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Celle Stadt Stadt Celle übergibt Thaer-Haus an Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stadt Celle übergibt Thaer-Haus an Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten
18:00 27.01.2010
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

Weltweit wurde am gestrigen Holocaust-Gedenktag, dem Datum, an dem die Rote Armee vor 65 Jahren das Konzentrationslager Auschwitz befreit hatte, der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. In Celle verknüpfte die Stadt dies mit einem besonderen Ereignis. „Wir nutzen diesen Tag heute und übergeben dieses Haus der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten. Ich freue mich, dass die Stiftung ihren Sitz in Celle hat, dass sie sich hier unserer Vergangenheit und der damit verbundenen Auseinandersetzung widmen wird. Und ich freue mich, gerade an einem solch geschichtsträchtigen Tag dieser Einrichtung ein neues Domizil übergeben zu können“, sagte Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende anlässlich des Festaktes zur Übergabe des Thaer-Hauses an die Gedenkstätten-Stiftung.

Mende betonte, die beste Versicherung gegen Völkerhass, Totalitarismus, Faschismus und Nationalsozialismus sei und bleibe die lebendige Erinnerung und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte: „Wir erinnern heute an den Holocaust, um daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen. Wir freuen uns, dass mit der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten hier ein dauerhaftes Erinnern möglich ist.“

Habbo Knoch, Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, freute sich über das neue Domizil: „Es wird künftig eine Aufgabe der Stiftung sein, ihren Ort in dieser Stadt nicht nur im baulichen Sinne zu finden, sondern diesen Ort auch inhaltlich auszugestalten.“ Es sei immer schon Aufgabe und eines der wichtigsten Ziele von Gedenkstätten gewesen, denjenigen, die in den Lagern erniedrigt und ermordet, deren Namen und Identität genommen wurden, einen Ort im öffentlichen Gedächtnis der deutschen Gesellschaft zu geben.

Die Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten ist derzeit in der Welfenallee untergebracht. Anfang Februar wird sie ins Thaer-Haus umziehen. Unter anderem werden dabei auch eine umfangreiche Dokumentationsstelle und eine Fachbibliothek – beide öffentlich zugänglich – eingerichtet.

Thaers Garten

Das Albrecht-Thaer-Haus blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. 1793 hat der Begründer der modernen Landwirtschaft, Albrecht Thaer, das Herrenhaus am Rande der Dammaschwiesen gebaut. Im Umfeld bewirtschaftete Thaer Ackerflächen nach von ihm entwickelten Methoden, die die damalige Praxis der Brache durch Fruchtfolge ersetzte. Als Thaer 1804 nach Preußen ging, wird das Anwesen verkauft und dort zunächst eine Kaffeewirtschaft betrieben.

In den folgenden Jahren wird „Thaers Garten“ vor allem als Gaststätte und Ausflugslokal genutzt. 1917 wird die Immobilie zum Wohnhaus für den Eigentümer Karl Gackenholz umgebaut.

1928 entwerfen die Architekten Richard Schneider und Otto Haesler Pläne zur Parzellierung und Bebauung von „Thaers Garten“. Auch der Umbau zu einem Altenheim wird erwogen.

1934 kauft die Stadt Celle den Besitz, der kurz darauf teilweise an den SS-Sturm 12/17 vermietet wird. Ein Jahr später wird das Areal zum öffentlichen Volkspark umgewidmet. 1938 baut die Stadt das Haus zur Schulungsstätte für den SS-Sturm 12/17 um, der dort bis Kriegsende sein Hauptquartier unterhält.

Nach 1945 dient das Thaer-Haus als Mehrfamilienhaus. 2007 beginnt die Stadt mit dringend erforderlichen Sanierungsarbeiten, die insgesamt 1,7 Millionen Euro kosten. Jetzt wird die Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten dort einziehen.