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Celle Stadt "Richterberuf wird immer weiblicher"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Richterberuf wird immer weiblicher"
15:33 08.07.2011
Von Oliver Gatz
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Celle Stadt

Auch Richter sind nur Menschen. Dieser an sich banale Satz bekommt eine besondere Bedeutung angesichts der Macht, die sie oft über das Schicksal anderer Menschen haben. Vor diesem Hintergrund werde viel zu wenig über Richter an sich, über ihre Herkunft und Einstellungen geforscht, bedauerte Wolfgang Spellbrink, Richter am Bundessozialgericht Kassel.

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Als widerlegt darf gelten, was man noch in den 60er Jahren glaubte: Dass alle Richter aus der Oberschicht stammen und ein „Oberschichtenrecht“ sprächen. Heute jedenfalls ist der Richterberuf nach Spellbrinks eigenen Erhebungen ein Aufstiegsberuf, der auch jungen Menschen aus der Unter- und Mittelschicht offensteht. Außerdem zeigt sich die Justiz nach dem Eindruck des Bundessozialrichters viel zu inhomogen, um eine „Klassenjustiz“ zu bilden, und: „Der Richterberuf wird immer weiblicher und ist tendenziell zum Frauenberuf geworden“.

Die Richter unserer Tage seien, so Spellbrinck, zur Projektionsfläche gesellschaftlicher Erwartungen geworden. Wann immer die Politik nicht weiter weiß, wo immer gesellschaftliche Probleme auftreten: Der Richter soll es richten – und ist damit überfordert. Ein guter Richter solle denkenden Gehorsam zeigen, also das Recht getreu auslegen, dabei aber das Denken nicht vergessen, meinte Spellbrink.

Generalbundesanwältin Monika Harms setzte pessimistische Akzente mit ihrem Hinweis, heutige Juristen hätten oftmals ein schlechtes Sprachverständnis und seien nicht mehr umfassend gebildet. „Die sehr guten Absolventen gehen in die Wirtschaft, die schlechten werden Anwalt, wir bekommen im Justizdienst die recht guten Mädchen“, sagte sie. Außerdem sieht die Generalbundesanwältin einen schleichenden Verlust an Respekt vor dem Recht. Der Sozialforscher Berthold Vogel ergänzte, dass Richter als ausgesprochen zufrieden mit ihrem Beruf gelten.

Die Zahl der Anmeldungen beim Celler Juristenforum steigt seit Jahren und erreichte mit 165 einen neuen Höchststand. Es ist damit das größte kirchliche Juristenforum in Norddeutschland. Neben den Präsidenten der niedersächsischen Oberlandesgerichte waren auch der Präsident des Landessozialgerichts sowie Repräsentanten von Polizei und Landesregierung in Celle vertreten.