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Celle Stadt Landwirte aus Celle berichten über ihre Arbeit bei der lang anhaltenden Hitze
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Landwirte aus Celle berichten über ihre Arbeit bei der lang anhaltenden Hitze
15:26 09.08.2018
Von Christoph Zimmer
Beregnung ist ihre Lebensversicherung bei der anhaltenden Trockenheit: die Landwirte Heiner (links) und Wilhelm Drögemüller aus Hohnhorst. Wenn der Mais nicht ausreichend Wasser erhält, verkümmern die Körner (rundes Bild). Eine Berieselung versorgt die Kühe von Landwirt Ernst-Günther von Bothmer aus Hetendorf mit frischem Wasser - bei der Hitze. Quelle: Christoph Zimmer
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Celle

Wilhelm Drögemüller rechnet beim Getreide mit Einbußen von rund 20 Prozent. "Der Ertrag ist in diesem Jahr nicht so hoch wie sonst", sagt der Landwirt aus Hohnhorst. Die Beregnung habe nicht ausgereicht, um eine Ernte wie in den Jahren zuvor einzufahren. "Wir haben mehrere Kulturen auf den Feldern, die alle dringend Wasser brauchen. Manchmal kneift es da schon." Für Kartoffeln und Mais gibt es ebenfalls Ertragseinbußen trotz intensiver Beregnung.

Aus seiner Sicht ist aber nicht nur die extreme Trockenheit ein Problem. "Hinzu kommen die anhaltend hohen Temperaturen von mehr als 30 Grad sowie der starke Wind, die das Beregnen mitunter schwierig machen", sagt der Ackerbauer. "So eine schlimme Saison habe ich noch nicht erlebt." Wasser diene den Pflanzen nicht nur als Nährstoffspender zum Wachstum, sondern auch zur Abkühlung. "Wenn wir nicht beregnen würden, wäre ein Großteil der Kulturen schon verbrannt." Bislang habe er mehr als doppelt so viel beregnet wie in einer normalen Saison.

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Wegen der extremen Temperaturen gibt es auf den meisten Grünlandflächen dieses Jahr nichts mehr zu ernten. Gräser vertragen diese hohen Temperaturen nicht. Mais dagegen liebt als C4-Pflanze Temperaturen über 30 Grad. Bei guter und lückenloser Wasserversorgung durch Beregnung ist ein guter Ertrag möglich. "Da lohnt jede Beregnungsgabe", sagt Drögemüller mit Blick auf die Jungviehaufzucht und die drohende Futterlücke. Zukaufen sei keine Option – es gibt kaum Futterüberschüsse, die gehandelt werden können. "Bei den anderen Landwirten sieht es mit Gras auch nicht besser aus."

Drögemüller beobachtet die Beregnungssaison genau. "Mit zunehmender Dauer geht der Wasserstand weiter zurück. Aber nicht jede Tauchpumpe hängt tief genug, um das Wasser an die Oberfläche zu bringen", sagt der Landwirt. Um für eine ähnlichen Trockenperiode in der neuen Saison im Notfall gerüstet zu sein, will er seine Beregnungsanlage mit moderner Technik versehen und entsprechend nachrüsten. "Beregnung ist für uns die Lebensversicherung."

Drögemüller verteidigt die Beregnung der Ackerflächen. "Ich will nicht zugucken, wie die Pflanzen, die es so weit geschafft haben, zusammenschrumpeln", sagt er. Zudem diene die Beregnung dem Erreichen der Düngeverordnung. "Wir verfügen in der Region über eine sehr gute unterirdische Wasserführung."

Es könne zwar sein, dass auf einem Hektar der Ertrag und der Aufwand für die Beregnung „eine Nullrunde werden“. Andererseits brauchen die Landwirte den Ertrag und das Futter aber dringend für das Vieh sowie die Biogasanlage und damit die weiteren Arbeitsschritte. „Durch die Beregnung gewährleisten wir nicht nur Quantität, sondern auch Qualität.“

Ernst-Günther von Bothmer spürt die Auswirkungen des heißen Sommers besonders bei der Milchproduktion seiner insgesamt 110 Kühe. „Nicht nur die Menge der Milch, auch die Inhaltsstoffe gehen bei diesen Temperaturen deutlich zurück“, sagt der Landwirt aus Hetendorf. Aktuell liegt die Menge pro Kuh und Tag rund zwei Liter unter dem Normalwert. Sie bestimmt wie der Gehalt an Eiweiß und Fett in der Milch den Preis, den die Molkereien am Ende dafür zahlen. „Das sind deutliche Einbußen bei dem Umsatz“, klagt der Landwirt.

Hinzu kommt die Belastung für die Tiere bei der Hitze. „Sie hecheln, atmen schnell. Das heiße Wetter geht nicht nur bei den Menschen auf den Kreislauf“, sagt von Bothmer. In seinem Stall hat er deshalb Ventilatoren aufgestellt, um die Kühe mit frischer Luft zu versorgen. Außerdem werden die Tiere mit kaltem Wasser berieselt.

Problematisch ist auch die Futterbeschaffung für das Milchvieh. „Wir haben das Glück, dass wir rund 60 Prozent der Anbaufläche für Gras und Mais beregnen können“, erklärt der Landwirt. Allein für den Mais auf einer Anbaufläche von 120 Hektar hat er bereits rund 100.000 Kubikmeter Wasser beregnet – doppelt so viel wie sonst. Unter dem Strich bliebe aber trotzdem ein Minderertrag von rund 30 Prozent. Damit die Tiere genug Futter haben, „geben wir im Moment weniger Mais in die Biogasanlage“. Außerdem pflanzt er zusätzlich Futtergras an.

Von Bothmer hat die Hoffnung auf Regen noch nicht aufgegeben. „Wir freuen uns über jeden Tropfen“, sagt er und nimmt die hohe Arbeitsbelastung seit mehreren Wochen für sich und seine Familie inzwischen mit Galgenhumor. „Wer will schon Freizeit?“