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Celle Stadt Pfiffig, dynamisch und lustvoll: Die „Celler Nachtmusique“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Pfiffig, dynamisch und lustvoll: Die „Celler Nachtmusique“
16:15 10.07.2011
Das Ensemble „Celler Nachtmusique“ mit (von links) Martin Pfister und Hinrich Leithäuser (Klarinetten), Jacob Knauer und Anne Steinkrauß (Hörner), Burkhard Bertram und Ekkehard Popp (Fagotte) sowie Marcus Müller und Uta Gottwald (Oboen) beim Hofmusik-Konzert im Garten hinter dem Atelier 22. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Üppig-rund war der Klang, den das fein in sich verästelte Bläser-Oktett „Celler Nachtmusique“ formte, wobei sich die Musiker in den weich hingetupften Verzierungen mit federnder Leichtigkeit und lebendig dahin fließendem Puls die Bälle zuwarfen, während der Wind übermütig mit den Notenblättern spielte. Dadurch wurde der musikalische Ablauf im zweifachen Sinne immer wieder neu belebt und durchmischt, was dem bestens aufeinander abgestimmten Ensemble bis in die langsamen Sätze hinein mühelos gelang, als sich sanfte Kantilenen von einem Instrument zum nächsten wiegten.

Die Interpretationen lebten nicht von heftigen Akzenten und exzentrischem Raffinement, sondern von Verve und guter Laune. Die ausgewählten Stücke von Beethoven, Prokofjew und Mozart ließen dabei reichlich Raum für virtuose Zwischenspiele aller beteiligten Instrumente. Etwa in Beethovens Es-Dur-Oktett, in dem sich die Musiker in pfiffigen Figuren aufschaukelten und in weichen lyrischen Gesängen ergingen. Oder im Reich des sanft schmeichelnden Schönklangs von Prokofjews „Tanz der Mädchen“ aus der Suite „Romeo und Julia“.

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Musikalische Dynamik, melodischer Charme und emotionale Dramatik bestimmten auch die Harmoniemusik aus Mozarts „Don Giovanni“. Schon die Ouvertüre lieferte das Relief für einen impulsiven, dramatischen Musiziergestus, der im dunkel getönten Moll-Teil bereits anklingen ließ, wie Don Juan lustvoll seinem Untergang entgegenpoltert. Gewiss, den Anspruch, alle dramatischen Aspekte der Oper zum Klingen zu bringen, erhebt eine solche Harmoniemusik natürlich nicht. Doch man spürte – wie auch bei den nachfolgenden Arien – selbst im kammermusikalischen Kleid noch ihren dramatischen Atem. Da passte das schwärmerische Duettino „Là ci darem la mano“ (Reich mir die Hand, mein Leben) am Ende wunderbar als Schmankerl für den Heimweg des begeisterten Publikums.

Von Rolf-Dieter Diehl