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Celle Stadt Musik und Satire, poetisch bis scharfzüngig
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Musik und Satire, poetisch bis scharfzüngig
15:01 13.06.2010
Von Maren Schulze
Mitreißend musiziert: Wolfgang Stute, Heinz Rudolf Kunze und Hajo Hoffmann (von links) bei ihrem Konzert in Celle. Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

Als sich die Zuhörer gegen 22.30 Uhr noch eine Zugabe erklatschten, da hatten sie schon längst vergessen, dass sie sich mitten in der Schalterhalle der Celler Volksbank an der Stechbahn befanden. Jürgen Wippich von der Kulturinitiative „querbeet“ hatte schon seit langer Zeit den Gedanken gehegt, genau dort ein Konzert anzubieten. Und der Name des Künstlers, den er einzuladen gedachte, öffnete schließlich die Türen „bis auf den Tresor“, wie Wippich scherzte.

Heinz Rudolf Kunze marschierte ebenfalls durch – mitten ins Herz der Zuhörer. Poetisch, scharfzüngig, witzig und nachdenklich zugleich meisterte er die derben und die leisen Töne. Erschienen in „Räuberzivil“ mit Jacke im Tarnlook, Goldkettchen und während der Auftritte unbebrillt war Kunze mit seinen Begleitern Wolfgang Stute (Gitarre, Cajon) und Hajo Hoffmann (Geige, Mandoline). Und die drei haben ältere Hits wie „Finden Sie Mabel“ oder „Aller Herren Länder“ genauso gerockt wie brandneue, nachdenkliche Stücke. „Was haben wir angerichtet“ fragt Kunze oder ruft auf „Legt die Waffen nieder“. Nachdenkliche Gesichter auch beim Song „Abschied muss man üben“ – Kunze widmete ihn an diesem Abend dem Nationaltorhüter Robert Enke.

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Erschienen sind die Songs im September auf dem Live-Album „Räuberzivil“, das, wie Kunze stolz hervorhob, direkt in die Charts eingestiegen ist, ohne jede Werbung – wenn auch nur auf Platz 86. In den persönlichen Charts der Gäste am Mittwochabend dürfte das erst recht nach dem Konzert allerdings erheblich weiter oben angesiedelt sein.

Auch, wenn in der kurzen Pause plötzlich die Alarmanlage der Volksbank im ersten Stock einen energischen Fiepton von sich gab – es musste nicht mit der Ersten Allgemeinenn Verunsicherung und „Ba Ba Banküberfall“ weitergehen – einer der Gäste hatte lediglich versehentlich auf eine Türklinke gedrückt.

Heinz Rudolf Kunze moderierte locker durchs eigene Konzert, die Texte führten zwar auf seine Lieder hin, konnten aber auch für sich stehen. Mit scharfer Zunge, aber nicht verbiestert, nahm er die Gebrechen der modernen Welt aufs Korn, fragte nach der Bibel als Klingelton, hoffte auf zur Besinnung gekommene Standesbeamte, die endlich alle Doppelnamen löschen, wunderte sich über einzelne Schuhe am Wegesrand, gestand unter der Überschrift „Ich bin ein Mann“, dass seine Socke riechen „wie schlecht zubereitetes Wild“ und ließ alle an seinen Gewaltphantasien gegen Frauen teilhaben, wenn er sie ins zehnte Schuhgeschäft begleiten muss. Damit hatte er die Lacher des Publikums auf seiner Seite. Eine Aussage Kunzes dürften aber alle Gäste des Abends unterschreiben: „Blues macht einfach Spaß.“