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Celle Stadt Wohnhäuser statt Luftschlösser
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wohnhäuser statt Luftschlösser
15:26 01.02.2019
Von Michael Ende
In die Kaserne an der Hohen Wende soll neues Leben einziehen. Manche Blöcke sollen dafür neuen Häusern weichen.
Celle

Die Zeiten, in denen Celler Stadtobere erfolglos versuchten, in der ehemaligen Kaserne an der Hohen Wende universitäre Luftschlösser zu bauen, sind vorbei. Jetzt visiert Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) dort das Machbare und Notwendige an: Auf insgesamt 15 Hektar des verkehrsgünstig gelegenen Areals sollen künftig verschiedenste Wohnnutzungen vom Stadthaus bis zum sozialen Wohnungsbau realisiert werden. Und der Denkmalschutz, unter dem das Kasernen-Ensemble steht? Den könne man flexibel handhaben, heißt es aus dem Rathaus, wo man auf ganz ähnliche Wehrmachts-Kasernen in anderen Städten verweist, die bereits modernem urbanen Leben gewichen sind.

Uni-Pläne gefloppt

Die 1935 bis 1938 im Zuge der Aufrüstung der NS-Wehrmacht hochgezogene Kaserne ist mit insgesamt 28 Hektar Fläche fast so groß wie die komplette Celler Altstadt. In der westlichen Hälfte will die Stadt den städtischen Bauhof unterbringen. Das "passt". Im östlichen Teil gibt es unter anderem Lehrgebäude, in denen Hitlers Soldaten trainiert wurden. Für Celles ehemaligen Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) lag hier die Idee nahe, eine universitäre Einrichtung zu etablieren. Mehrere Versuche scheiterten: Niemand außer einigen Cellern wollte eine Celler "Uni". Mende, dem im Wahlkampf ein Celler "Campus" Punkte eingebracht hätte, verlor die Oberbürgermeister-Wahl 2016.

Ab jetzt realistisch

Sein Nachfolger Nigge geht die Nachnutzung der 2012 von den Briten geräumten Kaserne realistischer an. Die Uni-Träume seien abgehakt: "Diese Idee war utopisch." Er wolle jetzt erst einmal abwarten, ob die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), der die Kaserne gehört, ihr Grundstück in Eigenregie vermarkten könne, so Nigge. "Die BImA hatte das Areal im Herbst 2017 auf der Expo-Real-Immobilienmesse in München potenziellen Investoren und Projektentwicklern präsentiert", so der städtische Konversionsbeauftragte Wolfgang Schucht. Danach hätten Interessenten Konzepte und Vorstellungen eingereicht, die derzeit noch ausgewertet würden: "Sollte keines dieser Konzepte zum Zuge kommen – und das könnte durchaus sein – dann wird die Stadt selbst die Planung übernehmen. Die dazu gehörige Planungshoheit obliegt ihr ohnehin."

"Wohnbau-Offensive"

Nigge will die Rest-Kaserne im Zuge seiner "Wohnbau-Offensive", in deren Rahmen unter anderem vermutlich ab September an der Wehlstraße mit weiterer Wohnbebauung begonnen werde, in Angriff nehmen: "Mitte des Jahres wollen wir die Sache angehen." Das Gelände an der Hohen Wende sei nahezu ideal für Pendler. "Denn über die Telefunkenstraße ist man sogar per Rad in zehn Minuten am Bahnhof.“ Nigge schwebe für das Areal eine Wohnbebauung für alle Bevölkerungsgruppen vor: "Von hochwertig bis preisgünstig. Hier können sich sowohl Wohngemeinschaften ansiedeln, soll generationsübergreifendes Wohnen möglich sein und Platz für Projekte von Baugenossenschaften geschaffen werden." Schucht ergänzt, „dass auch soziokulturelle Räume, wie Pflegeeinrichtungen, Kitas und anderes mehr hier verortet werden könnten."

Wohn-Mix aus einem Guss

„Für uns ist es zwar wichtig, dass wir eine Nachnutzung aus einem Guss finden und dabei ganz genau wissen, was wir haben wollen“, betont Nigge: „Allerdings heißt das nicht, dass wir nur den einen Investor suchen, der das gesamte Areal beplant. Wir möchten hier keine Mono-Wohnformen“.

Kreativität gefragt

Der Denkmalschutz dürfe und werde die Entwicklung des Geländes nicht unmöglich machen, sagt Schucht, der weiß, dass bereits andernorts NS-Kasernen moderner Wohnnutzng weichen mussten und durften – wie zum Beispiel in Hamburg die Lettow-Vorbeck-Kaserne. „Das ehemalige Offizierskasino ist eine interessante Immobilie mit Potenzial, und für den ein oder anderen Wohnblock entwickelt sicher eine Wohnungsbaugesellschaft zukunftsfähige Ideen“, so Schucht. Entsprechend setze die Stadt dort künftig auf Vielfalt. Nigge: "Dazu werden wir unter anderem auch Wettbewerbe ausloben. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.“

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