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Celle Stadt Mit Krebsdiagnose bricht Welt zusammen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mit Krebsdiagnose bricht Welt zusammen
07:00 04.12.2019
Celle

Vanessa Gruber (Namen wurden von der Redaktion geändert) hält ihre lebhafte Zweijährige auf dem Schoß fest und versucht – neben der Animation, ihre Jüngste halbwegs gesittet zum Essen zu bewegen – auch selbst einige Bissen zum Mund zu führen. Das Essen ist für die 30-Jährige selbst schon eine Herausforderung. Wegen einer Krebserkrankung wurde ein Teil ihrer Zunge entfernt, die nachfolgende Bestrahlung war erfolgreich, wie es nach drei Jahren aussieht, hat aber noch weitere Schäden im Mund- und Rachenraum hinterlassen. Die vierfache Mutter musste nicht nur die Nahrungsaufnahme neu lernen, sie hat auch mit dem Sprechen und der Lautstärke Schwierigkeiten.

„Mitleidsblick für Behinderte“

Das nützen vor allem ihre zwei älteren Jungs schon mal aus, wenn sie einfach nichts gehört haben wollen oder so tun, als hätten sie nicht verstanden. „Ganz normal“, weiß Vanessa Gruber, „ich hätte das als Kind wohl ebenso gemacht – die Gelegenheit ausgenutzt.“ Trotzdem macht das ihren Alltag nicht einfacher. Auch beim Einkaufen oder Telefonieren ist die Kommunikation erschwert. Oft muss sie sich wiederholen und betont langsam sprechen – dann kommt oft dieser „Mitleidsblick für Behinderte“, wie sie es nennt. Das macht sie manchmal wütend, zumindest frustriert.

Kein Raum zum Spielen

Familie Gruber wohnt in einer abgewohnten Sozialwohnung auf rund 85 Quadratmetern mit drei Zimmern: eine kleine Küche, ein Wohn/Esszimmer. Das kleinste Zimmer teilt sie sich mit ihrem Mann. Im anderen stehen ein Etagenbett und eine klapprige Liege, die schon bessere Tage gesehen hat. Samt Kleiderschrank und altem Reise-Babybett ist der Platz voll ausgenutzt – kein Raum zum Spielen. Das findet, wie alles andere, im „Familienwohnzimmer“ statt.

Familie lebt von Sozialhilfe

Sven Gruber kommt – wie Vanessa – aus einem schwierigen Elternhaus. Die Kindheit der beiden war geprägt von Sucht und Vernachlässigung. Als Teenager, in derselben Straße lebend, hatten sie sich ineinander verliebt. Gemeinsam fühlten sie sich stark. Als Vanessa mit 17 schwanger wurde, beschlossen die beiden, eine „richtige, viel bessere Familie“ zu gründen. „Wir waren wohl ziemlich naiv“, kommentiert die dünne Frau mit den müden Augen. Während sie den Haushalt mit den Kindern zu stemmen versucht, nimmt Sven jedes Angebot an, als ungelernter Arbeiter ein paar Euro dazuzuverdienen. Ausreichend ist es nie – die Familie lebt von Sozialhilfe.

Für die Kinder fließt jeder verfügbare Cent in Ausbildung und Bewegung – alle drei sind im Sportverein, „dort können sie sich austoben“.

Von sozialpädagogischer Familienhilfe unterstützt

Mit der Diagnose brach das letzte bisschen geregelte Stabilität des Familienlebens zusammen. „Wir haben eingesehen, dass wir es alleine so nicht schaffen.“ So sind sie dankbar, dass sie seit zwei Jahren von der sozialpädagogischen Familienhilfe unterstützt werden. Vanessa ist glücklich, dass Sven auch während der schweren Zeiten der Behandlung und weiter zu ihr und den Kindern gehalten hat: „Er ist ein guter Ehemann und Vater. Wir kennen einige Leute, die weniger durchmachen mussten und bei denen trotzdem einer schnell das Handtuch geworfen hat und abgehauen ist. Eigentlich wollte er nochmal seinen Schulabschluss nachmachen und was Richtiges lernen, damit wir es mal besser haben, aber dann kam meine Krankheit dazwischen und er musste sich um die Kinder kümmern.“ Das Glück über den überstandenen Krebs hat schließlich zu Safira, ihrem jüngsten Nachwuchs, geführt.

Zwei Hochstühle dringend gesucht

Für sie wünscht sich die Familie dringend ein „großes Ausziehsofa“. Das könnte dann die Liege, auf der bislang Elsa (5) schläft, ersetzen und noch Platz für ihre kleine Schwester bieten, die aus dem Babygestell längst rausgewachsen ist. Außerdem hoffen die Eltern auf zwei Hochstühle, damit die beiden Töchter auch ohne provisorische Sitzerhöhungen und ohne auf einem Schoß zu sitzen, alleine am Esstisch mit essen können.

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