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Scheibe eingeschlagen: Celler rettet Baby und wird angezeigt

10:02 12.08.2020
Symbolbild Quelle: David Borghoff
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Lübeck

Als ein Celler am Freitag den 7. August sein Auto in Lübeck auf einem Parkplatz abstellen wollte, bemerkte er lautes Geschrei. Neben seinem Wagen stand ein Toyota. Da drin war ein Baby, das lauthals schrie. Der Wagen war verschlossen. Das im Fahrzeug ausliegende Parkticket sei elf Minuten zuvor gelöst worden, so der Celler später zu den Beamten der Polizeistation Fehmarn am Einsatzort.

Wegen Hitze schlug Celler Autoscheibe ein

Als auch auf seine über den Parkplatz gerufene Nachfrage, wem denn das Auto gehöre, und auf die direkte Ansprache zweier in unmittelbarer Nähe befindlicher Männer keine Hinweise zu dem Auto erlangt werden konnten, fasste der 47-jährige Mann aus dem Landkreis Celle den Entschluss, bei 30° Grad Außentemperatur und wolkenlosem Himmel nicht noch länger zu warten.

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Er schlug um 11.44 Uhr eine Scheibe ein, um das Baby aus dem Wagen zu retten. Weil das Kind hinten links im Auto saß, auf der gegenüber liegenden Seite eine Scheibe ein, so dass die rechte hintere Tür geöffnet werden und das Kind aus dem Auto geholt werden konnte.

Familie hatte sich die Beine vertreten wollen

Der 57-jährige Besitzer des Toyota aus Bremen kehrte wenig später zu seinem Pkw zurück. Er berichtete, dass er und seine Familie sich auf dem Parkplatz ein wenig die Beine vertreten und die Sanitäreinrichtungen aufgesucht hätten. Weil der Säugling tief und fest geschlafen und der Wagen im Halbschatten gestanden habe, sei das Baby kurz im Auto geblieben. Und nach circa zehn Minuten sei er jetzt ja auch schon wieder da, um nach dem Säugling zu schauen.

Anzeige wegen Sachbeschädigung und Kindeswohlgefährdung

Der Familienvater aus Bremen beurteilte die Maßnahme des Zeugen aus dem Landkreis Celle als unverhältnismäßig. Er bestand auf Erstattung einer Strafanzeige wegen Sachbeschädigung und stellte bei den Beamten Strafantrag. Vonseiten der Polizeistation Fehmarn wurde neben der Anzeige wegen Sachbeschädigung ein Bericht über den Verdacht der Kindeswohlgefährdung gefertigt und der zuständigen Behörde zugesandt.

Lob vom Celler Polizeisprecher

Celles Polizeisprecher Christian Riebandt attestierte dem Mann am Mittwoch auf CZ-Anfrage korrektes Verhalten. „Er konnte ja nicht wissen, wie lange die Familie wegbleibt. Und da der Säugling geweint hat und der Wagenbesitzer nicht auszumachen war, hat er für mich absolut richtig gehandelt.“

Benjamin Behrens 11.08.2020
11.08.2020
11.08.2020