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Celle Stadt Darum ist Rücksicht auf Küken gefragt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Darum ist Rücksicht auf Küken gefragt
19:11 03.04.2019
Von Svenja Gajek
Rainer Brüsewitz weiß, welche Vogelarten an den Dammaschwiesen brüten. Quelle: Svenja Gajek
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Celle

Das Thema Anleinpflicht für Hunde beschäftigt nach wie vor die Gemüter. Die CZ berichtete am Dienstag über das Verhalten der Hundebesitzer auf der Insel zwischen Aller und Flutbecken südwestlich von Klein Hehlen. Viele Halter sind der Meinung, dass die Stadt mehr Flächen ausweisen sollte, auf denen die Menschen ihre Tiere ungestört frei laufen lassen können. Doch muss auch bedacht werden, dass viele Bereiche gerade am Fluss als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind. Der Vorsitzende des Nabu Celle, Rainer Brüsewitz, erklärt am Beispiel der Dammaschwiesen, welche Folgen das Verhalten unkontrollierter Hunde für die dortige Fauna haben kann.

Dammaschwiesen sind Brutflächen für seltene Vögel

Die Dammaschwiesen sind laut Brüsewitz wegen ihrer Stadtnähe einmalig. Im Winter können die Bürger die vereisten Flächen zum Schlittschuhlaufen nutzen. Andererseits gibt es durch die ständige Bewässerung aber auch ein großes Pflanzenreichtum. Dieses benötigen viele Vögel, die in Städten seltener anzutreffen sind als Amsel und Spatz, zum sicheren Nestbau und zur Aufzucht ihrer Jungen. „Jetzt in der Brut- und Setzzeit, also vom 1. April bis 15. Juli, herrscht hier, wie überall sonst auch, absolute Anleinpflicht“, betont Brüsewitz. Er benennt verschiedene Vogelarten, die auf Störungen besonders empfindlich reagieren: „Hier brüten die typischen Heckenbewohner, wie Zilpzalp, Braunelle und Rotkehlchen. Diese Tiere halten sich alle in Bodennähe auf. Hunde sind natürlich neugierig, das heißt, die gehen richtig ins Gebüsch rein. Der Vogel ist aufgeschreckt und verlässt das Nest. Wenn da Eier drin sind, erkalten die ganz schnell, dann ist die Brut dahin. Einige Arten legen dann nochmal Eier, aber ich bin der Meinung, dass man die Tiere ja nicht noch extra dazu zwingen muss.“

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Hundehalter müssen für Natur sensibilisiert werden

Dem Nabu-Vorsitzenden ist die Schwierigkeit beim Abwägen zwischen Naturschutz und Freizeitverhalten durchaus bewusst, doch lehnt er strengere Kontrollen der Leinenpflicht ab: „Wir müssen mehr mit den Leuten reden, sie für das Thema sensibilisieren. Klar, es gibt den Bußgeldkatalog. Aber gleich immer mit der Keule schwingen, das finde ich persönlich nicht gut.“ Kritisch sieht er die Bemerkung einiger Hundehalter, die behaupten, sie hätten ihren Vierbeiner immer im Griff. Brüsewitz selbst hat auch einen Hund; dieser sei aber dort, wo es verlangt wird, immer an der Leine. „Mein Motto ist: Der Stärkere soll Rücksicht auf den Schwächeren nehmen. Die Stärkeren sind in diesem Fall die Hunde und deren Halter.“ Wenn Leute einen Garten besitzen, reiche es durchaus, wenn sie die Tiere dort frei laufen lassen. Nicht angeleinten Hunden Zugang zu einem Feld zu gewähren, könne zu Problemen führen: „Auf dem Acker kann sich die Feldlerche aufhalten. Diese ist Vogel des Jahres und mittlerweile nur noch selten anzutreffen. Der Mensch sieht sie zwar nicht, sehr wohl wittert sie aber der Hund.“

Verwechslung mit bemalten Eiern

Zur Osterzeit besteht noch eine zusätzliche Gefahr für die Bodenbrüter: Bei der Eiersuche könnten sehr junge Kinder die bunt gesprenkelten Vogeleier mit angemalten Ostereiern verwechseln. So wirken zum Beispiel die Gelege von Kiebitz, Singdrossel oder bereits erwähnter Feldlerche besonders attraktiv auf unwissende Gemüter. Die Suche sollte sich deshalb zur Sicherheit der Vögel auf den Hausgarten beschränken.

Christian Link 03.04.2019
03.04.2019
Benjamin Behrens 03.04.2019