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Celle Stadt Haesler-Museum öffnet nach Umgestaltung wieder
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Haesler-Museum öffnet nach Umgestaltung wieder
18:02 03.05.2019
Von Dagny Siebke
Im Wasch- und Badehaus von 1931 werden die Besucher mehr über die Siedlungen von Otto Haesler in Celle erfahren. Zahlreiche Fotos und ein Film veranschaulichen seine Ideen. Quelle: David Borghoff
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Celle

Interessierte könnten Rudolf Becker wahrscheinlich auch nachts um drei Uhr anrufen und nach einer Episode aus Otto Haeslers Leben fragen. So lebhaft sprudeln die Fakten über Celles bekanntesten Architekten aus dem Bauexperten heraus, der das Otto-Haesler-Museum am Galgenberg 13 betreut. Seit 2010 ist Becker der ehrenamtliche Geschäftsführer der Otto-Haesler-Stiftung und geht bei Führungen immer auf die individuellen Interessen der Gruppe ein. "Architekturstudentinnen gucken nicht schlecht, wenn sie erfahren, dass Blusen in den 1930er Jahren nur alle sechs Wochen gewaschen wurden und eine ganze Familie nacheinander das Badewasser in einer Wanne teilte", erzählt Becker.

Doch momentan kommuniziert Rudolf Becker mehr mit den Handwerkern, die die letzten Arbeiten im Wasch- und Badehaus am Blumläger Feld vornehmen. Am 11. Mai eröffnet das Museum nach der Umgestaltung wieder. Da das Museum in die Jahre gekommen war, wurde es vor dem großen Bauhausjubiläum 2019 umfassend modernisiert. "Hier wurde 25 Jahre lang nichts mehr gemacht", sagt Becker. Insgesamt 75.000 Euro kosten alle Arbeiten. 30.000 Euro bringt die Stiftung selbst auf, 30.000 Euro stammen aus Fördermitteln des niedersächsischen Kultusministeriums. Dazu kommen Drittmittel in Höhe von 15.000 Euro.

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Mehr über Anfänge und auswärtige Projekte

Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (WBG) als Eigentümerin der Siedlung im Blumläger Feld führte eine Fassadensanierung am ehemaligen Wasch-, Bade- und Heizhaus durch und einige Reparaturen in den Innenräumen. Zudem sind im Laufe der Jahre viele Exponate hinzugekommen, die noch nicht entsprechend aufgearbeitet und in die Sammlung integriert sind. Wer durch die Räume des Wasch-, Bade- und Heizhauses geht, kann nun Schritt für Schritt die Entwicklung von Otto Haesler nachvollziehen. "Vorher war alles ein bisschen durcheinander. Jetzt sind die Exponate und Infotafeln chronologisch geordnet", erklärt Rudolf Becker.

Rudolf Becker und weitere Ehrenamtliche bieten Führungen durch das Otto-Haesler-Museum an, das jetzt auch die Wohn- und Geschäftshäuser des Architekten zeigt. Zudem erfahren Besucher mehr über Projekte außerhalb Celles. In der Haesler-Küche stehen momentan noch Modelle. Im Kabinett hängen Fenster von Musterhäusern. Handwerker hängen einen Touchscreen auf.

In einem Raum erfahren Architekturinteressierte mehr über die Anfänge, denn zunächst baute Haesler in Celle Wohn- und Geschäftshäuser für das wohlhabende Bürgertum. Beispiele dafür sind das Trüllerhaus, das Kaufhaus Friedberg, aber auch die Landhäuser an der Berggartenstraße. "Otto Haesler hat sich von einem Provinzbaumeister zu einem der bekanntesten Vertreter des Neuen Bauens entwickelt", erläutert Rudolf Becker. Erst ab dem Jahr 1923 sei Haesler über Celle hinaus bekannt geworden, als er sich dem sozialen Wohnungsbau widmete. "Im Museum stellen wir nun vermehrt soziale Gesichtspunkte in den Fokus, da sie die Motivation Otto Haeslers für die Entwicklung des modernen Bauens waren“, macht Becker deutlich. So erfahren Besucher mehr über die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg. Über den Fliesen prangt ein Zitat des Berliner Fotografen Heinrich Zille: "Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genauso töten wie mit einer Axt."

