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Celle Stadt Stimmung wie an der Liverpooler Anfield Road
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stimmung wie an der Liverpooler Anfield Road
14:10 13.06.2010
Sport für harte Männer: Der Boxwettkampf zwischen den Mitgliedern des „Princess of Wales´s Royal Regiment“ (Kämpfer in blau) und Angehörigen der „Royal Anglians“ (Kämpfer in rot) bot spektakuläre Fausthiebe. Quelle: Gert Neumann
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Die Halle tobt schon, bevor der erste Kämpfer die kleine Arena betreten hat. Während es sich auf der einen Seite die Soldaten aus Paderborn auf ihren harten Plastik-

stühlen gemütlich machen, sind die Fans der „Poachers“ bereits voll in ihrem Element: Mit lautstarken Sprechchören wollen sie keinen Zweifel daran lassen, wer hier heute Abend Herr im Ring ist.

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„Poacher“ – „Das bedeutet Wilddieb“, erläutert Lieutenant William Willdridge, der in Celle stationiert ist und natürlich die „Royal Anglians“ anfeuert. Das Maskottchen sei dementsprechend ein bärtiger Mann, der mit Jägerhut auf dem Kopf und einem erlegten Kaninchen in der Hand die Kämpfer zum Boxring geleitet. Vor dem Ring sitzen die Soldaten – fein säuberlich aufgereiht nach Dienstgraden. Während in den ersten Reihen unter anderem die Sergeants und Sergeants Majors sitzen, haben in der Mitte die Corporals in ihren klassischen Abendanzügen Platz genommen. Ganz hinten sitzen die einfachen Soldaten in ihren Uniformen.

Als Private Doyle, erster Kämpfer der „Royal Anglians“ begleitet vom „Poacher“ und den Trommlern die Halle betritt, herrscht eine Stimmung wie beim Fußballspiel an der Liverpooler Anfield Road. Bevor der Kampf startet, gibt der „Master of Ceremonies“ – der Ringsprecher – die Regeln bekannt: Ein Kampf geht über drei Runden á zwei Minuten. Des Weiteren mahnt er die Boxer und Zuschauer dazu an, respektvoll miteinander umzugehen. Die drakonische Wortwahl zeigt Wirkung: Buhrufe und Beschimpfungen sind in der Halle in den folgenden Stunden kaum zu hören

Auch eine weitere Regel ist ungewöhnlich: „Sobald der Schiedsrichter spricht, muss absolute Ruhe herrschen“, erklärt Willdridge. Das führt mitunter dazu, dass sich Stadion-

stimmung und gespenstische Stille im Sekundentakt abwechseln.

Dann beginnt der erste Kampf. Bereits nach wenigen Sekunden hat Private Doyle, der in der Gewichtsklasse Bantamgewicht antritt, harte Treffer bei seinem Gegner aus Paderborn gelandet. Der Mann im blauen Kampfdress wankt – aber er fällt nicht. Doch nur ein paar Sekunden später stöhnen die Fans des „Princess of Wales´s Royal Regiments“ auf. Die rechte Faust hat ihren Kämpfer in der Magengegend getroffen. Er fällt k. o. zu Boden und kann sich nur mühsam wieder aufrappeln. Willdridge, der eben noch mit angespannter Miene am Ring gestanden hat, springt begeistert auf. Die „Royal Anglians“ haben das erste Duell für sich entschieden.

Im weiteren Verlauf kommt es zu weniger K.o.s und mehr Punktsiegen. Anders als viele Zuschauer freut sich Willdridge über die Ausgeglichenheit: „Die Männer haben sechs Monate für diese sechs Minuten Kampf trainiert“. Ihre Ausdauer zeige, dass sie ihre Sache gut gemacht hätten.

Die Fans der „Poachers“ müssen bis kurz vor Schluss zittern. Am Ende gewinnen ihre Boxer sechs der neun Kämpfe und ziehen eine Runde weiter.

Von Christian Uthoff