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Celle Stadt Malen gegen das Vergessen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Malen gegen das Vergessen
14:05 13.06.2010
Neue Ausstellung in der Stadtkirche Quelle: Aneka Schult
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Celle Stadt

„Bilder als Verlustanzeigen“ werden die mahnenden Stätten tituliert, Alexander Dettmars Wirken sei ein „Malen gegen das Vergessen“. In erdigen Farben nähert sich der gebürtige Freiburger, der 1994 mit der zerstörten Synagoge von Dettmar begann, den einstigen Orten jüdischen Zusammentreffens und Betens. Am 9. November 1938, in der Reichspogromnacht, gingen sie in Flammen auf, wurden Opfer des nationalsozialistischen Vernichtungsakts. Alte Fotos, Zeichnungen und Baupläne dienen dem Architekturmaler als Vorlagen. Folgte Dettmar zuvor seiner Manier, vor Ort, an Ort und Stelle die unmittelbare Nähe zum Objekt seiner „malenden Begierde“ zu suchen, so musste er für seine Serie „1938 – Zerstörte Deutsche Synagogen“ mit dieser Weise gänzlich brechen. Die Lücken sind es dagegen, die Dettmar oft eher spürt als sieht, ein Raunen, ähnlich leisem Totenklagen, das er wieder zum Sprechen bringt. Glaube und Wärme zieht in seine Gotteshäuser nicht mehr ein. Die Himmel über den steinernen Zeugen jüdischen Lebens sind keine strahlenden. Verunreintes Weiß hängt als Schleier hinter den aus gedeckten Farben gemauerten Fassaden. Ähnlich seinen Arbeiten über einen alten jüdischen Friedhof in Berlin stimmt der Barlach-Preisträger ein Requiem an, dessen Trauer nicht zu überhören, dessen gleichzeitige neu komponierte Schönheit aber nicht zu übersehen ist. Jürgen Doppelstein, Vorsitzender der Ernst-Barlach-Gesellschaft Hamburg, spricht von einem Beitrag zum kulturellen Gedächtnis. „Dettmars Bilder sind Montagen aus Architektur und Traum. Ihr dunkel-pastoser Klang hilft Disparates zusammenzuhalten und Unwirkliches wirklich werden zu lassen.“

●Eröffnung: Im Gottesdienst am Sonntag, 17. Januar, 10 Uhr, wird die von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Celle initiierte Ausstellung in der Stadtkirche eröffnet, mit einer Einführung von Jürgen Doppelstein. Sie ist zu sehen bis 14. Februar, dienstags bis sonnabends 10 bis 17 Uhr, sonntags 11 bis 13 Uhr.

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Bilder deutscher Synagogen sind in einer Ausstellung in der Celler Stadtkirche zu sehen.

Von Aneka Schult