Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt „Frei heil Kamerad“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Frei heil Kamerad“
17:10 18.03.2019
Aktueller denn je: Kämpfen für die Demokratie, die Ausstellung "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" wirbt dafür. Quelle: Anke Schlicht
Celle

Es gab sie auch in Celle, doch die Spur der Reichsbanner-Aktivisten verlor sich in der Weise, wie die Erinnerung an eine große und bedeutende Vereinigung, die für Demokratie und Freiheit kämpfte, deutschlandweit auf der Strecke blieb.

Lühmann ist Reichsbanner-Mitglied

Die Stadtbibliothek rückt mit der am Samstag eröffneten Wander-Ausstellung „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ eine Bewegung in den Mittelpunkt, die auf den ersten Blick den Eindruck vermittelt, aus der Zeit gefallen zu sein, beim näheren Hinsehen jedoch Aktualität offenbart. „Ich bin Reichsbanner-Mitglied“, sagt die Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann gleich zu Beginn ihrer Einführungsansprache, in der sie die Besucher mitnimmt auf eine kleine Reise in die politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse von vor einhundert Jahren.

Die Farben der Märzrevolution

Die neu gegründete Weimarer Republik war vom ersten Tag ihres Bestehens an Gefährdungen von Seiten monarchistisch und völkisch-national gesinnter wie extrem linker Kräfte ausgesetzt. Die junge Republik musste geschützt werden. Dieser Aufgabe verschrieb sich das 1924 in Magdeburg gegründete Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Sehr bewusst wählten die Väter der Organisation die Farben der Märzrevolution von 1848, sie standen im Gegensatz zu Schwarz-Weiß-Rot des Kaiserreichs, das von den Rechten weiterhin favorisiert wurde, für Freiheit und Demokratie. Unter den zu Beginn 500.000 Mitgliedern fanden sich viele Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges, es war ihnen ein Anliegen, Zeichen zu setzen für eine demokratische Gegenwart. „Die Frauen fühlten sich von der mitunter sehr martialischen Sprache nicht angezogen“, erläutert Lühmann. Dennoch sind auf den über alle Etagen der Stadtbibliothek verteilten großen Schautafeln viele Biographien von Frauen dokumentiert. Die Bewegung fand Unterstützung von den demokratischen Parteien der Weimarer Koalition: SPD, Zentrum und Deutsche Demokratische Partei, den Vorläufern der heutigen Liberalen. „Das ist keineswegs eine reine SPD-Veranstaltung“, erklärt Lühmann vor der Tafel der liberalen Marie-Elisabeth Lüders (1878-1966) stehend.

Drei Millionen Mitglieder

Bevor die Bewegung, die auf prominente Politiker wie Kurt Schumacher, Julius Leber und Carlo Mierendorff sowie Widerstandskämpfer des 20. Juli verweisen kann, 1933 verboten wurde, zählte sie drei Millionen Mitglieder. Heute sind es bundesweit noch 500, davon 42 in Niedersachsen. „Unser Gruß lautet immer noch Frei heil, die Anrede Kamerad“, bringt Kirsten Lühmann die Verbundenheit zur Tradition zum Ausdruck.

Wie zeitgemäß das ursprüngliche Anliegen der Vereinigung heute wieder ist, wird anhand Lühmanns abschließender Bemerkung vor dem Hintergrund der AfD im Parlament deutlich: „Ich komme aus einer Sitzungswoche im Bundestag, wo grenzwertige Reden gehalten werden.“

Die Ausstellung ist bis zum 30. März in der Stadtbibliothek Celle, Arno-Schmidt-Platz 1, 29221 Celle, während der Öffnungszeiten, dienstags bis freitags, 10 bis 19 Uhr und samstags, 10 bis
14 Uhr, zu sehen.

Von Anke Schlicht

Fotos in Wachs-Technik, Skulpturen, Installationen: Die Preisträger der Kunst-Plattform "Heitland Honneur" sind in ganz unterschiedlicher Weise kreativ.

18.03.2019

Nach einem Zeugenhinweis haben Polizeibeamte am Mittwoch einen toten Säugling in einem Auto im Landkreis Celle entdeckt.

18.03.2019

Liedermacher Manfred Maurenbrecher in "Kunst & Bühne": Kam der 68-jährige Alt-Achtundsechziger mit seinem Soloprogramm beim Publikum an?

17.03.2019