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Celle Stadt Zusammen ist man weniger allein
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zusammen ist man weniger allein
18:10 18.03.2019
Sabine Hantzko läutet die Glocke, wenn die Zeit um ist, hier bei Christel Harstrick und Rosi Abraham. Quelle: Doris Hennies
Celle

Das Stimmengewirr ist laut, eifrig und etwas aufgeregt. Immerhin versuchen hier 20 ältere Herrschaften in kürzester Zeit das Wesentliche über das Gegenüber heraus zu bekommen und über sich weiterzugeben – bevor die Sanduhr wieder durchgelaufen ist und die Glocke klingelt, um zu signalisieren, dass man alle einen Platz weiter zum nächsten Gesprächspartner rutscht. Hier geht es um Interessenaustausch und die Möglichkeit für gemeinsame Unternehmungen.

Viel Interesse am Projekt

Die Idee von dieser Art „Speed Dating“ für ältere Menschen – zur allgemeinen Kontaktsuche für gemeinsame Freizeitgestaltung – sei schon länger in ihren Köpfen herumgegeistert, sagt Sabine Hantzko, Leiterin des Seniorenstützpunkts in Celle. Den eigentlichen Anschub gab ein Aufruf zum Wettbewerb „Einsam? Zweisam? Gemeinsam!“ der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen). Dafür entwickelte das Team des Seniorenstützpunkts ein Veranstaltungskonzept bestehend aus zwei Teilen: Der Besuch eines zum Thema passenden Films und eine tatsächliche Runde Kennenlern-Speed-Dating im Mehrgenerationenhaus. Der eingereichte Vorschlag hat im Wettbewerb leider keinen dotierten Platz belegt, das Interesse an beiden Veranstaltungen in Celle war dafür unerwartet groß.

Einsamkeit muss nicht sein

Das Aufwärmen zum Thema bewerkstelligte, im Rahmen des monatlich Seniorenkinos angeboten, der deutsche Film „Altersglühen“ von Regisseurs Jan Georg Schütte. Er liefert einen vergnüglichen, bittersüßen Einblick in das Prozedere des Speed Datings – allerdings geht es im Inhalt um Senioren auf Partnersuche. Und das sei in dieser Planung, versichert Sabine Hantzko, nie das Ansinnen gewesen. „Hier soll niemand verkuppelt werden!“ Jeder Mensch brauche jedoch den Bezug und Kontakt zu anderen Menschen, um sich mitzuteilen und auszutauschen, aber auch um gemeinsam etwas zu unternehmen, Interessen zu teilen oder Neues kennenzulernen. „Gerade ältere Menschen haben es da oft schwer. Die Kinder sind aus dem Haus – oft weit weg und stark beschäftigt. Man lebt getrennt oder der Ehepartner ist verstorben. Auch Freundschaften brechen ab oder sind wegen größerer Entfernungen nur schwer zu pflegen. So mancher zieht im Alter noch einmal um und muss ein neues Umfeld aufbauen.“

Es soll keine Partnerbörse sein

Der Titel „Zusammen ist man weniger allein“ trifft die Idee ganz gut – und dafür sollte nun diese Form von Speed Dating sorgen: Neue Kontakte für gemeinsame Aktivitäten zu knüpfen. 20 erwartungsfrohe Menschen drängen sich nach einem stärkenden Käffchen im Raum des MGH um „jemand Nettes“ kennenzulernen, wie Christel Harstrick aus Celle es formuliert. „Ich sucht eine Gleichgesinnte zum gemütlichen Radeln oder Walken“. Auch für Tagesfahrten sei sie offen. Außerdem hoffe sie auf eine Möglichkeit, öfter einmal gemeinsam Karten zu spielen. Da hat sie Glück: so einige Anwesende teilen ihren Wunsch. Allerdings hat der eine der beiden teilnehmenden Herren, dabei eher Skat im Sinn – während die Damen eher an Canasta oder Rommé denken. Rosi Abraham aus Nienhagen hofft genügend Mitspieler zu finden, um sich für regelmäßige Spielnachmittage reihum verabreden zu können. „Ich bin durch einige Aufgaben oft ans Haus gebunden. Da wäre es schön, wenn man die Karten-Runde nach Hause einladen könnte“. Roswita Fricke aus Bergen wäre dabei. „Man kann dann ja noch sehen, was sonst so miteinander klappen könnte.“ Für Genaueres sei die Zeit doch zu kurz. Letztlich entscheidet die erste Sympathie.

Ganz neue Möglichkeiten

Auch der Wunsch „gemeinsam Kultur erleben“ steht hoch im Kurs: Kino, Theater, Kleinkunst, Ausstellungen, Konzerte – „alles ist unterhaltsamer, wenn man das Erlebnis mit jemandem teilt und sich anschließend darüber austauschen kann“ findet Louise Böhme aus Celle. Die frischpensionierte Lehrerin fühlt sich nicht einsam, „ich bin einfach neugierig, welche Möglichkeiten sich noch so auftun.“

Ein guter Anfang

Die Meisten der Befragten hätten, neben konkreteren Interessenverbindungen, einfach gerne mal jemanden zum Reden, wenn einem danach ist. Das könnte die spontane Verabredung zu einem Kaffee im Café sein oder zum Mittag- oder Abendessen: Beschnuppern auf neutralem Gebiet sozusagen. Nicht alle sind gleich stark entschlossen, den Stier bei den Hörnern zu packen und „wildfremde“ Menschen in die eigene Stube einzuladen, oder sich sofort auf längere Touren oder Sightseeing-Fahrten einzulassen. Gut Ding will Weile haben – aber der Anfang ist gemacht.

Von Doris Hennies

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