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Celle Stadt Die drei ??? und das Geheimnis des Erfolgs
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Die drei ??? und das Geheimnis des Erfolgs
10:34 12.01.2019
Zahlreiche Kassetten der Hörspielserie "Die drei Fragezeichen" liegen nebeneinander auf einem Tisch. Die ersten sechs Folgen der Jugendserie erschienen im Oktober 1979.  Quelle: Wolfram Kastl
Hamburg

Ein dumpfer Synthesizer. Lautes Vogelzwitschern. Verzweifelte Hilferufe. Und dann zwei junge Stimmen: „Hey Peter, jemand ruft um Hilfe!“ – „Ich hab‘s gehört. War das nun ein Mann oder eine Frau?“ – „Hmm, vielleicht keines von beiden!?“ So merkwürdig beginnt im Jahr 1979 das allererste Abenteuer der erfolgreichsten deutschen Hörspielreihe. Millionen kennen seit ihrer Kindheit „Die drei Fragezeichen“ (eigentlich: „Die drei ???“) Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Fans verfolgten die Fälle der Junior-Detektive auf Schallplatte oder Cassette, auf CD oder per Stream. Der Clou: Die Sprecher des Trios sind bis heute die drei selben. Dieses Jahr steht gleich ein Doppeljubiläum an – der 40. Geburtstag und die 200. Folge.

Oliver Rohrbeck spricht den rundlichen Schlaumeier und Schnelldenker Justus Jonas, der mit seinen beiden Teenie-Freunden im kalifornischen Rocky Beach nach verschwundenen Schätzen, Gespenstern und Verbrechern sucht. Dass das so einschlagen würde, erzählt Rohrbeck, hätten er und seine Kollegen Jens Wawrczeck (Peter) und Andreas Fröhlich (Bob) nicht ahnen können. „Es war auch in der Branche einfach nicht üblich, dass man sagt: „Wir machen jetzt für 30 oder 40 Jahre eine Serie.“ Wir haben im Prinzip da einfach von Folge zu Folge gelebt.“ Obwohl sie inzwischen sehr gut beschäftigte Synchron- und Hörbuchsprecher sind und auch Theater spielen, halten sie dem Klassiker die Treue.

Am Anfang steht die Episode „Der Super-Papagei“, am 12. Oktober 1979 veröffentlicht. „Das Kuriose war, dass wir angefangen haben mit Jens als Bob und Andreas als Peter“, sagt Rohrbeck. „Und nach zwei Stunden stellte sich heraus: Das funktioniert irgendwie nicht.“ Die Regie habe daraufhin einen Rollenwechsel vorgeschlagen und man habe es noch einmal aufgenommen. „Und seitdem ist das in Stein gemeißelt.“ Sechs bis acht Folgen des Erfolgsformats nehmen sie pro Jahr auf.

Hörspielregisseurin Heikedine Körting trifft mit dem Format 1979 offensichtlich einen Nerv: „Ich kriegte pro Woche mindestens einen Wäschekorb voll Briefchen, Bilder, Malereien, Hörspielideen.“ Die Serie habe eine neue Zielgruppe bürgerlicher Familien erreicht. Mit den Jahren werden „Die Drei Fragezeichen“ zum größten Verkaufserfolg des Labels – bis heute sind über 46 Millionen Tonträger abgesetzt.

Besonders in den Anfangsjahren steht dahinter eine sehr komplexe Erfolgsformel. Die Plattenfirma Europa hat sich (per US-Lizenz des Serienerfinders Robert Arthur) das Logo von Alfred Hitchcock und dessen Namen als Figur gesichert. So tritt er quasi als Schirmherr auf. Zudem erkennen die Macher schon früh den beginnenden Boom der Musik-Cassette und bieten die MCs für fünf Mark an – ein Kampfpreis.

