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Celle Stadt Obergrenze für Wölfe in Celler Region?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Obergrenze für Wölfe in Celler Region?
16:33 31.05.2016
Quelle: nicht zugewiesen
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Celle Stadt

Das wurde bei der Präsentation von Celles Kreisjägermeister Hans Knoop im Umweltausschuss deutlich. „Aus meiner Sicht kippt die Stimmung gerade, und wenn es so weiter geht, werden Menschen Straftaten begehen und das kann es nicht sein“, sagt Knoop.

Er berichtete über die Situation aus seiner Sicht. Danach würden sich deutlich mehr Rudel im Landkreis Celle und Umgebung ansiedeln als von Experten errechnet. „Eigentlich sollte hier nur Platz für drei Rudel sein, es sind aber inzwischen vier mit DNA und Fotos bestätigt und zwei weitere werden vermutet“, sagt Knoop.

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Zudem bekomme er immer wieder Berichte, nach denen die Wölfe die Scheu vor dem Menschen vermissen lassen. Konkret hat er drei Fälle, wo Wölfe auf Einzelgehöften sogar an den Sandkasten von kleinen Kindern gepinkelt haben, um das Revier zu markieren. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der für das Wolfsmanagement zuständig ist, hält das für normal besonders in der Dämmerung und am Tag bei wenig Bewegung. Doch Knoop sagt, dass die Tiere auch am Tag kommen, wenn auf dem Hof Aktivitäten sind.

Im Ausschuss gab es heftige Kritik und großes Lob für die Präsentation von Knoop. Während Gerald Sommer (Grüne) Knoop vorwarf, „Wolfsbashing“ zu betreiben und keine neutrale Haltung einzunehmen, wie es seine Position als Kreisjägermeister verlange, lobten Albrecht Hoppenstedt (WG) und Elke Meyer (CDU) Knoops Ausführung als realistisch. Auch die SPD ergriff Partei für den Wolf. Zwar habe Knoop mit 1500 Anrufern über den Wolf gesprochen, die ihm vielleicht ein schwieriges Bild gezeichnet hätten, „ich kenne aber viele Menschen, die gar kein Problem mit dem Wolf haben, und bin selbst viel im Wald unterwegs. Da habe ich mehr Angst vor einer Wildschweinbache mit Frischlingen“, sagte Annette von Pogrell.

Die Diskussion zeigte, wie tief die Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern sind. Der Kreisjägermeister war nach der Sitzung entsetzt, „dass die Wolfsbefürworter nicht ansatzweise versucht haben, sich mal seine Sicht der Dinge anzuhören. Er habe den Eindruck, dass „viele bei der Landbevölkerung die Sicherheit verlieren, die Politik sie aber nicht ernst nimmt.“ Er hat Angst, dass so mancher nicht mehr auf den Gesetzgeber warten wird, wenn es so weiter geht. „Ich weiß aus anderen Bundesländern, dass Leute, die es können zur Waffe greifen. Diese Situation müssen wir unbedingt verhindern“, so Knoop.

Er fordert deshalb eine Obergrenze für Wölfe und auch ein professionelles Wolfsmanagement. Dazu gehört für ihn auch eine Bezahlung der Wolfsberater, die derzeit ehrenamtlich mit einer Entschädigung von 25 Euro pro Fall Risse begutachten.

In diesem einen Punkt gibt ihm Wolfsberater Helge John Recht. Die Bezahlung ist wenig, aber es ist aus seiner Sicht ja auch ein Ehrenamt. „Am besten wäre es aber, wenn Veterinäre diese Arbeit machen würden. Das Land will jetzt zwei dafür einstellen. Ich weiß aber nicht, ob das reicht“, sagt John. Bei der Zahl der Wölfe im Landkreis und den zügigen Gegenmaßnahmen hingegen widerspricht John. „Aus meiner Sicht gibt es zwei betätigte Rudel im Landkreis, die anderen bewegen sich eher in den Randbereichen“, so John.

Dass das Leben mit dem Wolf mitunter schwierig sei, gerade wenn es zu Situationen wie am Sandkasten komme, kann er nachvollziehen, „letztlich kann man aber nicht einfach Vergrämungsaktionen machen. Das verbietet der Schutzstatus der Tiere“, so John.

Es wäre auch gar nicht so leicht, jemanden zu finden, der das Vergrämen machen könnte. Wie das Umweltministerium auf CZ-Anfrage mitteilte, seien mit einer Fortbildung durch einen schwedischen Experten zwar erste Schritte unternommen worden. Es ist aber offenbar noch nicht so, dass es genügend Experten gibt, die das ausreichende Fachwissen habe.

Von Tore Harmening

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