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Celle Stadt Eliza verfehlt das Prüfungsziel
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Eliza verfehlt das Prüfungsziel
22:19 10.02.2019
Feilen an der Sprache: (von links) Dirk Böther, Tiana Kruškić und Pascal Andrea Vogler. Quelle: Hubertus Blume
Celle

Tanzende Gestalten mit Pilzkopffrisuren gehüllt in altmodische Nachthemden, penetrante Phonetikübungen in grün gefliestem Labor vor Neonlicht. Was war da am Freitagabend anlässlich der Premiere eines Stückes, in dessen Mittelpunkt die Sprache als Ausdruck von Identität und Zugehörigkeit steht, auf der Hauptbühne des Celler Schlosstheaters los? In Zeiten des Auseinanderdriftens gesellschaftlicher Gruppen, von Migration und Gender-Debatten präsentiert Regisseur Andreas Döring ein enervierendes Singspiel ohne inhaltliche Tiefe, relevante Bezüge zur heutigen gesellschaftlichen Befindlichkeit und – nicht zuletzt – musikalische Höhepunkte.

In einer Adaption von George Bernard Shaws Schauspiel „Pygmalion“ aus dem Jahr 1912 wären diese wohl nicht zwingend gewesen, aber zum Musical-Klassiker „My Fair Lady“, der auf Shaws Komödie basiert und der Celler Aufführung ihren Namen gab, gehören sie. Die Songs umrahmen die Geschichte des armen Blumenmädchens Eliza Doolittle, die ihre Herkunft aus der unteren sozialen Schicht selbst mit schönsten Kleidern und Frisuren nicht verbergen könnte, trägt sie sie doch mit ihrem Akzent auf der Zunge. Ihre Art, sich zu benehmen, ist geprägt vom harten Überlebenskampf. Vom Milieu und von Menschen, mit denen die englische Oberschicht keine Berührungspunkte hat, auch Phonetikprofessor Henry Higgins nicht. Doch die zufällige Begegnung mit der jungen Frau zieht eine Wette mit Oberst Pickering nach sich, wonach es dem Sprachfetischisten nicht gelänge, aus Eliza innerhalb eines halben Jahres eine Lady mit Manieren und einwandfreier Sprechweise zu machen.

Eliza Doolittle: Vom Gossenkind zur Dame

Das in Higgins‘ Augen zur Umformung anstehende „Produkt“ Eliza betritt die Bühne zum Auftakt in schlecht sitzenden Jeans und kurzer Blousonjacke, in der sie stetig die Hände vergräbt, das Haar strubbelt um ihren Kopf, ihre Haltung ist gebeugt. Tiana Kruskic verkörpert das ultrafreche, keifende, mit Gegenständen um sich werfende Gossenkind perfekt, doch die spätere Dame nimmt man ihr nicht ab. Das angestammte Milieu der Hauptprotagonistin umreißt der Regisseur und Intendant Döring mit einer Ansammlung von Typen, die weniger die untere soziale Schicht als Angehörige der Unterwelt repräsentieren – daran ändern auch die Blechinstrumente nichts, mit denen sie dann und wann – einer Idee des musikalischen Leiters Moritz Aring folgend – eine Szene untermalen. Sympathien für Eliza aufkommen zu lassen, fällt schwer, ist ihre Rolle doch in ihrer Grobheit so überzeichnet, dass sie nur noch von Vater Alfred Doolittle getoppt wird. Den Mund voller Metallzähne, kaum einen Satz in der richtigen Reihenfolge zustande bringend, lässt er in der Begegnung mit Higgins den frauenfeindlichen und wenig charmanten Professor wie eine Lichtgestalt erscheinen. Als der Gegenentwurf eines guten Vaters jedoch zu tanzen und zu singen beginnt, vereint Alfred-Darsteller Thomas Wenzel alle Sympathien auf sich.

Dramaturgische Schwächen

Dörings Gegenwartsbezug erschöpft sich in Jeans und Blouson, vom Beginn des Experimentes an setzt er die Story in bekannter Manier um – durchbrochen von ein paar grellen visuellen Einsprengseln. Dramaturgische Schwächen offenbaren sich, als Mutter Higgins‘ abgrundtiefe Abneigung wie aus dem Nichts umschlägt in große Zuneigung. Die Entwicklung bleibt das Dramaturgen-Regie-Team Matthias Schubert und Andreas Döring ebenso schuldig wie den Prozess der Annäherung zwischen Higgins und Eliza, der in romantischer Liebe des Professors gipfelt.

Dirk Böther erhält für die Rolle des Higgins am Ende nicht weniger Applaus als Tiana Kruskic. Ihm gelingt der Fiesling nicht. Diesen abgeklärten Mann in geblümtem Hausmantel oder Frack und Zylinder lehnt man nicht so ab, wie es sein verachtendes Gebaren für alles, was nicht seiner Klasse angehört, verdient hätte – oder vielleicht doch? Letztendlich wie das gesamte Stück nicht so wichtig – einfach zu belanglos.

Weitere Aufführungen: 16., 21., 22., 24., 27., 28. Februar; 1., 2., 4., 5., 7., 9., 10., 14., 15., 20., 23., 24., 26., 28. März; 4., 5. April; 2., 3. und 5. Mai.

Von Anke Schlicht

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