Dazu entwirft Grafikerin Aiga Rasch (1941-2009) Cover im Stil psychedelischer Kunst – unheimliche Schattenrisse in grellen Farben, die Bücher, LPs und MCs zieren, nicht selten verfremdete Fotos aus Zeitschriften. Viele Fernsehstars übernehmen Sprechrollen, etwa Horst Frank, Hans Clarin, Gisela Trowe und Günter Pfitzmann. Der erste Erzähler, Peter Pasetti, ist der Regisseurin gut in Erinnerung. Als „großartiger Schauspieler“, zugleich als „schwieriger Mensch“. Doch habe ihm diese Hörspielreihe enorm viel bedeutet. „Und er hat für nichts auf der Welt so viel Fanpost gekriegt wie von den Kindern.“

Wer auf dem Flohmarkt noch eine frühe Auflage der Kinderhörspiele ergattert, kann als Soundtrack den exzellenten Fusion Jazz des Hamburger Musikers Carsten Bohn genießen. Die Musik wechselte später.

„Es hatte eine Wertigkeit und es war geheimnisvoll“, sagt Andreas Fröhlich zum Erfolg. „Man darf ja nicht vergessen, dass die Folgen oft nicht von den Kindern gekauft wurden, sondern von den Eltern.“

Dennoch gerät die Reihe mit den Jahren in schwierige Zeiten. Irgendwann sind alle US-Vorlagen vertont. Die Skripte werden schwächer. Justus, Bob und Peter haben zu ermitteln begonnen, als es hierzulande noch D-Züge, Pril-Blumen und Wählscheibentelefone gab – und nur drei TV-Kanäle. Im wiedervereinigten Deutschland haben sie Videospiele und Privatfernsehen zur Konkurrenz. Der Glanz der „Drei Fragezeichen“ droht Mitte der 90er schwächer zu werden. Da geschieht etwas Unvorhersehbares, das der Reihe zu einem Neustart verhilft.

Um das Jahr 1997 schickt sich die beliebte Hip-Hop-Band Fettes Brot an, die Idole ihrer Kindheit wieder populärer zu machen: die „Drei Fragezeichen“. Das Comeback habe tatsächlich damit begonnen, erzählt Körting. Die Rapper hätten sich in einer Talkshow geoutet: „Das waren totale Fans. Sowas von Fans. Sie konnten alles auswendig.“

Fettes Brot ergattern Sprechrollen in der Reihe und widmen ihr sogar eine Platte. Die Kampagne wirkt: Junge Leute erinnern sich an die gelben Cassetten auf dem Dachboden. Kurz vor dem Millennium ist es bei Mittzwanzigern nun Mode, die Abenteuer aus Kindertagen wieder zu hören. Vor allem zum Einschlafen sind die Hörspiele seither beliebt. Erwachsene machen laut Europa heute die Hälfte der Käufer aus.

Im Jahr 2019 steht das 200. Abenteuer an. Oliver Rohrbeck und Andreas Fröhlich sind nunmehr 53 Jahre alt, Jens Wawrczeck 55. Und nicht nur die 6 bis 14 Jahre alten Kinder, an die sich die Reihe richtet, hören zu – sondern auch deren Elterngeneration. Das hat mit Sehnsüchten zu tun, so Wawrczeck. „Wir sind sozusagen eine Verbindung zur Kindheit. Wir sind auch eine Verbindung zu einer heilen Welt. Zu einer Welt, die noch anders war. Oder zumindest anders empfunden wurde.“

Andreas Fröhlich geht noch weiter: „Wir sind eigentlich die Heinos der Hörspielszene. Weil wir für Generationen Geschichten erzählen, die sie immer mit ihrer Kindheit in Verbindung bringen.“ Keine Morde, keine Fäkalsprache – die Serie sei wie „ein Fels in der Brandung“.

Obwohl die drei aus der Stammcrew laut Regisseurin Körting „glatt durch den Stimmbruch“ kamen und sich noch heute wie junge Männer anhören, muss Europa gezielt Sprecher auftreiben, die nicht jünger klingen als sie. Noch schwieriger werde es, wenn die Junior-Detektive auf Erwachsene träfen. „Die muss ich mit mindestens einem Abstand von 20 Jahren besetzen.“ Dann seien Stimmen zwischen Mitte 70 und 80 gefragt. „Und die sterben mir doch alle weg“, sagt sie. Und seufzt.

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