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Celle Stadt Straßenverkehr gefährdet Fledermäuse
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Straßenverkehr gefährdet Fledermäuse
16:00 13.09.2019
Von Michael Ende
Wie diese Mopsfledermaus gelten grundsätzlich alle Fledermausarten als gefährdet. Quelle: Stefan Thomas
Celle

Kann es denn tatsächlich sein, dass Fledermäuse, die bisher kein Problem mit der bestehenden Kreisstraße 74 bei Altencelle haben, auf der zukünftigen Ostumgehung, die diese K74 ersetzen soll, reihenweise totgefahren werden? Das könne durchaus sein, meint der Celler Biologe Otto Boecking, der den BUND bei seiner Klage gegen die neue Straße unterstützt. Der Bienenexperte Boecking belegt seine These mit allgemeinen wissenschaftlichen Untersuchungen. Wie genau der Fledermausschutz entlang der Celler B3 aussehen müsste, damit er vom BUND nicht mehr beklagt würde, sagt er nicht. Boecking beharrt aber darauf, dass der bisherige Fledermausschutz gewiss nicht ausreiche.

Keine Rundum-Sicht

Fledermäuse könnten herannahende Autos nicht orten, so Boecking. So könne es schnell zu Kollisionen mit Fahrzeugen kommen: „Hindernisse, die sich von der Seite oder von hinten auf die Fledermaus zubewegen, können überhaupt nicht wahrgenommen werden.“

Kollisionen grundsätzlich möglich

Die Fachwissenschaft sei sich einig, dass die Dunkelziffer der Fledermaus-Verluste durch Straßen- und Schienenverkehr ein Vielfaches der zufälligen Totfunde umfasse. Studien mit systematischen Nachsuchen von Kollisionsopfern hätten gezeigt, dass Totfunde gehäuft dort aufträten, wo Straßen die Flugkorridore der Fledermäuse kreuzten oder nahe an attraktiven Jagdlebensräumen lägen. Totfund-Daten für Altencelle liegen allerdings nicht vor. Noch hat sich kein Autofahrer gemeldet, dem jemals auf der K74 eine Fledermaus vor den Wagen geflogen ist. Boecking präsentiert Daten aus Polen: „Bei einer einjährigen regelmäßigen Erfassung an einem 16,6 Kilometer langen Straßenabschnitt im Kampinos-Nationalpark in der Nähe von Warschau fanden Fledermauswissenschaftler insgesamt 61 Fledermaus-Kollisionsopfer mit dem Verkehr.“

Was heißt das für die Celler Ostumgehung?

Boecking bleibt allgemein: „Wird eine Straße neu gebaut, so werden unweigerlich auch traditionell genutzte, hochfrequentierte Flugstraßen von Fledermäusen durchquert, die sie bis dahin sicher durchfliegen konnten. Da die Fledermäuse sich sehr konservativ verhalten, also ihre gewohnten Flugwege trotz der Veränderung aufrecht halten, sind Konflikte mit dem Straßenverkehr vorprogrammiert.“

Alle auf der Roten Liste

Die fortschreitende Fragmentierung der Landschaft durch Straßen stelle neben anderen Faktoren eine besondere Gefährdung für Fledermäuse dar. So stehen inzwischen alle diese wendigen Flieger auf der Roten Liste und einige Arten sind vom Aussterben bedroht, so Boecking: „Kollisionen mit dem Straßenverkehr, so die Fachwissenschaft, sind eine ernstzunehmende Todesursache, weshalb auch Gerichte hierauf ein besonderes Augenmerk legen. Im Bereich der geplanten Celler Umgehungsstraße wurden insgesamt 12 Fledermausarten nachgewiesen. Damit entspricht das Artenspektrum 67 Prozent aller in Niedersachsen vorkommenden Arten und genau der Hälfte der in Deutschland regelmäßig nachgewiesenen 24 Fledermausarten.“

Was bringen Brücken?

Und Fledermausbrücken, wie sie auf Drängen des BUND nun für die Ostumgehung geplant sind? Bringen die etwas? „Bislang liegen nur sehr wenige empirische Daten zur Wirkungsweise von Querungsbauwerken vor. Nach dem heutigen Wissensstand können beispielsweise Unterführungen von Straßen, in Abhängigkeit ihrer Dimensionierung und Lage im Raum, Barriere-Effekte und die Zahl der straßenbedingten Tötungen für einige Fledermausarten reduzieren helfen. Das gilt auch für Grünbrücken oder begrünte Fledermausbrücken“, so Boecking. Grundsätzlich müssten sie jedoch exakt auf der von Fledermäusen zuvor genutzten Flugroute positioniert sein und eine gute Anbindung an ihre natürliche Umgebung aufweisen: „Untersuchungen in Großbritannien haben gezeigt, dass bereits das Verschieben einer Querungshilfe um 10 bis 15 Meter gegenüber der ursprünglichen Lage der Fledermausflugroute dazu führt, dass diese Querungshilfe nicht angenommen wird.“

Umleiten unmöglich?

Ideen, die Fledermäuse mit Zäunen und Hecken umzulenken und ihnen dabei noch mehrere Richtungswechsel abzuverlangen, wie man das mit Schafen hinbekomme, scheiterten bei Fledermäusen grundsätzlich, so Boecking: „Da solche Querungshilfen Kosten verursachen, sollten sie also so geplant werden, dass sie die besonderen Ansprüche der Fledermäuse berücksichtigen und damit auch wirksam Kollisionen mit dem Straßenverkehr vermeiden helfen.“ Da der BUND gegen die bisher geplanten Fledermaus-Rettungs-Vorkehrungen klagt, muss er sie für falsch halten. Wie sie genau sie richtig wären, kann auch Boecking nicht sagen.

Mehr zum Thema Ostumgehung finden Sie hier.

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