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Celle Stadt Ökonomie und Ökologie verbinden
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ökonomie und Ökologie verbinden
15:22 13.06.2010
Von Gunther Meinrenken
Bundestagskandidatin Sabine Brunke-Reubold Quelle: Torsten Volkmer
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Celle Stadt

Sie wohnt in Lüneburg, sitzt dort im Kreistag und im Stadtrat, arbeitet als Fraktionsgeschäftsführerin der Harburger Grünen und tritt im Wahlkreis Celle-Uelzen für die Grünen bei der Bundestagswahl am 27. September als Direktkandidatin an: Sabine Brunke-Reubold hat keine Scheu vor neuen politischen Aufgaben und Herausforderungen. Dabei ist die 39-Jährige noch gar nicht so lange in der Politik. Erst vor fünf Jahren ist sie bei den Grünen eingetreten. „Ich wollte mich ehrenamtlich engagieren. Die politische Arbeit fand ich spannend und umfangreich“, meinte Brunke-Reubold, hinter deren Engagement noch eine besondere Einstellung steckt: „Meckern können wir alle, aber wir sollten selbst versuchen, etwas zu verändern.“

In die politische Arbeit bringt Brunke-Reubold dabei ihren beruflichen Hintergrund ein. Die Lüneburgerin ist Betriebswirtin: „Ökonomie und Ökologie zu verbinden, ist ein Muss, um unsere Gesellschaft voranzubringen“, sagt sie. Im Lüneburger Kreistag, in dem Brunke-Reubold seit 2006 sitzt, habe sie in diesem Jahr ein Projekt angestoßen, bei dem Unternehmen in den Bereichen Ressourcenmanagement und Abfallprodukte beraten werden. „12 Firmen haben sich auf Anhieb gemeldet. Das Projekt ist ein Musterbeispiel dafür, dass bei der Einsparung von Ressourcen sowohl die Umwelt, als auch die Wirtschaft profitieren.“

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Ein besonderes Anliegen ist Brunke-Reubold, einen Wechsel in der Energieversorgung herbeizuführen. „Ich möchte den Menschen aufzeigen, welche Möglichkeiten sie selbst haben, durch Wechsel des Anbieters oder durch Einsparungen, sich umweltbewusster zu verhalten. Der Erhalt der Natur ist mir eine Herzensangelegenheit, die bei mir immer mitspielt“, meint die Grüne-Direktkandidatin, die noch ein echtes Reizthema auf der Agenda hat: Sie ist für die Einführung eines Grundeinkommens.

„Das ist eine Vision, die noch weiter entwickelt werden muss und einen hohen Erklärungsbedarf hat, aber die Idee findet immer mehr Befürworter“, so die Grünen-Politikerin. Mit dem Grundeinkommen verbindet Brunke-Reubold die Vorstellung, dass die Menschen nicht mehr unbedingt zur Arbeit gehen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, sondern dem folgen, was sie „tun wollen“. Dass sich viele dabei in der sozialen Hängematte ausruhen würden, glaubt die Grüne nicht. „Die meisten Menschen haben das Grundbedürfnis, der Gesellschaft zu dienen“, ist Brunke-Reubold überzeugt.

Für den Celler Raum tritt die Lüneburgerin unter anderem mit verkehrspolitischen Forderungen auf den Plan. So soll die Bahnstrecke Hannover-Hamburg ein drittes Gleis erhalten. Die geplante Y-Trasse in der derzeitigen Form, ist für sie keine akzeptable Lösung. „Celle muss an den Fernverkehr angeschlossen bleiben, darf nicht nur die Last des Güterverkehrs tragen.“ Generell will sie sich dafür einsetzen, dass die Kommunen finanziell besser ausgestattet werden. Für Celle, mit seinem einzigartigen Fachwerkensemble, möchte Brunke-Reubold weitere Fördermöglichkeiten bei der Sanierung für private Hausbesitzer auflegen.

Sechs Fragen an Sabine Brunke-Reubold

Was kann die Politik tun, um in Deutschland mehr Arbeit zu schaffen, von der man auch leben kann?

Grüne schaffen mit nachhaltigen Investitionen in Klima, Gerechtigkeit und Bildung mindestens eine Million neuer Jobs. Der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien, neue Schienen- und Energienetze, ein besserer ÖPNV, die Steigerung der Energieeffizienz, aber auch Investitionen in Bildung und Betreuung sowie Gesundheit und Pflege – all das bringt nachweisbar neue Arbeit .

Braucht Deutschland einen bundesweit geltenden gesetzlichen Mindestlohn?

Armut trotz Arbeit ist inakzeptabel, dieses Lohndumping wollen wir stoppen. Mit einem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von wenigstens 7,50 Euro je Stunde wollen wir sicherstellen, dass man von seiner Arbeit auch leben kann. Ein gesetzlicher Mindestlohn ist zudem ein wichtiger Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit, weil vor allem Frauen von Niedriglöhnen betroffen sind. Wir schlagen die Einrichtung einer Mindestlohn-Kommission vor, die die generelle Lohnuntergrenze jährlich überprüft und gegebenenfalls bei steigenden Lebenshaltungskosten anpasst. Die Lohnuntergrenze ist für alle verbindlich, branchen- und regionalspezifische Mindestlöhne darüber sind möglich.

Wie lässt sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern?

Eine moderne Gesellschaft braucht eine Arbeitskultur und Arbeits(zeit)modelle, die es Frauen und Männern möglich macht, ein erfolgreiches Leben mit Kindern und Berufstätigkeit zu vereinbaren. Ausreichende und hochwertige Kinderbetreuungsangebote sind ebenso wichtig, sie sind zudem die Grundlage für gleiche und gute Bildungschancen der Kinder.

Sind in Zeiten der Wirtschaftskrise und ausufernden Staatsverschuldung Steuersenkungen vertretbar?

Der ständig wachsende Schuldenberg muss gestoppt werden. Dies muss aber mit Rücksicht auf die Konjunktur geschehen. In dieser Situation Steuersenkungen zu versprechen ist unrealistisch, unredlich und billiger Stimmenfang, auf den die Menschen nicht hereinfallen werden.

Soll Deutschlands Freiheit weiterhin in Afghanistan verteidigt werden?

Deutschland hat eine Mitverantwortung für ein friedliches und stabiles Afghanistan, welches sich in einem schweren Konflikt befindet. Ein sofortiger Abzug würde das Land ins Chaos stürzen. Wir fordern hier einen strategischen Kurswechsel und eine Abzugsperspektive mit überprüfbaren Zwischenzielen.

Hat die Kernenergie hierzulande noch eine Zukunft?

Atomkraft ist gefährlich, teuer und mit dramatischen Risiken verbunden. Die Restlaufzeiten für Atomkraftwerke dürfen daher nicht verlängert werden. Wir Grüne wollen die besonders unsicheren alten Atomkraftwerke noch früher vom Netz nehmen. Zudem ist die Endlagerfrage noch immer ungeklärt. Einer Festlegung auf Gorleben durch die Hintertür treten wir energisch entgegen, genauso wie das heimliche Versenken von radioaktivem Material in Gruben wie Höfer und Asse. Also die klare Antwort: Die Kernenergie hat keine Zukunft - die Energie der Zukunft ist regenerativ.