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Celle Stadt Tag des offenen Denkmals
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Tag des offenen Denkmals
13:55 13.06.2010
Tag des offenen Denkmals: Huth - Marc Klöpping im Verkaufsraum der Rösterei Quelle: Torsten Volkmer
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Seit 1851 wird bei „Huth’s Kaffee und Feinkost“, das schwarze Gold geröstet. Auf einem alten Schild an der Fassade des historischen Gebäudes am Großen Plan, prangt heute noch das Wappentier der Heide, der Schafsbock, der gleichzeitig die Verpackungen des Geschäftes schmückt. „Um dieses Schild rankt sich eine spannende Geschichte“, weiß Inhaber Joachim Schwanitz. „Der erste Inhaber des Geschäfts, ein Herr Huth, durfte sich als königlicher Kolonialwarenhändler bezeichnen und ließ das Wappen des Königreichs Hannovers auf sein Schild malen.“ Nach dem Untergang des Königreiches 1866, mussten die Wappen aus der Öffentlichkeit verschwinden, das Schild aber blieb hängen. „Allerdings entdeckte erst 1896, also 30 Jahre später, ein preußischer Polizist das alte Wappen auf dem Schild“, erklärt Schwanitz. „Zusammen mit einem Malermeister aus der Bergstrasse hat der zweite Inhaber des Geschäfts, ein Herr Bock, dann eine Lösung gefunden.“ Das Wappen wurde weiß übermalt und der Bock ziert seither das Ladenschild.

So wie die Geschichte über das Tier des Celler Geschäfts, gibt es auch über das Gebäude und die Rösterei viele historische Anekdoten zu berichten. „Der Mittelteil ist von 1670“, berichtet Schwanitz. Das vordere Haus ist wohl etwa 120 Jahre jünger, genau wissen wir das aber mangels eigener Dokumente nicht. Überall in den verschiedenen Räumen finden sich zahlreiche historische Zeugnisse aus vergangenen Zeiten. Auf dem Dachboden befindet sich noch das Rad mit Seilzug, welches die schweren Lasten vor vielen Jahren nach oben zog. „In einem anderen Teil des Bodens, haben sich die Verkäufer mit Rußkohle verewigt“, schildert Schwanitz. „Sie haben an den Wänden wohl Schönschrift geübt oder sich einfach nur verewigen wollen.“

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Geht man durch die Verkaufsräume, die seit Eröffnung im Grunde architektonisch so geblieben sind, wie sie heute noch erscheinen, gelangt man über den Hof in die Rösterei. „Hier hat mein Vater früher noch im Jackett den Kaffee geröstet“, erzählt Schwanitz. „Das scheinen aber viele so gemacht zu haben.“ Der Grund sei ganz einfach: „Der Kaffee hatte eine solche Wertigkeit, dass man ihn nicht im schnöden Kittel verarbeiten wollte“, so Schwanitz.

Noch heute transportieren die Huth-Mitarbeiter die 70 Kilo schweren Kaffee-Säcke von Hand mit Hilfe einer Karre in die Rösterei. „Die letzten Stufen müssen dann ohne Hilfe gehen“, schmunzelt Schwanitz. „Aber wir erhalten nur etwa einmal im Monat eine große Lieferung.“ Acht Mitarbeiter kümmern sich um den Verkauf der Waren. Bis vor sechs Jahren nur Männer. „Das hat sogar in Reiseführern gestanden. Traditionell nur männliches Personal“, so Schwanitz. „Wir haben aber mit dieser Tradition gebrochen und beschäftigen natürlich auch Mitarbeiterinnen. Insgesamt fünf Damen, inklusive Aushilfen.“

Vor vier Jahren wurde die Fassade saniert und im Inneren des Gebäudes einiges renoviert. „Wir hatten einen Wassereinbruch und mussten sanieren“, erklärt Schwanitz. Dabei hätten Dachdecker einige historische Gegenstände gefunden. „Hinter den Sparren sind alte Glasverkleidungen mit Bezeichnungen für die Kavernen der Kaffeesorten entdeckt worden. Die werde ich aufarbeiten lassen.“

●Führung: Morgen, 14 und 16 Uhr, finden Führungen durch die Rösterei statt. Anmeldung unter s (05141) 6008.

Von Jasmin Nemitz