Licht und Schatten
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Celle Stadt Licht und Schatten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Licht und Schatten
14:35 13.06.2010
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Celle Stadt

Selbst die Tiere haben diesen geschützten Ort für sich entdeckt. Ab und an krabbelt ein Ohrenkneifer in die Apfelsaftschorle, die Bremsen sind ebenfalls auf Nahrungssuche und die Ameisen haben ihr Treiben unter den Baum verlegt.

Steigen die Temperaturen auf über 30 Grad, sind bald auch die hart gesottenen Sonnenanbeter auf der Flucht vor dem direkten Sonnenlicht. Selbst die Gewerkschaften überlegen immer wieder, hitzefrei auf dem Bau einzuführen: der Dachdecker soll nicht mehr unter freiem Himmel von der Sonne gegerbt werden.

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So sind im Hochsommer die schattigen Plätze heiß begehrt. Vor den brennenden Sonnenstrahlen geschützt kann ich durch das Eichenlaub hindurch den strahlend blauen Himmel genießen. Schatten wird Schutzraum. Der erhitzte Körper kann sich erholen. Ich selber kann durchatmen und lechze nach dieser natürlichen Frische.

„Der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche.“ In einem heißen Sommer kann ich diese Worte aus der Bibel mit vollem Herzen mitsprechen. Wenn ich unter unserer Eiche sitze, spüre ich Gottes Schatten über meiner rechten Hand, merke ich, wie wohltuend es ist, solch einen Schutz vor der brennenden Sonne zu haben.

In unserem Sprachgebrauch hat Schatten meist eine negative Bedeutung. Die Schattenseiten des Lebens möchte niemand näher kennen lernen. Schatten verfolgen einen Menschen und lassen ihn nicht in Ruhe. Oder es sind die halbdunklen Räume, in denen etwas Verbotenes oder Geheimnisvolles geschieht.

In den sommerlichen Tagen mache ich am eigenen Leib die Erfahrung: Schatten gehört genau wie da Licht zum Leben – ist von Gott gewollt und hat seine gute Seite.

So sitze ich im Schatten unserer Eiche und genieße in der Kühle das Leben.

Von Olaf Ripke