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Celle Stadt Sabotage an Bagger stoppt Nordwall-Abriss
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Sabotage an Bagger stoppt Nordwall-Abriss
18:03 05.03.2019
Von Christian Link
Am Dienstagmorgen springt der Motor des Abrissbaggers hinter dem Haus Nordwall 18 nicht mehr an. Die Mitarbeiter von Struck Recycling entdecken mehrere durchtrennte Kabel und Leitungen.  Quelle: Christian Link
Celle

Erst der Millionen-Brand in Hambühren, jetzt Vandalismus in der Celler Innenstadt. „Wir stehen unter keinem guten Stern“, kommentierte Kalli Struck die folgenschwere Sachbeschädigung an seinem Abrissbagger. Unbekannte Täter hatten sich in der Nacht zu Dienstag viel Mühe damit gemacht, das schwere Gerät vollständig außer Gefecht zu setzen: Sie durchtrennten zahlreiche Schläuche, beschädigten Kabel und füllten offenbar Zucker in den Adblue-Tank.

Der Bagger sollte in dieser Woche mit den Abrissarbeiten für den Nordwall-Ausbau beginnen. Daraus wird erstmal nichts. „Ich habe mit der Werkstatt telefoniert, wir dürfen den Bagger nicht mehr starten“, sagte Struck. Der Schaden an dem 200.000 Euro teuren Fahrzeug war am Dienstagmorgen aufgefallen, nachdem sich der Motor nicht mehr starten ließ. Die Baumaschine ist nun hinter dem Haus Nordwall 18 gestrandet. Struck: „Wie wir den Bagger hier rauskriegen, ist unklar.“

Der bekannte Schrotthändler und Senior-Chef von Struck Recycling, der sich immer wieder für soziale Aktionen einsetzt, war von der Zerstörungswut der Unbekannten sichtlich geknickt. „Warum es solche Menschen gibt, die uns hier so ‘nen Schaden zufügen wollen, weiß ich nicht“, sagte der 72-Jährige. Er vermutet, dass es den Tätern eigentlich darum ging, die Stadt für den Nordwall-Ausbau zu bestrafen.

8000 Euro Schaden am Bagger

Die Polizei Celle schätzt den Sachschaden auf rund 8000 Euro und ermittelt gegen Unbekannt. Laut Struck ist der Abrissbagger nicht gegen Vandalismus versichert – er bleibe auf den Reparaturkosten sitzen. Auch bei dem Brand auf seinem Recyclinghof in Hambühren vor drei Wochen habe die Versicherung nicht alles ersetzt. Die bereits gepressten Werkstoffe, die bei dem Feuer verbrannt sind, würden ihm nicht erstattet werden. Dabei handele es sich um eine Summe in vier- bis fünfstelliger Höhe.

Wie es nun auf der Baustelle weitergeht, ist offen. Struck hat zwar noch weitere Bagger zur Verfügung, doch nur einer davon ist für Abrissarbeiten ausgerüstet. Einschüchtern lassen will sich der Hambührener aber nicht: „Wir haben schon Ängste, hier weiterzumachen. Aber wir werden nie aufgeben. Wir sind Kämpfer.“

Nigge will über Täter nicht spekulieren

Die Stadtverwaltung will nicht über die Hintergründe der Sachbeschädigung spekulieren. „Selbst wenn der Verdacht nahe liegt, dass hier Gegner des Nordwall-Ausbaus am Werke waren, so gilt in einem Rechtsstaat grundsätzlich die Unschuldsvermutung“, sagte Oberbürgermeister Jörg Nigge. Solange nicht bewiesen sei, wer für den Vandalismus verantwortlich zeichnet, solle es keine Verdächtigungen geben. „Gleichwohl verurteile ich jede Form von Vandalismus und Sachbeschädigung am Eigentum Dritter – zumal die Firma Struck durch den jüngsten Großbrand auf ihrem Gelände ohnehin schon über die Maßen belastet ist.“

Die Gegner des Nordwall-Ausbaus sind zahlreich. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hatten bei einer unerlaubten Feier im ehemaligen "Rio's" hunderte Menschen mit einer Party gegen das Bauvorhaben protestiert. Die Verwaltung bezeichnete die Feiernden als „Chaoten“, die Party-Initiatoren und die Jusos Celle wiederum kritisierten die Stadt wegen ihrer Jugendpolitik.

Ex-Rio's-Gastronom und Linke/BSG-Fraktionschef Oliver Müller reagierte gestern mit einer Pressemitteilung auf den „symbolisch aufgeladenen Abriss des ersten Hauses“ und wiederholte seine Kritik am Nordwall-Ausbau: „Das Nadelöhr verschwindet nicht – es kommt.“ Erst durch die Gegenläufigkeit der bislang einspurigen Straße komme es zu Engpässen: Sobald auch nur ein Fahrrad auf der Straße ist, kommen zwei Autos nicht mehr aneinander vorbei.“

Die Ratsmehrheit hatte sich jedoch für die Verbreiterung des Nordwalls ausgesprochen. „Wir freuen uns sehr auf die Fertigstellung, weil dann so manche Fahrt rund um die Innenstadt entbehrlich wird“, sagte gestern der Ratsvorsitzende und FDP-Chef Joachim Falkenhagen und bezeichnete den Ausbau „als ein Mammutprojekt in unserer alten Stadt, die an vielen Stellen eine Aktualisierung benötigt“.

Hinweise zu der Sachbeschädigung nimmt die Polizei Celle unter Telefon (05141) 277215 entgegen.

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