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Celle Stadt Oberschule verbietet Freizeitkleidung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Oberschule verbietet Freizeitkleidung
18:34 14.05.2019
Von Benjamin Behrens
Diese beiden Schüler halten sich nicht an die Regelung - und tragen Jogginghosen. Quelle: Benjamin Behrens
Westercelle

Mit ihrem Namen hat die Jogginghose nicht mehr viel zu tun: Die Hose gilt allgemein als ideales Accessoire für einen passiven Lebensstil. Außerhalb von Sportstätten oder der eigenen vier Wände gilt man wohl nirgends in Jogginghose als angemessen gekleidet. Und selbst Mode-Ikone Karl Lagerfeld attestierte den Trägern, sie hätten "die Kontrolle über ihr Leben verloren".

Schule und Freizeit klar trennen

An der Oberschule Westercelle sind Jogginghosen – und im Übrigen auch weitere Kleidungsstücke – unter Kontrolle. Das Verbot hat wohlüberlegte Gründe. "Es war jahrelang erlaubt, jetzt wird gegengesteuert. Natürlich ist das ein Prozess", sagt Schulleiter Ulf Krüger. Die Regeln beziehen sich nicht nur auf Jogginghosen, so Krüger. "Angemessene Kleidung bedeutet für uns, dass wir zeigen, wir gehen zur Schule. Und das ist klar zu trennen von Freizeit", erläutert Krüger. Damit soll den Schülern vermittelt werden, was später auch im Berufsleben gilt: "Es ist ein Schulbetrieb, wir arbeiten hier. So wie jemand, der im Anzug bei der Bank ist oder auf dem Bau mit Arbeitskleidung arbeitet", sagt Krüger.

Schulleiter Ulf Krüger wünscht sich, dass sich Schüler an einen Bekleidungsstandard halten. Die Regeln gelten auch für Lehrer. Quelle: Benjamin Behrens

In einem Informationsheft für Eltern wird konkretisiert, was in der Schulordnung noch schlicht als "angemessene Kleidung" bezeichnet wurde: Oberteile müssen Schultern, Brustbereich und den Bauch bedecken, Hosen und Röcke die Oberschenkel und den Po. Und neben Jogginghosen sind auch Flip-Flops nicht erlaubt. Schilder mit entsprechenden Symbolen im Gebäude erinnern an die Verbote.

Klare Regeln für alle

Alle Änderungen gehen zurück auf ein sogenanntes Schulprogramm, das sich die Schule 2018 gegeben hatte. In Konferenzen mit Schüler- und Elternvertretern nach Ostern wurden die Maßnahmen weiter ausgearbeitet. Schulordnung und ein Elterninformationsheft definieren jetzt, was erlaubt ist. Oft genug ist es auch schlicht eine Frage von gegenseitigem Respekt oder Schamgefühl. "Wir hatten vergangenes Jahr diesen ganz heißen Sommer. Es ist ja ein Extrembeispiel, wenn junge Mädchen fast unbekleidet zur Schule kommen. Das geht in der Freizeit, aber in einer Institution wie Schule wird es schwierig. Deshalb haben wir gesagt, wir schaffen hier ganz klare Regeln", sagt Krüger.

Nicht alle halten sich daran

Auch wenn sich inzwischen die meisten Schüler daran halten, ein Blick auf den Pausenhof zeigt die Ausnahmen. "Ich bin in Jeans zur Schule gekommen und hatte jetzt Sport. Ich hab die Jogginghose anbehalten", sagt Noel. Sein Mitschüler Leon gibt sich trotzig: "Ich trage allgemein keine Jeans. Finde ich ungemütlich." Wer unangemessen bekleidet zum Unterricht kommt, wird angesprochen. "Es wird darauf hingewiesen, morgen kommst du bitte mit einer Jeans. Wenn da Uneinsichtige dabei sind, heißt es um 8 Uhr morgens vorstellen im Büro mit der Jeans", sagt Konrektorin Wibke Woehlert.

