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Celle Stadt Projektwoche an Pestalozzischule Celle: Eltern sein ist ein Full-Time-Job
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Projektwoche an Pestalozzischule Celle: Eltern sein ist ein Full-Time-Job
17:14 19.01.2018
Von Dagny Siebke
Maria-Loreen, Rabija, Melina und Melina-Sophie waren eine Woche lang Mütter auf Zeit und kümmerten sich hingebungsvoll um die Babysimulatoren.  Quelle: David Borghoff
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Alle paar Sekunden gluckst es im Café der Pestalozzischule Celle. Sechs Mädchen haben die vier Babysimulatoren fest im Griff. Die Puppen sind so schwer wie ein drei Monate altes Kind und sie verhalten sich auch so. "Gib mir mal den Chip rüber, sonst kann ich meinem Kind nicht die Milch geben", sagt Maria-Loreen zu ihrer Mitschülerin. Schließlich soll so sicher gestellt werden, dass das Kind nur eine feste Bezugsperson hat.

Eine Woche lang können die Schülerinnen der neunten und zehnten Klasse bei "Eltern auf Zeit" testen, was es bedeutet, sich rund um die Uhr um ein Baby zu kümmern. Die Pädagogin Cordula Uhde von der Caritas Celle begleitet das Projekt, finanziell wird es vom Rotary Club Celle getragen.

Wie die Woche gelaufen ist? "Jeder sieht das anders", betonen die jungen Damen. Melina erzählt: "Als ich das Baby hatte, konnte ich nur zwei Stunden pro Nacht schlafen." So fütterte sie nicht nur das Kind, sondern wartete auch immer auf das Bäuerchen. Doch am schlimmsten war für sie die Situation im Bus, als sie vor allen Leute "ihr Kind auspacken" musste, weil der Busfahrer ihr nicht glaubte, dass sie noch zur Schule geht. Melina-Sophie hingegen fand die Nächte im Halbschlaf gar nicht so schlimm. "Da hatte ich den ganzen Tag über mehr zu tun", stellt die 16-Jährige fest.

Auf dem Schulhof hat Sheren eine heikle Situation erlebt. So sagt die 14-Jährige: "Die Jungs waren so übermütig. Da musste ich das Baby immer wegdrehen, sonst hätte es ein Trauma bekommen." Das hätte sonst enormen Punktabzug bedeutet. Schließlich zeichnet ein kleiner Computer auf, wie gut die "Mütter auf Zeit" die Babysimulatoren versorgt haben.

Sheren und Maria-Loreen möchte ihre Puppe eigentlich nicht wieder aus den Händen geben. „Das fühlt sich gut an“, finden die beiden. Doch das zum Elternsein noch mehr Verantwortung gehört, wissen sie nun. In den ersten drei Monaten verursacht ein Baby Kosten in Höhe von 1710 Euro. Auch das haben die Mädchen während der Projektwoche gelernt. Bevor es losging, haben sie nur für sich einen Fragebogen über ihren Kinderwunsch ausgefüllt. Wie viele sollen es sein und wann wünschen sie sich das erste Kind?

Am Ende der Projektwoche füllen die Schülerinnen den gleichen Fragebogen noch einmal aus und vergleichen die Ergebnisse. Melina-Sophie erklärt: "Wenn man logisch denken kann und Vater Staat nicht alles zahlen soll, wäre es gut, wenn man Arbeit hat und selbstständig auf eigenen Beinen steht – also so ab 21 Jahren."

Lehrerin Veronika Voigt erzählt: "Erst verhielten sich die Schülerinnen ziemlich albern. Mit der Zeit sind sie ganz ernsthaft an die Sache herangegangen und haben sich sogar untereinander organisiert." So tauschten sich die Mädchen permanent über WhatsApp aus und trafen sich zum gemeinsamen Frühstück.

Das ist eine Auswahl an Veranstaltungen, die am Samstag und Sonntag in Stadt und Landkreis Celle stattfinden.

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Michael Ende 19.01.2018