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Celle Stadt Sanft perlende Läufe, intelligent improvisierd
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Sanft perlende Läufe, intelligent improvisierd
18:29 24.07.2011
Hajo Hoffmann während der Hofmusik im Celler Kunstmuseum Quelle: Hartmut Jakubowsky
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Hajo Hoffmann, renommierter Jazzgeiger und im Crossover-Bereich einer der besten Mandolinisten, war mit verschiedenen Besetzungen schon oft im Celler Land zu Gast, und immer wieder freut man sich, diesen sympathischen Musiker hier erleben zu dürfen. In der „Hofmusik“ bot er mit seiner 4-saitigen Tacoma-Mandoline, deren Klang er elektroakustisch durch ein digitales Effektgerät („Dr. Loop“) aufbereitet und ergänzt, eine ebenso hinreißende wie anspruchsvolle Melange aus traditioneller Klassik, Jazz-Improvisationen und Weltmusik. Unter dem Titel „Mandovocale – Licht und Schatten“ vereint sie Musik von Telemann und Bach mit brasilianischen Rhythmen und indischen Klängen wie etwa im einleitenden „Bach im Ganges“, bringt Barock-Suiten mit Piazzolla-Tangos zusammen, lässt im Arrangement von Hajo Hoffmann den „Danse Macabre“ von Camille Saint-Saens erklingen oder experimentiert mit dem Jazz-Standard „All Blues“ des amerikanischen Trompeters Miles Davis, indem er ihn in dem Caprice No.13 von Niccolo Paganini aufgehen lässt. Durch stimmlichen Einsatz mit und ohne Text erreicht Hajo Hoffmann mit zusätzlichen Klangfarben und musikalisch neuen Akzenten eine Klang-Ästhetik, die in ihrer Art wohl einmalig ist. Überaus eigenwillig und dennoch reizvoll sind auch Hoffmanns Eigenkompositionen mit Titeln wie „Dein lachendes Herz“ oder „Doc Holiday“, den er einem Freund in Mallorca gewidmet hat. Dabei beherrscht Hajo Hoffmann sein Instrument virtuos und einfühlsam, mit harten Akzenten und sanft perlenden Läufen, intelligent improvisierend, rhythmisch präzise und immer auf spieltechnisch höchstem Niveau; mit Akkorden und Melodien allerdings, die nichts vom gewohnt zarten Flair einer Mandoline behalten haben. Mag sein, dass solche Musik über zwei Stunden hinweg nicht jedermanns Geschmack war. Interessant und außerordentlich hörenswert war Hajo Hoffmanns Spielweise und die Zusammensetzung seines Programms jedoch allemal. Reicher Beifall deshalb am Schluss.

Hartmut Jakubowsky

Von Hartmut Jakubowsky