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Celle Stadt Liebeslieder fürs Publikum
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Liebeslieder fürs Publikum
21:09 01.02.2019
Zuhören, analysieren und neuen Gag kreieren: Luke Mockridge ist Meister im Improvisieren.  Quelle: David Borghoff
Celle

Ein Klavier steht im blauen Scheinwerferlicht auf der Bühne der kleinen Halle der CD-Kaserne Celle. Gesäumt von einer Gitarre und einem Mikrofon lässt es eher den Auftritt einer kleinen Band vermuten, denn den eines deutschlandweit bekannten Entertainer: Luke Mockridge, der normalerweise Arenen mit über 10.000 Zuschauern füllt, moderiert sich selbst an, als er die Bühne vor gerade einmal rund 300 Cellern betritt.

Bereits in den ersten fünf Minuten offenbart sich eine der größten Stärken des 29-Jährigen: seine Spontanität. Statt in dieser allerersten Preview seines neuen Programms „Welcome to Luckyland“ für die späteren Shows in den Arenen Deutschlands zu proben, plaudert Mockridge die nächste halbe Stunde mit dem Publikum. Er saugt alle Infos wie ein Schwamm auf, kommentiert sie und verarbeitet sie gekonnt zu Gags. Da ist der 25-jährige Zuschauer, der vor drei Tagen Geburtstag hatte und seine Zeugungsgeschichte erzählt: Seine Mutter wollte eigentlich Dirty Dancing gucken, woraufhin Luke Mockridge „Time of my Life“ auf dem Klavier spielt. Oder das Paar in der ersten Reihe, das seit drei – „Nein, vier“ – Monaten zusammen ist.

Mühelos merkt sich Mockridge die Lebensgeschichten der Zuschauer und flechtet sie während des gesamten Abends immer wieder in seine Show. Die Witze werden zu Insidern, die Zuschauer zu Eingeweihten und Teil des Programms. Dabei habe er eigentlich gar keine Ahnung, was heute Abend passieren wird, betont der Comedian noch zu Anfang. „Wir werden heute gemeinsam das Show-Programm entwickeln. Es ist ein Experiment mit viel Lustigem, aber auch Schrecklichem.“ Immer wieder dreht er sich zu dem Laptop, der auf dem Klavier steht, schaut auf seine Notizen oder ergänzt etwas.

Es scheint allerdings zu Anfang, als habe Mockridge zwei Ideenkonzepte gehabt und hätte sich von keinem trennen können. Da sind zum einen seine Beobachtungen, die er detailgetreu, mit großen Gesten und vielen Untermalung mit dem Zuschauer teilt: Seine eigene Kindheit – „Wir haben damals nicht auf dem iPad gewischt. Das einzige, was wir damals gewischt haben, war die Farbe auf dem Samtsofa. Hellgrau. Grau. Hellgrau. Grau.“ – , Feiern in Berlin oder Dating. Doch dann ist da auch diese andere Seite, auf die im Verlaufe des restlichen Abends nicht mehr eingegangen wird: „Luckyland handelt von Weltanschauungen. Ich habe das Gefühl, wir zerstören uns gerade selber. Dabei haben wir vor etwas Angst, das gar nicht da ist“, so Mockridge. „Jeder hat die Verantwortung sich sein Luckyland so zu bauen, wie es für einen gut ist.“ Was wird der Entertainer selbst bauen? Wird er sich später in seiner Kunst auch politischen Themen widmen?

Auch vor Witzen auf seine Kosten schreckt der 29-Jährige nicht zurück. „Wie heißt das Ding vorne am Auto bei der Windschutzscheibe? Windschutzscheibenwischer?“, fragt Luke Mockridge unbedarft in die Runde, ehe er sich ein paar Sekunden später an den Kopf schlägt und über sich selbst lacht. „Ich bin heute Abend übrigens als bester Moderator beim Deutschen Fernsehpreis nominiert. Das wird nichts, oder?“ Doch es wird. In der zweiten Hälfte kommt seine Assistentin mit einem iPad in die Halle. Er wird live bei der zeitgleichen Fernsehpreis-Gala in Düsseldorf zugeschaltet, um sich via Skype für die Auszeichnung zu bedanken. Ausgestrahlt wurde diese kurze Dankesrede bei ARD One allerdings nicht. Nach dem Skype-Anruf noch die ersten paar Takte von „One moment in time“ gespielt und schon geht es weiter mit dem Programm – als wäre nichts gewesen.

Am Klavier zieht Luke Mockridge ein weiteres Ass aus dem Ärmel: seine Musikalität. Während er sich eine Hand an den Kopf hält, um eine Flosse zu imitieren, spielt er mit der anderen die ersten Takte von „Der weiße Hai“. Der Computer mit den Notizen scheint längst vergessen. Stattdessen probiert der Comedian begeistert die Effekte-Tasten am Klavier aus – „Ich hoffe, ihr habt einen Moment Zeit mitgebracht“. Ob „Bamboleo“ oder „Fluch der Karibik“: Jeder neue Effekt weckt eine andere Assoziation zu einem Stück.

Sein Gitarrenspiel beschert Björn Gnesner und Thea Giemenz, dem Paar in der ersten Reihe, wohl den Höhepunkt des Abends. Spontan improvisiert Luke Mockridge ein Liebeslied für die beiden. „Er ist unglaublich wortgewandt. Aus nichts macht er einen fetten Gag“, schwärmt Gnesner und Giemenz ergänzt: „Es hat sich definitiv gelohnt, vorher zweieinhalb Stunden anzustehen.“ Kaum sind die letzten Takte der Zugabe verklungen – passend zum eben performten Song von Whitney Houston „I will always love you, Celle“ ins Mikrofon gesprochen – gibt es nicht nur von Gnesner und Giemenz stehende Ovationen.

Gerade noch auf der Bühne die Rampensau, fährt Luke Mockridge nach der Preview langsam herunter. Für ein Interview hat der Entertainer dennoch Zeit.

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