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Celle Stadt Lieber tote Hühner als Schulkinder
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Lieber tote Hühner als Schulkinder
14:15 24.07.2011
Von Gunther Meinrenken
Die CeBus will den Fahrern der CSC tief in die Tasche greifen Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

Betroffen sind 27 Mitarbeiter der CSC. Ihnen drohen Lohnkürzungen von 500 bis 800 Euro im Monat. „Das entspricht Gehaltseinbußen von teilweise über einem Drittel“, klagt CeBus-Betriebsratsvorsitzender Jürgen Elendt. Das bedeute die „Ankunft im Bereich der Armut“. Dort befänden sich schon jetzt der Großteil der CeBus-Beschäftigten. „Der Verdienst ist so gering, dass Mitarbeiter als Aufstocker Hartz-IV-Leistungen in Anspruch nehmen müssen“, kritisiert Elendt, dass die Dumping-Löhne im Celler ÖPNV nicht ausreichten, um eine Familie zu ernähren, geschweige denn, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Nach Angaben des Betriebsrats steht die beabsichtigte Absenkung der Löhne in Zusammenhang mit dem Auslaufen des städtischen Überbrückungsgeldes in Höhe von insgesamt 8 Millionen Euro. Dieses war bei Gründung der CeBus von der Stadt zugesichert worden. Allerdings nur bis Ende 2011. Die Geschäftsführung, so der Betriebsratsvorsitzende, sehe sich nun nicht mehr in der Lage, die Gehälter der CSC-Beschäftigten zu zahlen.

Sollten diese nicht bereit sein, die Einbußen hinzunehmen, drohe die CeBus-Führung mit der Liquidierung des Teilunternehmens. Sprich, die Mitarbeiter würden entlassen - und könnten dann ja als CeBus-Fahrer wieder angestellt werden. Doch deren Lohn ist so gering, dass "bei uns mittlerweile die Busfahrer kündigen, weil sie als Kraftfahrer beim künftigen Schlachthof in Wietze für das Fahren von toten Hühnern mehr bekommen, als wenn sie Schulkinder transportieren“, führte Elendt die Situation plastisch vor Augen.

CeBus-Geschäftsführer Stefan Koschick gibt an, dass es dem Unternehmen darum gehe, eine gemeinsame Lösung zu finden, um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu erhalten. „Wenn die CeBus bereit ist, die betroffenen Mitarbeiter der CSC zu beschäftigen und ihnen unbefristete Arbeitsverträge anzubieten, dann tut sie das unter Berücksichtigung ihrer wirtschaftlichen Situation.“

Für Ver.di-Gewerkschaftssekretär Henning Tech, ist die Situation bei der CeBus symptomatisch für den ÖPNV. „Der Kostendruck wird auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen“, will Tech die Geschäftsführung nicht verteufeln. Verantwortlich seien auch die Kommunen, die einen attraktiven ÖPNV haben wollen, aber nicht bereit seien, dafür Geld zu geben. Und die Politik schaue tatenlos zu. „Seit Jahren weisen wir auf die Probleme hin, doch die Politik hat darauf nicht reagiert“, stellte Tech fest.

Meinung

Dumping

Die Busfahrer der CeBus tragen eine große Verantwortung. Tag für Tag fahren sie Menschen durch die Gegend, darunter auch tausende von Schulkindern. Honoriert wird diese Leistung allerdings nicht.

Die Menschen, die täglich für die Sicherheit und das Leben anderer verantwortlich sind, werden mit Dumping-Löhnen abgespeist. Und das schon seit Jahren. Die Busfahrer der CeBus erhalten gerade einmal 1480 Euro im Monat. Da ist nicht nur die Altersarmut programmiert, sondern schon jetzt, trotz einer Vollbeschäftigung, sind viele Mitarbeiter nicht in der Lage, mit diesem Geld über die Runden zu kommen.

Diese Zeche zahlt die Gesellschaft. Die Steuerzahler kommen dafür auf, dass den Busfahrern als Aufstocker Hartz-IV-Leistungen zukommen und die Steuerzahler werden auch dafür aufkommen, die Altersarmut zu lindern.

Diese Misere ist einer Ausschreibungspraxis geschuldet, bei der nur nach dem günstigsten Angebot geschielt wird. Die Unternehmen wissen das, kalkulieren knapp und mit Löhnen, bei denen durchaus in Betracht gezogen wird, dass der Staat die Lücken aus Steuermitteln halbwegs ausgleichen wird.

Die Politik scheint das nicht zu interessieren. Gerne zieht man die Stirn in sorgenvolle Falten, wenn die Investitionszuschüsse für den ÖPNV gekürzt werden. Und Mitarbeiter der CSC, die noch halbwegs anständig bezahlt werden, aber nun auf das Lohnniveau von CeBus-Mitarbeitern herunter gestuft werden sollen, sind sogar schon als "privilegiert" bezeichnet worden.

Ansonsten stecken die Verantwortlichen den Kopf in den Sand. Dabei werden sie seit Jahren von den CeBus-Mitarbeitern auf die Situation aufmerksam gemacht. Doch dem empörten Verständnis sind noch nie Taten gefolgt. Vielleicht sorgt die Tatsache, dass Busfahrer kündigen, weil sie besser bezahlt werden, wenn sie tote Hühner statt Schulkinder transportieren, ja jetzt dafür, dass sich die Politik regt. Denn drastischer kann man das Problem wohl kaum darstellen. Gunther Meinrenken