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Celle Stadt Lieber Kita-Plätze als Campus-Luftschloss für Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Lieber Kita-Plätze als Campus-Luftschloss für Celle
17:35 05.04.2017
Von Michael Ende
Wieder nichts geworden: Der Traum von der Uni an der Hohen Wende ist ausgeträumt. Quelle: Julian Stratenschulte
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Celle Stadt

Einen "Bildungscampus für Flüchtlinge mit überregionaler Bedeutung" hatte Celles ehemaliger Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) aufbauen wollen. Dafür wollte er fünf Millionen Euro an EU-Fördermitteln haben. Nachdem ein erster Antrag abgelehnt worden war, hätte sich die Stadt nun erneut um die EU-Millionen für ein Kooperationsvorhaben mit der Kiron Higher Education aus Berlin bewerben müssen. Auf Anraten des neuen Oberbürgermeisters Jörg Nigge (CDU) lehnte der Betriebsausschuss der Zuwanderungsagentur diese Initiative ab. Das Vorhaben sei zu unausgegoren, um sich dafür auf ein unkalkulierbares finanzielles Wagnis einzulassen, hieß es.

Es gebe weder genug Zuwanderer in Celle, die für eine solche "Flüchtlings-Uni" in Frage kämen, noch habe die Wirtschaft, wie von Mende gewünscht, ihre Kooperationsbereitschaft signalisiert, berichtete Nigge: "Die IHK zum Beispiel war von der Idee so begeistert, dass sie sich gar nicht dazu äußern wollte." "Kiron bietet nicht das, was unsere Wissenschaft braucht", sagte Zuwanderungsagentur-Leiterin Barbara Beyer.

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Inwiefern überhaupt seitens der Stadt bei Wirtschaftsunternehmen um Förderung des Campus-Projekts geworben worden sei, wollte Dirk Gerlach (Die Partei) wissen. Da das Vorhaben so vage und "diffus" sei, habe man der Wirtschaft auch wenig Konkretes anbieten können, hieß es darauf von der Verwaltung. "Die Wirtschaft hat kein Interesse, und auch von Hochschulen kommt nichts", sagte Beyer.

Man habe keine Zeit mehr, um konzeptionelle Details zu erörtern, sagte Nigge: "Es geht nur ums Finanzielle. Wir müssten jetzt einen Antrag auf Förderung stellen, und das können wir nicht ruhigen Gewissens tun, weil zu vieles ungeklärt ist."

Patrick Brammer sprach sich für die SPD dagegen aus, das Uni-Projekt zu beerdigen: "Ich sehe da einen Paradigmenwechsel. Das finde ich schade." Nigge nickte: "Ich finde es auch schade." Das mit dem Wechsel der Vorzeichen könne stimmen: "Ich finde, wir sollten erst einmal genug Kindergartenplätze schaffen. Es ist doch arm, dass wir immer noch nicht für jedes Migranten-Kind einen Platz haben. Wir müssen zunächst die Integration derer vorantreiben, die schon bei uns sind, und nicht Projekte schaffen, für deren Realisierung wir uns extra noch Zuwanderer heranholen müssten."