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Celle Stadt Perfekte Verbindung zwischen Literatur und Musik
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Perfekte Verbindung zwischen Literatur und Musik
15:19 01.03.2017
Der Chor „St. Petersburger Harmonie“ begleitete die Lesung in der Evangelisch-reformierten Gemeinde in Celle. Quelle: Oliver Knoblich
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Zimmermann verfügt über die besondere Gabe, perfekt passende literarische Ausschnitte aus der russischen Literatur der Jahrhunderte pointiert vorzutragen und dabei noch höchst fachkundig herüber kommt, aber kein bisschen akademisch-langatmig, gelehrt herablassend oder gar schwer verständlich. Er spricht über die Literatur wie über seinen besten Freund, von dem er gerade mal was Kurzes erzählen müsse, erläutert dabei dann noch die Verwandtschaftsverhältnisse und die Eigenarten desselben und alle Zuhörer bekommen das Gefühl, unangestrengt und unterhaltsam weitergebildet worden zu sein.

Dieses Mal drehten sich die Ausführungen um Literatur im Umfeld der russischen Revolution von 1917. Zunächst kamen Autoren wie Majakowsi, Achmatowa, Jesenin und Gorki zu Wort. Den zweiten Teil widmete Zimmermann dann ganz dem weniger bekannten Dichter Alexander Blok und dessen Hauptwerk „Die Zwölf“. Idealtypisch gelang es Zimmermann immer wieder aus seinem Vortrag überzuleiten zur Musik des Petersburger Gesangsensembles. Da wirkten selbst fernere Bezüge verblüffend naheliegend, weil sich Zimmermann nämlich nicht nur auf den sprachlichen Inhalt der Musikstücke bezog, sondern immer wieder auch die zu erwartenden musikalische Atmosphäre zum Anlass nahm, Verbindungen zwischen Literatur und Musik herzustellen.

Einziges Manko dieses Abends war, dass das sechsköpfige Ensemble in den Tenorstimmen doch etwas geschwächt wirkte durch zwei neue Sänger, die bei allem Können, das Niveau der dieses Mal fehlenden Mitglieder nicht ganz halten konnten. Auch schien da atmosphärisch innerhalb der Gruppe etwas nicht zu stimmen. Jedoch war es trotzdem noch so, dass die Stimm- und Ausdruckskraft der Sänger bei jedem Stück beeindruckte. Und vor allem ist es immer wieder erstaunlich, dass selbst übertrieben scheinendes Pathos bei dieser Art des Singens bei dieser Musik und diesen Sängern überzeugt, weil es in keinem Moment aufgesetzt wirkt.

Man hat bei jedem Ton das Gefühl, dass er ehrlich gemeint ist. Und darum zieht diese Musik wohl auch jedes Mal wieder viele Menschen an. Und begeistert immer wieder. Aber eigentlich war Zimmermann der entscheidende Mann dieses Abends. Und die perfekte Auswahl der Texte und der Musik.

Von Reinald Hanke