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Celle Stadt "Tyrannei": Heftige Kritik an Celler BUND
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Tyrannei": Heftige Kritik an Celler BUND
14:21 25.10.2019
Von Michael Ende
Die Alte Exerzierhalle war bei der Infoveranstaltung gut gefüllt. Quelle: David Borghoff
Celle

Einen Mix aus Informationen, Emotion und Polemik erlebten am Donnerstagabend die rund 200 Besucher der Infoveranstaltung, zu der die Bürgerinitiative „Ostumgehung Celle - jetzt!“ in die Alte Exerzierhalle eingeladen hatte. Die gute Nachricht: Mit dem Bau der Straße geht es jetzt weiter. Nur: Das war wie vieles an diesem Abend längst bekannt.

Wettern gegen "Tyrannei"

Für Stimmung sorgte BI-Vorsitzender Jens Dommes, der einige Tage zuvor Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) im Landtag besucht hatte und von dort aus Rückenwind verspürte. Durch "egoistische jahrelange Klagerei" habe der BUND, der glaube, Straßenbau sei "etwas Böses", das Projekt Ostumgehung immer wieder "gegen die Wand gefahren", so Dommes. Deshalb müsse sich der BUND nicht wundern, wenn die "große Mehrheit" die "Tyrannei" beenden wolle.

Experte erläutert Bauablauf

Aus Sicht des BUND und der Gerichte, die ihm wiederholt Recht gegeben haben, sitzen diejenigen, die für das "Vor-die-Wand-Fahren" verantwortlich sind, im Straßenbauamt in Verden. Von dort war Planungs-Fachbereichsleiter Sönke Zulauf angereist und freute sich: "Das ist das erste Mal, dass ich zu Befürwortern einer Maßnahme sprechen darf." Zulauf erläuterte, dass die Brücke über die B214, deren Erst-Spatenstich am 16. November zelebriert werde, zunächst ein "Symbol" sein werde. Benutzen werde man sie erst können, wenn der ganze Abschnitt fertig gestellt sei. Als Termin ist das Jahr 2026 ins Auge gefasst. Zulauf sagte, dass im Mittelabschnitt die Arbeiten nördlich der Aller 2020 beginnen sollten. Ab 2022 sollen die Allerbrücke und der südliche Mittelteil in Angriff genommen werden.

Die Fledermaus-Schutzzäune entlang der Straße sollen mindestens vier Meter hoch werden. Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Kompromiss-Lösung nicht ausgeschlossen

Zulauf sagte, er sei guten Mutes, dass der Fledermausschutz jetzt so gut geplant sei, dass die noch anhängige Klage des BUND keinen Erfolg haben werde. Ein Problem sei, dass Naturschutzverbände auch dann klagen könnten, wenn sie "am letzten Verhandlungstag eine tote Fledermaus aus der Tasche" zögen, sagte Rechtsanwalt Peter Welter aus Berlin. Das angekündigte Gespräch zwischen BUND-Spitzen aus Hannover und den Straßenplanern könne aber auch zu einer Kompromiss-Lösung führen.

"Tyrannei" passt nicht so ganz

Zum Schluss noch eine Information aus dem Duden. Zur Bedeutung des Wortes "Tyrannei": "Gewalt-, Willkür-, Schreckensherrschaft". Nicht ganz passend für jemanden, der wie der BUND in einem Rechtsstaat Rechtsmittel einlegt.

Verkehrsminister trifft Vorsitzenden der BI „Ostumgehung Celle - jetzt!“

Auf Initiative des Celler CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Adasch hatte Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) zuvor Jens Dommes zum Meinungsaustausch am Rande der Plenarwoche im Niedersächsischen Landtag getroffen. Dabei erläuterte der Minister den aktuellen Sachstand des Verfahrens zum Weiterbau der B3-Ostumgehung und bedankte sich für das Engagement der BI: „Es kommt eher selten vor, dass Menschen für und nicht gegen ein Straßenbauprojekt demonstrieren. Der hohe Zuspruch für die Bürgerinitiative „Ostumgehung Celle – jetzt!“ belegt aber, wie dringlich die Mehrheit der Celler Bürger eine Entlastung der völlig überfüllten Ortsdurchfahrten in und um Celle erwartet. Mit dem bevorstehen Spatenstich für die Anschlussbrücke über die B214 steigen wir in den Bau des wichtigen Mittelteils der B3-Ortsumgehung ein. Durch das Engagement der Bürgerinitiative bekommt Celles wichtigstes Infrastrukturprojekt zusätzlichen Rückenwind.“

