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Celle Stadt Posse um „Schwarzmarschierer“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Posse um „Schwarzmarschierer“
17:56 25.06.2010
Von Michael Ende
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Celle Stadt

„Stadt Celle. Der Oberbürgermeister.“ Wenn man Post mit diesem Absender erhält, verheißt das oft nichts Gutes. Es könnte zum Beispiel ums leidige Thema Falschparken gehen. Dass sich Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) auch höchstpersönlich um die Verfolgung vermeintlicher „Falschgeher“ kümmert, haben jetzt drei Männer erfahren, die dem OB am Wochenende ins Auge gestochen sind: die Celler CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Adasch, Karl-Heinrich Langspecht und der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte. Ihnen werde zur Last gelegt, sich ungehörigerweise in den bunten Umzug am Tag der Niedersachsen eingereiht zu haben, so Mende jetzt in einem Schreiben an die „Herren Abgeordneten“.

●„Sehr verwundert“ sei er, schreibt Mende an die CDU-Politiker. Denn auf der Teilnehmerliste des Landestrachtenverbands, der den Umzug organisiert hatte, seien die drei CDU-Leute nicht aufgeführt gewesen. Mende selbst hatte den Umzug, in dem auch alle Celler Ratsmitglieder mitmarschieren durften, zusammen mit CDU-Innenminister Uwe Schünemann angeführt. Mit den drei Abgeordneten im Rücken fühlte er sich nicht wohl. Ihm habe sich „der Eindruck aufgedrängt“, dass im vielköpfigen Tross der Politiker namentlich Adasch, Langspecht und Otte eine Veranstaltung des Landes und der Stadt für parteipolitische Zwecke hätten „ausnutzen“ wollen.

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●„Dies widerspricht allen politischen Aspekten“, so der SPD-Oberbürgermeister. Die Art und Weise wie sich die drei in den Festumzug „hinein gedrängt“ hätten sei „nicht vertretbar“. Andere, wie etwa die Celler SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann hatten sich an die „Spielregeln gehalten und Zurückhaltung an den Tag gelegt“, so Mende. Er erwarte, dass Adasch, Langspecht und Otte sich künftig an die Spielregeln hielten und öffentliche Veranstaltungen der Stadt nicht „ungebeten als Bühne für ihre Partei benutzen“.

Das sei wahrlich starker Tobak, „kleinkariert“, geradezu „unverschämt“ findet Adasch, der darauf hinweist, dass es gerade auch dem persönlichen Engagement der CDU-Landtagsabgeordneten zu verdanken sei, dass Celle überhaupt den Zuschlag für die Ausrichtung des Niedersachsentages erhalten habe.

●„Herzlich eingeladen“: In einem Schreiben an Mende weisen die drei CDU-Abgeordneten dessen Vorwürfe entschieden zurück: „In einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Landestrachtenverbandes und zugleich allein zuständigen Veranstalter des Festumzuges, Wilfried Dubiel, wurden wir auf unsere Anfrage hin zu einer Teilnahme am Umzug von Herrn Dubiel herzlich eingeladen. Herr Dubiel hat dann ausdrücklich erklärt, dass wir uns an der Spitze des Umzuges unmittelbar hinter dem Innenminister einreihen sollten. Auch die anderen örtlichen Bundestags- und Landtagskollegen von SPD und FDP hätten hier durchaus die Möglichkeit gehabt, sich ebenfalls am Umzug zu beteiligen.“

●Genossin winkt ab: Aber das wäre ja gegen Mendes „Spielregeln“ gewesen. Unter diesem Aspekt muss Adasch schmunzeln, als er sich daran erinnert, wie Mende während des Umzugs selbst diese Spielregeln brechen wollte – wohl um den politischen Proporz im Zug wieder herzustellen: „Als Herr Mende während des Umzugs am Rande der Stecke Frau Lühmann erblickte, wie sie mit ihrem Mann in einem Lokal saß, stürzte der Herr Oberbürgermeister regelrecht auf seine SPD-Genossin zu und versuchte, sie zum Mitgehen zu animieren. Doch die winkte ab.“ Wegen der „Spielregeln“?

●„Abgeglitten“: Adasch, Langspecht und Otte raten Mende dringend dazu, sich zu beruhigen: „Statt gemeinsam an diese tollen und erfolgreichen Tage für Celle zurück zu denken, gleiten Sie mit Ihrer haltlosen Kritik auf ein bedenkliches Niveau ab, das Ihnen ganz offensichtlich nur noch eine parteipolitische Sicht der Dinge erlaubt.“