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Celle Stadt Peta fordert Kutschenverbot im Landkreis Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Peta fordert Kutschenverbot im Landkreis Celle
12:50 16.08.2018
Von Christian Link
Peta fordert ein Kutschenverbot im Landkreis Celle, aber die rechtlichen Möglichkeiten dafür sind nicht gegeben. Quelle: Christian Link
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Celle Stadt

Sobald im Landkreis Celle ein Tier zu Schaden kommt, lässt eine Reaktion aus dem mehr als 400 Kilometer entfernten Stuttgart in der Regel nicht lange auf sich warten. Dort befindet sich nämlich die Deutschlandzentrale der umstrittenen Tierrechtsorganisation Peta, die sich bei öffentlichkeitswirksamen Themen gerne auch in der Heide zu Wort meldet. Nun haben die Aktivisten wieder einmal zugeschlagen: Peta appelliert angesichts des Vorfalls an den Celler Landrat Klaus Wiswe, ein Verbot von Pferdekutschen im Landkreis zu prüfen. Ist so ein Verbot möglich?

"Nein", sagt Landkreissprecher Tore Harmening auf CZ-Anfrage, "ein grundsätzliches Kutschenverbot kann nicht verhängt werden". Denkbar wäre zwar höchstens ein eingeschränktes Verbot, für das es aber im Landkreis Celle derzeit keine Grundlage gibt. Denn dafür müssten "hinreichende tierschutzrechtliche Verstöße vorliegen".

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In Berlin scheiterte vor wenigen Monaten deswegen auch ein Versuch der zuständigen Bezirksregierung, Pferdekutschen vom Brandenburger Tor aus Gründen der Verkehrssicherheit zu verbannen. Das Verwaltungsgericht kassierte das Verbot, weil sich am Pariser Platz innerhalb von fünf Jahren gerade mal zwei Unfälle mit Pferdekutschen ereigneten. Zu wenig, um eine verkehrsrechtliche Anordnung zu erlassen, befanden die Richter.

Anders verhält sich das im mittelfränkischen Rothenburg ob der Tauber, wo Kutschenfahrten seit 2010 im verwinkelten Teil der Altstadt verboten sind. Eine entsprechende Entscheidung des Rothenburger Stadtparlaments wurde sogar höchstrichterlich bestätigt. Könnte dieses Beispiel auch in der Celler Innenstadt Schule machen? Wohl kaum. Engpässe und viele Touristen gibt es hier zwar ebenfalls, entscheidend für die Richter war in Rothenburg aber vor allem das rutschige Straßenpflaster. Zudem war es dort in den Vorjahren zu mehreren Zwischenfällen mit Kutschen gekommen. Trauriger Höhepunkt: der qualvolle Tod eine Kutschenpferdes, das im Sommer 2009 vor den Augen mehrere Touristen verendete.

Kein Vergleich also mit dem eher unbedeutenden Zwischenfall im Mai 2017, bei dem eine führerlose Kutsche des Pferdefuhrbetriebs Schubotz vom Celler Karstadt den Großen Plan entlangraste und erst unterm Vordach von Dettmer + Müller zum Halt kam. Zwei mutige Frauen, die die Irrfahrt stoppten, wurden dabei leicht verletzt. Ansonsten hielt sich der Schaden in Grenzen.

Weitere Unfälle mit Mietkutschen im Celler Land sind nicht bekannt. Kein Wunder: Wer gewerbliche Droschkenfahrten anbietet, muss viele Voraussetzungen erfüllen. Ohne Kutschenführerschein B darf im Landkreis niemand einen zahlenden Passagier befördern. Zudem müssen die eingesetzten Fuhrwerke jährlich vom TÜV oder einer vergleichbaren Stelle kontrolliert werden. Und auch für die Zugtiere gibt es diverse Anforderungen wie etwa Mindestalter, Ausbildungszustand oder maximale Einsatz- und Pausenzeiten.

"Derzeit besitzen zehn Fahrbetriebe im Landkreis Celle eine Erlaubnis", sagt Kreissprecher Harmening. Alle werden vom Landkreis überwacht. Wer eine Privatkutsche hat, wird nicht kontrolliert. Technische Mängel, wie sie die Polizei beim Kutschenunglück bei Severloh als Unfallursache feststellte, sind daher nicht auszuschließen. Die Pferde an der Privatkutsche eines Ehepaars, das Urlaub auf dem Reiterhof Severloh machte, waren durchgegangen und konnten vom Kutscher nicht gestoppt werden. Laut Polizei war die Bremsanlage mangelhaft.