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Celle Stadt So eröffnet der Schafferrat das Schützenfest
Celle Aus der Stadt Celle Stadt So eröffnet der Schafferrat das Schützenfest
17:38 12.07.2019
Von Benjamin Behrens
Der Schafferrat durchtrennt das Band am Eingang - das Fest ist eröffnet. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

"Trennt euch von euren Euros, der Platzmeister hat nichts", ruft Robert Brettschneider und lässt seinen Hut kreisen. Bevor die Celler Schützen zum gemeinsamen Rundgang über den Festplatz aufbrechen können, um die gerade gesammelten Euroscheine gleich wieder auf den Kopf zu hauen, steht noch ein wichtiger Akt an. "So wünsche ich uns viel Spaß und eine Runde, versöhnliche Stunden, bis gleich", begrüßt Brettschneider die angetretenen Schützen. Dass die Böllerschützen gleich zweimal Salut schossen, war zwar nicht ganz beplant, brachte aber niemanden aus dem Tritt. Schon am Donnerstag hatten sich die Schützen beim Anreiten eingestimmt, jetzt ging es richtig los.

Neue Attraktionen werden getestet

Im Gegenteil, schon nach wenigen Metern stand die Gruppe aus Mitgliedern der fünf vereinigten Celler Schützengesellschaften vor einer der ersten neuen Attraktionen des Celler Schützenfestes. Beim Crazy Carpet – zu Deutsch "verrückter Teppich" – musste der Platzmeister seine Schützenkameraden beinahe bremsen, so groß war der Andrang. Mehr als zwölf Erwachsene dürfen nicht in die Kabine, die an einem Arm in zwar rasantem, aber nicht übertriebenem Tempo im Kreis saust. Konrad Bolze fährt mit. Wie ihm die rasende Auslegeware gefällt? "War ganz stimmig, für Kinder gut zu gebrauchen. Bisschen hoch, dadurch konnte man schön gucken. Sehr magenfreundlich", urteilt der 75-Jährige.

Nur einer hat den weichsten Hut von allen

Seinen Hut hat Bolze trotzdem lieber draußen gelassen. Es wäre schade, wenn das gute Stück abhanden kommt. "So einen weichen Hut hat niemand", ist sich der Schütze sicher. Die handschmeichelnde Kopfbedeckung sitzt wie angegossen, hat aber schon bessere Tage gesehen. Seit sechs Jahren trägt Bolze den Hut, vorher gehörte er Vereinskamerad Bernard Prätz, der ihn 1990 nach seinem Tod dem Verein vererbt hatte. Auch wenn schon manchmal Sprüche und Scherze wegen des ramponierten Huts kommen: "Ich trenne mich nicht davon", sagt Bolze. Neben Neuheiten sind auch bewährte Fahrgeschäfte und Buden wieder da. Hinter erstaunlich vielen steckt die Familie Thiliant.

In Geisterbahn drohen nasse Füße

Während der Rest der Gruppe sich an die Regel hält, bei Hitze viel zu trinken und die nächste Theke ansteuert, wagen sich vier unerschrockene Schützinnen in die Geisterbahn "Ghost". Der Name zeugt jetzt nicht unbedingt von Einfallsreichtum, dafür hat das Innere es in sich. Das will aber erstmal erreicht sein. Wasserstrahlen schießen aus versteckten Ecken auf die Abenteurerinnen, gruselige Musik und Geräusche stimmen per Lautsprecher auf das ein, was kommt. Sich im Halbdunkel zurechtfinden, sich durch schmale Gänge manövrieren und eine sich drehende Röhre durchqueren – nur einige Hürden, die es zu meistern gilt. Am Ende muss noch ein kleiner Hindernisparcours bewältigt werden, sonst drohen nasse Füße.

Mit dem traditionellen Durchtrennen des Bands ist das Celler Schützenfest offiziell eröffnet.

