dass nun nach viereinhalb Jahren das Hauptverfahren vor dem Lüneburger Landgericht eröffnet werden musste.

„Lähmung der Herzaktivität und der Lungenatmung“, erklärt der medizinische Sachverständige Harald Kijewski aus Göttingen die Wirkung der beiden Medikamente, die dem im Oktober 2005 verstorbenen Hans Pfennig verabreicht worden waren. Das eine Mittel, üblicherweise bei Alzheimer-Patienten zur Verbesserung der Informationsübertragung eingesetzt, sollte bei dem an Parkinson erkrankten Pensionär den Allgemeinzustand stabilisieren. Dass dieses Medikament in therapeutischen Dosen eine Dämpfung der Herztätigkeit bewirkte, hatte man in Kauf genommen. Doch die Laboruntersuchungen nach der Obduktion ergaben eine fast zehnfache Konzentration des Therapeutikums zum Todeszeitpunkt. Vor dem Hintergrund, dass bislang nie Vergiftungen mit diesem allerdings noch relativ neuen Medikament aufgetreten seien, so Kijewski, lasse eine wesentlich erhöhte Gabe vermuten. „Aber der Herzschrittmacher des 76jährigen kompensierte die Dämpfung der Herztätigkeit.“ Der andere Wirkstoff, in einem Schlafmittel enthalten, wirkte ebenfalls lähmend auf Lunge und Herz. Dass dieses Medikament auf jeden Fall am Todestag verabreicht worden war und es sich nicht um Rückstände vom Abend zuvor handelte, rechnete Kijewski dem Gericht vor, „weil sich der Wirkstoff sehr schnell abbaut.“

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Für die 57jährige wird es darauf ankommen, ob die Ergebnisse der rechtsmedizinischen Gutachten dem Gericht für seine Feststellungen ausreichen. Eine komplizierte Motivlage ist der zweite Anhaltspunkt, den Staatsanwältin in den Prozess einführt und vom Vorsitzenden Richter hinterfragt wird, weil der zum Sterbebett gerufene Pastor Gelächter gehört haben will, bevor er das Zimmer des vorgeblichen Opfers betrat. Als er das Haus verließ, begegnete ihm der Arzt, der den Totenschein ausstellen sollte. Dieser wunderte sich zwar, dass ihm der Pastor schon entgegen gekommen war und drei Frauen anwesend waren. Aber er fragte nicht weiter, nachdem man ihm erklärt hatte, dass der Tote keine Verwandten habe. Zum Todeszeitpunkt, den er nach Rückrechnung auf 22 Uhr festlegte, war kein Notarzt gerufen worden. Fast 30 Zeugen aus dem Lebensumfeld des Verstorbenen und der Angeklagten sollen bis Mitte Februar gehört werden. Ein Urteil wird vor März nicht erwartet.

Von Angelika Jansen