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Celle Stadt Mehr Kommunikation beim Naturschutz gefordert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mehr Kommunikation beim Naturschutz gefordert
06:00 12.04.2019
Von Svenja Gajek
Rainer Brüsewitz ist seit 29. März neuer Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Celle. Quelle: David Borghoff
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Celle

Rainer Brüsewitz hatte schon immer großes Interesse am Schutz seiner Umwelt. Der Naturschutzbund Deutschland ermöglichte es ihm seit früher Jugend, sich für Fauna und Flora zu engagieren. Nun hat ihn der Nabu-Kreisverband Celle, der mit seinen 110 Jahren zu den ältesten Nabu-Gruppierungen gehört, zum neuen Vorsitzenden gewählt. CZ-Mitarbeiterin Svenja Gajek sprach mit Rainer Brüsewitz über die großen Herausforderungen des Naturschutzes.

Herr Brüsewitz, welchen Hintergrund bringen Sie mit?

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Ich bin studierter Chemiker. Vor 40 Jahren bin ich auf den Nabu aufmerksam geworden, als Eckehard Bühring, der Naturschutzbeauftragte im Landkreis Celle, für eine Pflanzaktion mit Jugendlichen in Rebberlah geworben hat. Da wollte ich mitmachen. Mit den anderen zusammen habe ich dann eine Jugendgruppe beim Nabu gegründet. Mein Ansporn war es schon immer, mich mit handwerklichen Dingen zu beschäftigen. Es macht einfach Spaß, Grünzäune zu bauen, Teichbewirtschaftung im Sinne des Naturschutzes zu betreiben und einfach etwas mit Hand und Fuß zu tun.

Haben Sie im Moment ein Lieblingsforschungsgebiet?

Die Habighorster Teiche finde ich immer noch am interessantesten. Diese gehören dem Land Niedersachsen. Der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hat das Gebiet zur Betreuung an uns abgegeben. Eine Gruppe von acht Ehrenamtlichen hält die Teiche funktionstüchtig und führt schonende Pflegemaßnahmen durch. Sie reparieren die Dämme, kontrollieren die Wasserstände und kümmern sich um das Abfischen im Winter. Dort kann ich mich der Vogelkunde, meinem Spezialgebiet, widmen. Es gibt dort den relativ seltenen Rothalstaucher. Aber auch der Fischotter hinterlässt seine Spuren. Dann gibt es noch die streng geschützte Knoblauchkröte. Zwei Damen aus Habighorst bauen jedes Jahr die Krötenzäune in dem Gebiet auf.

Wie beurteilen Sie die bisherige Arbeit des Nabu in Celle?

Ich finde, wir können gute Ergebnisse vorweisen. Wir sind in neun Ortsgruppen organisiert: Bergen, Celle, Hambühren, Hermannsburg/Faßberg, Lachendorf, Unterlüß, Wathlingen, Wienhausen und Winsen. Jede Gruppe kümmert sich um die Arbeiten direkt vor Ort. Dabei kann es sich um die Feuchtwiesenpflege in Bergen oder um die Unterhaltung von Nisthöhlen in Hambühren handeln. Alle kennen ihre Aufgaben und führen diese gewissenhaft durch.

Worin besteht die Arbeit des Kreisvorstandes?

Jedes Jahr geben wir einen Rundbrief heraus. Das Hauptaugenmerk liegt natürlich in der überregionalen Tätigkeit, das heißt, der Kreisverband selbst ist nicht vor Ort aktiv. Wenn es zum Beispiel um das Ausweisen von Flächen für neue Windenergieanlagen geht, geben wir immer zu bedenken, dass dabei der Naturschutz berücksichtigt werden muss. Ein weiteres Thema für uns ist die Natura 2000, ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der EU, das seit 1992 nach den Maßgaben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie errichtet wird. Die Vorgaben zur Anzahl der Gebiete haben wir noch nicht erreicht.

Was waren bemerkenswerte Projekte des Nabu im Kreis Celle?

Ich finde die Kiesaufschüttung der Lachte durch den zuständigen Unterhaltungsverband vor einigen Jahren sehr wichtig. Der Nabu hat sich finanziell daran beteiligt. Jungfische brauchen einen steinigen Untergrund, um sich zu verstecken. Außerdem schützt der Kies den Laich der Fische. Ein Sandbett ist kein ursprünglicher Zustand für einen Bach.

Wo besteht aus Ihrer Sicht noch Verbesserungsbedarf?

Wir müssen alle Bürger stärker dafür sensibilisieren, dass wirklich jeder von uns etwas für die Natur tun kann: regional und saisonal einkaufen, im Garten nicht so viel aufräumen. Auch gibt es häufig Ärger mit Landwirten und Jagdpächtern. Umweltschutz und wirtschaftliche Interessen lassen sich meistens nur schwer vereinbaren. Doch ich bin Pragmatiker. Wir müssen mit den Leuten reden. Ich will nicht die Wildnis in Deutschland wiederherstellen, aber wir müssen auf jeden Fall einen Interessensausgleich anstreben. Die Frage ist immer: Wie viel Naturschutz wollen wir uns leisten?

Kontakt zum Nabu

Wer Lust bekommen hat, sich beim Nabu zu engagieren, findet unter www.nabu-kv-celle.de weitere Informationen. Dort gibt es auch viele nützliche Tipps rund um das Thema Naturschutz.

11.04.2019
Gunther Meinrenken 11.04.2019
Svenja Gajek 11.04.2019