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Celle Stadt OHE in Gefahr: Wiswe ruft um Hilfe
Celle Aus der Stadt Celle Stadt OHE in Gefahr: Wiswe ruft um Hilfe
15:44 28.06.2010
Von Michael Ende
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Celle Stadt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) und Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP), sämtliche niedersächsischen Bundestagsabgeordneten – sie haben eins gemeinsam: Sie haben einen Brief von Celles Landrat Klaus Wiswe (CDU) erhalten. Dieses Schreiben ist ein Hilferuf, denn Wiswe, der für die Kommunen im Aufsichtsrat der Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE) sitzt, sieht die OHE und ihre Tochter Metronom in „höchster Gefahr“: „Dieser Brief ist der letzte Versuch, drohendes Unheil von der OHE abzuwenden.“

Unheilvoll hat sich der Schatten des mächtigen Konkurrenten Deutsche Bahn (DB) über die OHE-Familie gelegt: Der Verkauf des britischen Arriva-Konzerns, der OHE-Mehrheitseigenr ist, durch die DB steht vor dem Abschluss, und die DB hat angekündigt, ihre deutschen Arriva-Beteiligungen umgehend weiterzuverkaufen. Wiswe: „Die Absicht der DB läuft den Interessen des Landes Niedersachsen, der kommunalen Gesellschafter an der OHE, der Mitarbeiter bei der OHE-Gruppe – insbesondere bei Metronom – und letztlich auch den Interessen der Menschen vor Ort massiv zuwider. Auch der Wettbewerb wird durch die Absicht der DB beeinträchtigt. Besonders betrifft dies den Geschäftsbereich der Gesellschaft Metronom.“

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Beim OHE-Zugpferd Metronom gebe es nach der von Arriva durchgesetzten Kündigung der Geschäftsführung erste Auflösungserscheinungen, so Wiswe: „Nicht ohne Grund hat man die Befürchtung, dass die DB an einer auch zukünftig starken Metronom-Gesellschaft kein Interesse hat und sich in ihren Weiterverkaufsbemühungen so verhält, dass die metronom - Gesellschaft eher geschwächt wird. Diese Unruhe und die fehlende Klarheit über die zukünftige Eigentümerstruktur führen denn auch dazu, dass gerade gute Mitarbeiter mit beruflichen Alternativen das Unternehmen verlassen und so das Unternehmen weiter geschwächt wird.“

Die bisherige Zusammenarbeit des OHE-Aufsichtsrats mit Arriva bezeichnet Wiswe als „schlecht“ und führt „Unkenntnis und Nichtbeachtung des deutschen Aktienrechts“ durch die Briten an: „Das Grundproblem sind ausländischen Investoren, die kaufen, Gewinn herausholen wollen und dann wieder verkaufen – und sich nicht darum scheren, welche Auswirkungen das auf Strukturen und Arbeistplätze vor Ort hat.“ Wiswe plädiert für eine „norddeutsche Beteiligungslösung“: „Sprich die Übernahme der Arriva-Anteile an der OHE durch ein norddeutsches Unternehmen wie etwa durch die niedersächsische Eisenbahngesellschaft oder die Hamburger Hochbahn. Wir brauchen politischen Druck für eine solche Lösung.“

Der Celler Landtagsabgeordnete Rolf Meyer hatte schon 2007 dringend vor einem Ausverkauf der OHE gewarnt und sieht Land und Bund in der Pflicht, das Schlimmste abzuwenden: „Damals konnte das Land seine Anteile nicht schnell genug loswerden – jetzt steht man vor einer Situation, die sich demnächst als Scherbenhaufen präsentieren wird.“