Im Beisein von Thomas Adasch (links) und Jörn Schepelmann (rechst) hat Jens Dommes (Zweiter von rechts) Bernd Althusmann getroffen. Quelle: Fremdfotos/eingesandt

"Zigtausend Anhänger"

Dommes ergänzte: „Wenn die Mehrheit der Bürger und der verantwortlichen Politiker in einer Demokratie gemeinsame Ziele haben, dann kann es nur zum Wohle von Mensch und Natur sein. Die BI und ihre zigtausend Anhänger danken dem Verkehrsminister Bernd Althusmann für sein bisheriges Engagement und den Sofortvollzug. Wir alle hoffen auf den zügigen Weiterbau um endlich von jahrzehntelangem Lärm und Stress entlastet zu werden.“ „Es zeigt sich immer mehr, dass das Engagement und das Zusammenwirken der politischen Entscheidungsträger und der engagierten Bürger vor Ort, insbesondere der 'Bürgerinitiative Ostumgehung Celle – jetzt!', Früchte zu tragen beginnt“, so Adasch.

Doppelte Helga

Als hartnäckige Kämpferin gegen den Bau der Celler Ostumgehung hat sich die BUND-Aktivistin Helga Habekost einen Namen gemacht. Mit den Anfeindungen, die ihr deshalb aus den Reihen der Straßenbefürworter entgegenschlagen, scheint sie zurechtzukommen. Doch das geht nicht allen Helga Habekosts so.

Das ist die "echte" vom BUND: Helga Habekost. Quelle: Anke Schlicht

"Wir sind das nicht"

Zum Beispiel nicht derjenigen, die die Ehefrau des ehemaligen Oberstudiendirektors Bernd Habekost ist. "Nachdem der Name Helga Habekost in der letzten Zeit wieder öfter in der CZ zu lesen ist, möchte ich mich von dieser, die Gesundheit der Menschen missachtenden, fledermausverliebten Dame distanzieren", so der ehemalige Leiter der Celler BBS1: "Ich bin – zum Glück – mit ihr weder verwandt noch verschwägert." Bedauerlicherweise leide seine ebenfalls Helga heißende Frau "unter den fragwürdigen Aktivitäten dieser Dame". Seine Frau habe keine "Großtaten für die Fledermaus" geleistet, so Habekost: "Also: Wir sind das nicht."

Kommentar von Michael Ende

Feindbilder

Auch wenn das jahrelange Ringen um den Weiterbau der Celler Ostumgehung ein emotional aufgeladenes Thema ist, sollten die Beteiligten versuchen, die Fassung zu wahren. Das gelingt ihnen immer weniger: In BUND-Kreisen vergleicht man die harsche Kritik, die man für konsequentes Klagen gegen jeden neuen Abschnitt einsteckt, völlig unpassenderweise mit der Judenverfolgung der Nazis. Nicht nur dort brennen Sicherungen durch: Auch in der Anti-BUND- und Pro-Ostumgehungs-BI liegt man bei der Wortwahl daneben, wenn man von einer "Tyrannei" des BUND spricht. Wozu soll das noch führen? Hier sind verbale Abrüstung und Deeskalation angesagt, denn wir wollen alle zusammen in dieser Stadt leben. Wer eine andere Meinung hat als man selbst, der ist kein Feind, sondern lediglich jemand, der eine andere Meinung hat als man selbst. Deshalb mein Appell: Durchatmen, Ball flach halten.

Der Herbst geht, der Winter kommt und mit ihm zusammen das neue Veranstaltungsprogramm der CD-Kaserne. Die Besucher erwartet Lustiges, Magisches und Rockiges.

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