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Celle Stadt Pastorale Atmosphäre des Trostes und der Geborgenheit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Pastorale Atmosphäre des Trostes und der Geborgenheit
14:36 13.06.2010
Der Kirchenchor unter der Leitung von Carla Lottmann (vorn rechts) beim Herbstkonzert im Altarraum der Bonifatiuskirche Klein Hehlen Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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KLEIN HEHLEN. Wie häufig bei kirchlichen Laienchören war auch hier wieder zu erleben, dass ihre Interpretationen nicht von einem aufgesetzten künstlichen Heiligenschein geprägt waren, sondern von verinnerlichtem gläubigem Vertrauen in die Kraft des Wortes.

Lottmann ließ die Musik in prall barocker Programmatik daherstolzieren, ohne sie durch zusätzliche Effekte zu überfrachten. Mit großen, langen Seufzern aus tiefer melancholischer Brust sangen Viola da Gamba und Blockflöten ihre Melodien. Und die Truhenorgel mit ihrem dunklen gedeckten Klang schwang akkurat mit diesen wehmütigen Ahnen heutiger Instrumente mit und sorgte im Zusammenspiel mit ihnen für ein sinnlich gefärbtes Basso continuo.

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Das Konzert gipfelte in Johann Sebastian Bachs Kantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“. Die im alten Motettenstil vertonten Bibeltexte, die vom bedrückenden Gedanken des Sterbenmüssens in tiefer Andacht zu Trost und Lobpreisung Gottes aufsteigen, beeindruckten durch eine ungemein einfühlsame Interpretation. Die Instrumentalisten schafften exakt die ernste, bedrückte, meditative Stimmung, mit der Bach treffsicher jene typisch barocke Weltmüdigkeit charakterisierte, die sich in den von Chor und Solisten vorgetragenen Texten widerspiegelte. Und so entfaltete sich ein mehrschichtiges Szenario von ungeschönter musikalisch-theologischer Aussagekraft, das schließlich in einer pastoralen Atmosphäre des Trostes und der Geborgenheit mündete. Mit inniger Einfühlung, rhethorischer Klugheit und jener Portion Charme und Grazie, die Bach selbst den Stücken mitgegeben hat, lieferten die Interpreten eine rundum gelungene Wiedergabe dieses Werkes in einem Konzert, das am Ende mit lang anhaltendem Applaus honoriert wurde.

Gesang ohne künstlichen Heiligenschein – beim Herbstkonzert in der Bonifatiuskirche.

Von Rolf-Dieter Diehl