Gerade kämpfte Verena Müller noch mit der sich drehenden Röhre, jetzt steht sie zufrieden vor dem "Ghost". "Ist ganz witzig. Ich war mir nicht sicher, ob ich durch die Röhre komme", sagt die 41-Jährige. "Ich fand es gruselig, ich bin aber auch der Typ, der sich leicht erschreckt", sagt ihre Tochter Jaana. Ist die Mischung aus Schockeffekten, Dunkelheit und falschen Spinnweben denn geeignet für Kinder wie die 12-Jährige? "Ich würde sagen: Ja", meint Verena Müller. Auch ihre zweite Tochter Lisa hatte Spaß, ebenso wie Vereinskameradin Lena Fiesel. Vier Daumen hoch also.

XXL-Racer schleudert in den Himmel

Für die nächste Station der Tour kann sich Jaana Müller allerdings so gar nicht begeistern. Mit skeptischem Blick schaut sie zum XXL-Racer hoch. "Eine Freundin von mir will da rein, ich habe schon gesagt: "Nein, danke!", als ich ein Foto davon gesehen habe." CZ-Fotograf Oliver Knoblich hingegen vergisst beim Anblick des weithin sichtbaren Fahrgeschäfts glatt seine Höhenangst. "Die überwinde ich für so etwas sehr gerne", meint der Fotojournalist und steuert die Gondel am Ende des langen, an einen Flugzeugpropeller erinnernden Fahrgeschäfts an. Die Bügel schließen sich, dann geht es mit Schwung gen Himmel. Mal drücken die Fliehkräfte die jauchzenden Insassen in die Sitze, dann heben sie sie gegen die Sicherheitsbügel. Wolken und Blau wechseln sich ständig mit dem von den bunten Buden des Schützenfestes unterbrochenen Erdbraun ab.

Wieder am Boden, kann Knoblich nicht aufhören zu grinsen. "Die Momente, wo man kopfüber hängt, sind geil. So eine Aussicht auf Celle hast du sonst nirgends", meint der Fotograf. Zwei bis drei weitere Fahrten sind fest eingeplant. Auch Mitfahrer Eric Paech ist begeistert. "Es macht sehr viel Spaß", sagt der 39-Jährige.

Das Programm der nächsten Tage

Samstag, 13. Juli
12.30–14.30 Uhr: Königsschießen
15.30 Uhr: Treffen auf dem Kleinen Plan und Marsch zum Kolkausfischen
16.00 Uhr: Kolkausfischen mit Platzkonzert
19.00 Uhr: Fischessen in der Congress-Union
21.45 Uhr: Fackelumzug und Großer Zapfenstreich vor dem Schloss, anschließend Marsch zum Festplatz
20.00 Uhr: Schlagerparty mit Kube-Event mit „Xanadu“ und Travestie Show

Sonntag, 14. Juli
06.00 Uhr: Kanonade/Weckumzüge
08.00 Uhr: Bezirksumzüge
15.00 Uhr: • Großer Aufmarsch vor dem Schloss
• Ansprache OB, Proklamation Bürgerkönig/in 2019
• Vorstellung Minikönige
• Abmarsch zum Festplatz/Festzelt
17.00 Uhr: Treffen aller Schützen im Festzelt
18.00 Uhr: „Ladies Night“– Ladies genießen das Schützenfest
18.00 Uhr: Kube-Event mit „Xanadu“

Montag, 15. Juli
09.00–11.30 Uhr: Königsschießen
12.30 Uhr: Festessen im Festzelt
14.00 Uhr: Familientag auf dem Festplatz
16.30 Uhr: Jungschützennachmittag mit Platzrundgang
15.30–17.30 Uhr: Königsschießen
19.00 Uhr: • Königstreffen im Festzelt mit Happy Hour
• Bekanntgabe der Sieger des Mannschaftsschießens
• Dance-Night mit „Nerbas & Nerbas“

Dienstag, 16. Juli
09.00-12.30 Uhr: Königsschießen
18.50 Uhr: • Antreten aller Schützen im Festzelt
• Marsch mit Rat und Verwaltung zur Proklamation
19.00 Uhr: Königsproklamation vor der Theo-Wilkens-Halle
20.00 Uhr: Großer Königsball der fünf Celler Schützengesellschaften, für Stimmung sorgen „Nerbas & Nerbas“
22.45 Uhr: Großes Höhenfeuerwerk

Ohne Familie Thiliant wäre das Celler Schützenfest nur halb so schön. Die Altenceller stecken hinter erstaunlich vielen Fahrgeschäften und Buden.

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