Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt So wird die Stadtkirche vor Feuer geschützt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt So wird die Stadtkirche vor Feuer geschützt
14:23 17.04.2019
Von Michael Ende
Potenzial für ein Inferno à la Paris: Unter dem Dach der Celler Stadtkirche sind enorme Mengen knistertrockenen Holzes verbaut. Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle

Als Celles Stadtkirchen-Pastor Volkmar Latossek am Montag die Bilder der brennenden Notre-Dame-Kathedrale in Paris sah, lief es ihm eiskalt den Rücken herunter. Während das Dach der Pariser Marien-Kirche in einem wahren Höllenfeuer prasselnd in Flammen aufging, dachte Latossek an die Celler Kirche St. Marien, in der er selbst den Gläubigen predigt. Latossek: „Was an der Seine passiert ist, könnte auch an der Aller geschehen.“

Dachstuhl aus knistertrockenem Holz

Denn der Dachstuhl der 1308 eingeweihten Celler Stadtkirche besteht wie der von Notre Dame aus uraltem Holz. Und das brennt wie Zunder. Der aus dem 13. Jahrhundert stammende Dachstuhl ist 43 Meter lang, 20 Meter breit und über zwölf Meter hoch. Hier wurde ein ganzer Wald verbaut. Denn im mittelalterlichen Original-Dachstuhl steckt noch ein zweiter moderner Dachstuhl, der vor zwei Jahrzehnten eingezogen wurde, um das alte Bauwerk zu verstärken. Das ist eine Menge Holz auf kleinem Raum.

Celles Stadtkirchen-Pastor Volkmar Latossek. Quelle: Alex Sorokin

Gefahr durch Staub

Stadtkirchen-Küster Ralf Pfeiffer hat ein besonderes Faible für den Dachstuhl, den er einmal pro Woche bei einem vierstündigen Rundgang auf Schäden an der historischen Bausubstanz kontrolliert. Dreimal im Jahr saugt er den gesamten Dachboden ab, insgesamt kommen dabei um die 100 Kilogramm Staub zusammen. „Durch Staubentwicklung und Lichteinfall könnte es zu einer Explosion kommen“, sagt Pfeiffer. Und ein Feuer unterm Dach – das würde ganz schnell zum Inferno, ahnt Latossek.

Besondere Vorsicht geboten

„Zwar haben wir Steigleitungen verlegt, die im Ernstfall der Feuerwehr die Versorgung mit Wasser erleichtern würden, aber wie sollten wir bei einem Brand unsere kulturellen Schätze retten?“, fragt Latossek. So könne man etwa den prächtigen Altar aus dem Jahr 1613 nicht einfach abnehmen und abtransportieren. Das unersetzbare Werk könnte ein Raub der Flammen werden: „Das wäre furchtbar.“ Latossek sagt, dass man zum Beispiel bei Gottesdiensten mit echten brennenden Kerzen besondere Vorsicht walten lasse: „Aber ein Feuer ganz ausschließen – das kann niemand.“

In der Stadtkirche befinden sich einige kulturelle Schätze wie der prächtige Altar. Mit brennenden Kerzen ist man daher sehr vorsichtig.  Quelle: Oliver Knoblich

Mehr Drehleitern als andernorts

Auf diesen Fall der Fälle habe sich die Celler Feuerwehr so gut wie möglich vorbereitet, sagt Hauptwachen-Ortsbrandmeister Bernd Müller: „Dazu gehört zum Beispiel, dass wir hier in Celle vier Drehleitern haben, was für eine Stadt unserer Größe ungewöhnlich viel ist. Aber nur so können wir garantieren, dass wir historische Gebäude, zu denen neben der Kirche ja auch das Schloss oder das Rathaus zählen, im Brandfall von vier Seiten gleichzeitig löschen können.“ Der historische Gebäudebestand der Altstadt stelle die Feuerwehr generell vor hohe Herausforderungen: „Man kann nicht überall Sprinkleranlagen einbauen – deshalb müssen wir besonders auf Zack sein.“

Bernd Müller, Ortsbrandmeister der Hauptwache, hier bei einer historischen Einsatzvorführung der Freiwilligen Feuerwehr.  Quelle: David Borghoff

Hochleistungs-Brunnen auf Stechbahn

Damit die Feuerwehr bei einem Brand im Herzen der Stadt nicht auf dem Trockenen sitze, habe man vorgesorgt, so Müller: „So wurde vor ein paar Jahren auf der Stechbahn ein Tiefbrunnen mit fest installierter Pumpe gebaut, der wesentlich mehr Wasser liefern kann als ein herkömmlicher Hydrant.“ Was bei einem Dachstuhlbrand mit der Stadtkirche passieren würde, mag auch Müller sich lieber nicht vorstellen: „Da ist sehr viel Holz verbaut, das lichterloh brennen würde.“ Auch was das Löschwasser im Kirchenschiff anrichten würde, sei ebenfalls keine schöne Vorstellung.

Feuerwehr-Zufahrten frei halten

Latossek sagt, dass jeder mithelfen könne, die Celler Stadtkirche vor einem Inferno wie in Paris zu schützen: „Und zwar indem die Feuerwehr-Zufahrten freigehalten werden. Das ist ganz wichtig. Wenn die Feuerwehr im Brandfall schnell und effizient eingreifen kann, ist vielleicht noch nicht alles verloren.“