Eine Mutter zweier Kinder im Alter von 11 und 15 Jahren hält nichts von den Vorgaben. "Ich rege mich darüber auf. Sie können doch nicht ein Kind zwingen, das sich nicht wohlfühlt, eine Jeans zu tragen. Die Kinder können tragen, was sie wollen", betont die Westercellerin.

Schon Gute Erfahrungen mit anderen Maßnahmen

Auch wenn nicht jede Regel sofort auf Gegenliebe stößt und angenommen wird, auf lange Sicht funktioniert sie offenbar dennoch. An der Schule gibt es etwa seit mehr als sechs Jahren ein absolutes Handyverbot. "Es darf in der Tasche mitgeführt werden, ist aber ausgeschaltet. Telefoniert werden kann im Sekretariat. Sie können sich nicht vorstellen, was wir hier für eine Ruhe haben und wie miteinander gesprochen wird", betont der Schulleiter.

Ausbilder reagieren positiv auf Kleidungsstandard

Positive Resonanz für die Ansätze gibt es von Ansprechpartnern in Ausbildungsbetrieben. "Die sagen: 'Finden wir gut, dass ihr auf Pünktlichkeit und Kleiderordnung achtet'", sagt Krüger. Elternvertreter Christian Uekermann befürwortet die Regeln nicht nur aus Elternsicht. "Schule ist euer Beruf, sage ich meinen Kindern. Und das ist nicht Chillen oder Abhängen." Der Betreiber des Naturkostladens Kornstube erwartet auch von seinen Verkäuferinnen eine zwar legere, aber dennoch angemessene Kleidung. "Auch von Praktikanten erwarte ich das", betont Uekermann. Einheitliche Schulkleidung war auch überlegt, aber verworfen worden, so der Elternvertreter. "Wir haben uns bewusst gegen eine Uniform entschieden. Aber T-Shirts oder Jacken mit Schul-Logo gibt es. Die Tendenz, sich zu uniformieren, ist da", sagt Uekermann. Auch ein Großteil der Eltern begrüßte den Schritt zur Kleiderordnung. Uekermann: "Ich habe noch von keinem Problem gehört."

Die Schulsprecherinnen Jolina Scheller und Evin Mohamed sind für die Schüler die Ansprechpartnerinnen bei Problemen und haben ein Stimmungsbild eingefangen. "Was mich wirklich nervt, keiner äußert sich dazu. Ein paar waren bei der Gesamtkonferenz, auf dem Schulhof sagt keiner etwas dazu", sagt Scheller. "Mir hat keiner irgendwelche Argumente für das Tragen von Jogginghosen geliefert", sagt Mohamed. "So wichtig ist es ihnen offenbar nicht", schätzt Konrektorin Woehlert.

Eine Meinung von Michael Ende

Das muss so

Früher waren es der Minirock oder die Punker-Sicherheitsnadel im Ohr, der Schlabber-Hippie-Look oder gar das ultra-biedere Popper-Outfit: Jugend-Protest auch mit modischen Mitteln ist schon seit jeher in Mode. Zum Jungsein gehört nun mal, sich von den Alten abzusetzen – nicht nur durch spektakulär revolutionäre Ideen wie etwa die Verstaatlichung von Unternehmen, deren Produkte man sich nicht leisten kann, sondern auch rein optisch. Wichtig ist auch, sich so zu verhalten, dass man auf keinen Fall mit der älteren Generation verwechselt wird. „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Das hat bereits der griechische Philosoph Sokrates um 400 vor unserer Zeitrechnung so gesagt. Anders geht es wohl nicht. Wenn das Tragen von Jogginghosen und ein schnoddriger Umgangston die einzigen Probleme sind, die eine Schule mit ihren Schülern hat – dann ist‘s  bisher eher gut gelaufen, würde ich mal sagen. Das muss so sein. So lange die Schüler nicht in Anzug und Krawatte zum Unterricht erscheinen, muss man sich keine Sorgen machen.

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