Neue Öffnungszeiten im Bauhausjahr 2019

Nach der Modernisierung lernen Besucher noch mehr über Haeslers auswärtiges Wirken, das über Celles Grenzen hinausging. "Für die vielen Infotafeln hatten wir vorher keinen Platz", sagt Rudolf Becker. Doch nun gibt es auch Wissenswertes über die Haesler-Siedlungen in Karlsruhe, Rathenow und Kassel. Auch darüber, dass der Architekt 1930 die Entwürfe für ein Altersheim lieferte. "Die Leute in Kassel haben es häufig Tantenaquarium genannt", erzählt Becker.

70 Führungen gab es im Jahr 2018, die Rudolf Becker fast alleine stemmte. Während des Bauhausjahres 2019 hat die Stiftung die Öffnungszeiten des Otto-Haesler-Museums erweitert. Von Mittwoch bis Sonntag können sich Besucher zwischen 13 und 18 Uhr umschauen. Darüber hinaus sind Führungen auch nach Vereinbarung möglich. Zusammen mit drei weiteren Ehrenamtlichen hält Rudolf Becker im Museum die Stellung.

Am Sonntag, 12. Mai, soll dann auch um 12 Uhr die Foto-Ausstellung in der Galerie Dr. Jochim im Direktorenhaus eröffnet werden. Dort werden Bilder des bekannten Fotografen Arthur Köster gezeigt, die das umfangreiche Werk Otto Haeslers dokumentieren.

Bauhaus-Bahn nimmt täglich um 13 Uhr vor dem Schloss Fahrt auf

In der Celler Innenstadt führen zahlreiche Schilder Touristen zu den wichtigsten Orten des Neuen Bauens. Vor den Gebäuden werden moderne Stelen aufgestellt, die Interessierte mittels QR-Code zur Internetseite www.neuesbauen-celle.de verlinken. Zudem bietet die Celle Tourismus und Marketing GmbH (CTM) spezielle Führungen per Segway, Rad oder zu Fuß an. Ab sofort ist auch die Bauhaus-Bahn unterwegs. Die Rundfahrt mit "Müller’s City Express" startet täglich um 13 Uhr vor dem Celler Schloss und zeigt die wichtigsten Bauwerke Otto Haeslers in Celle.

"Andere Städte schauen neidisch auf unsere neuen Bauhaus-Angebote", sagt CTM-Geschäftsführer Klaus Lohmann. "Neue Touristen aus dem In- und Ausland kommen." Angesprochen auf die vielen Baustellen im Bauhaus-Jahr antwortet Lohmann: "Touristen suchen das Echte und Authentische und weniger das fertige Ganze zum Abhaken. Unser Ziel ist es nicht, Celle als Museum darzustellen, sondern als lebendige Stadt mit vielen – auch unerwarteten – Themen und aktuellen Herausforderungen." Auf das Thema Bauhaus bezogen biete Celle ein wunderbares und einzigartiges Potpourri: "Gebäude in unterschiedlichen Stadien des Zustandes und der Nutzung, von abgerissen bis renoviert, von Erstnutzung bis Galerie, von ignoriert bis begehrt oder von bunt bis verwaist. Hier ist die Zeit nicht stehen geblieben, sondern wir schreiben Geschichte, um es einmal übertrieben zu formulieren."

Von Mittwoch bis Sonntag hat das Otto-Haesler-Museum zwischen 13 und 18 Uhr geöffnet. Und nach Vereinbarung unter Telefon (05141) 217487 oder per E-Mail an info@haeslerstiftung.de Der Eintritt ist kostenlos. Spenden werden erbeten.

Gunther Meinrenken 03.05.2019
Gunther Meinrenken 03.05.2019