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Celle Stadt Mieten können meist nur noch Filialisten zahlen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mieten können meist nur noch Filialisten zahlen
14:05 13.06.2010
Von Oliver Gatz
Noch ein Klamottenladen: Wo einst der McDonald’s stand, ist ein Textilgeschäft eingezogen. Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

20 Jahre lang hatte Werner Lampe das McDonald’s-Geschäft in der Zöllnerstraße betrieben – dann war Schluss. „Die saftige Mieterhöhung konnten wir nicht auffangen“, blickt der Unternehmer zurück. Lampe gab seinen Gastronomiebetrieb am 31. Dezember 2008 auf. Seinen Angaben zufolge hatte der Eigentümer die Miete um einen zweistelligen Prozentwert erhöht. „Es ist zu viel gefordert worden. Wir hätten das gar nicht schaffen können.“ Die Betriebsaufgabe sei bitter gewesen, erinnert sich Lampe. „Es herrschte gedrückte Stimmung.“ Auch ohne die Mieterhöhung wäre es während der Wirtschaftskrise vermutlich sehr schwierig geworden, den Schnellimbiss zu halten, sagt der Unternehmer.

So wie ihm dürfte es auch anderen Mietern in der Celler City ergangen sein – obwohl sich nach einer aktuellen Erhebung der Maklerfirma Comfort die Geschäftsmieten in Celler 1A-Lagen in den vergangenen Jahren vergleichsweise moderat entwickelt haben. „Bei hohen Mietpreisforderungen sind häufig nur Filialisten in der Lage, das zu zahlen“, sagt Celles Wirtschaftsförderer Thomas Faber. Deshalb seien etliche bekannte Modemarken in der Innenstadt vertreten – allerdings im Vergleich zu Großstädten mit kleinen Geschäften und abgespecktem Warenangebot. Hohe Mieten, die nur große Modeketten zahlen könnten, würden andere Eigentümer dazu animieren, ebenfalls solche Preise zu verlangen. „Und da wird manchmal der Bogen überspannt“, sagt Faber.

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Die Maklerfirma Comfort ist auf die Vermittlung von Geschäftshäusern und Ladenlokalen in 1A-Lagen deutscher Innenstädte spezialisiert. Sie hat die Entwicklung der Mieten kleinerer Geschäfte mit einer Erdgeschoss-Verkaufsfläche zwischen 80 und 120 Quadratmetern und gehobener baulicher Ausstattung in 18 niedersächsischen Städten in einem standardisierten Verfahren untersucht.

Für diese erdachten Geschäftsgrößen errechnete Comfort in Celles 1A-Lagen – dazu gehören Zöllnerstraße, Poststraße und der Markt – für 2009 einen Quadratmeterpreis von 55 Euro. Zum Vergleich: In Lüneburg kostete der Quadratmeter im vergangenen Jahr 75 Euro, in Hildesheim ebenfalls 75 Euro, in Hameln 40 Euro und in Wolfenbüttel nur 28 Euro. In Hannovers City mussten Geschäftsleute 180 Euro berappen, in Braunschweig 115 Euro. Im Vergleich der 18 niedersächsischen Städte kostete der Quadratmeter den Angaben zufolge durchschnittlich 59 Euro – Celle liegt also leicht darunter.

Zwischen 2004 und 2009 nahmen die Mieten in der Residenzstadt um 7,8 Prozent zu. Der niedersächsische Mittelwert beträgt hier 14,7 Prozent. Die Mieterhöhungen in Celle haben sich demnach über die Jahre moderat entwickelt. Zum Vergleich: In Hildesheim beträgt das Plus 13,6 Prozent, in Lüneburg 15,4 Prozent, in Wolfenbüttel 21,7 Prozent, in Hannover 20 Prozent und in Braunschweig 21,1 Prozent.