Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Tanzende Pferde, fliegende Ziegen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Tanzende Pferde, fliegende Ziegen
14:16 13.06.2010
Von Michael Ende
„Hengste, Show und Sternenhimmel“ 2009 Quelle: Peter Müller
Anzeige
Celle Stadt

CELLE-NEUENHÄUSEN. Fliegen die etwa? Irgendwie schon. Eigentlich sprangen sie. Dass Schäferhunde Schafe und Ziegen treiben, ist nichts Neues. Was allerdings die aufgedrehten Border Collies Flip, Pepper, Spax und Leeds der Schäferin Anne Krüger auf Pfiff mit vier Waliser Schwarzhalsziegen anstellten, war nicht nur sehenswert – es war schlicht sensationell: Sie trieben die Gehörnten nicht nur über Hindernisse eines waschechten Springparcours, sondern ganz bis hinauf aufs Dach eines bulligen Autos namens Landrover Defender: Die „fliegenden“ Ziegen waren einsame Spitzenklasse. Und ein umjubelter Höhepunkt des Pferde-Festes, das den Auftakt der Hengstparade-Saison markierte.

Viel mehr als „nur“ seine weltberühmten Rosse präsentierte das Celler Landgestüt am Sonnabend bei der nächtlichen Gala „Hengste, Show und Sternenhimmel“, zu der Landstallmeister Axel Brockmann rund 3500 begeisterte Gäste begrüßte.

Anzeige

Geboten wurde eine farbenprächtige Mixtur aus Pferdesport der Spitzenklasse und Unterhaltung. Auch die Kultur kam nicht zu kurz. So habe beispielsweise der Dichter Heinrich Heine 1836 geschrieben: „Zu Celle im Zuchthaus sah ich nur Hannoveraner.“ Dazu die Entertainerin Patricia Harlos, die charmant und kompetent die Moderation übernommen hatte, trocken: „Das hätte ihm auch im Landgestüt passieren können.“

In der Wiege der Hannoveranerzucht waren natürlich die Hengste die Stars der knapp dreistündigen Show, die die Gäste durch die Jahrhunderte Celler Geschichte mitnahm. Da führte Till Eulenspiegel den Celler Herzog an der Nase herum, da wurden die ehebrecherische Fürstin Sophie Dorothea mit ihrem Geliebten Graf Philipp von Königsmarck von den Häschern des Monarchen gejagt, die bald des Jagens leid wurden und zur Springquadrille ansetzten. Und die Ungarische Post – die donnerte so oft durchs Karree, bis mit den Hengsten Beluga und Nobre unter Eirik Erlingsen die Pferde durchgingen. Eine Schrecksekunde, als der Reiter auf den galoppierenden Pferden den Halt verlor. Doch passiert ist nichts: Ein echter Gestüter bekommt auch junge Wilde in den Griff.

Historische Kutschen und Pferdefuhrwerke aller Art vom Kohlen- oder Bäckerwagen über den Pflug bis hin zur schicken Picknick-Karosse der High Society waren ein Schwerpunkt, der veranschaulichte, wie wichtig Pferdestärken schon immer waren. König Georg II. schaute allergnädigst vorbei, doch „Müller zwo“, Heinz Müller mit Robespierre, demonstrierte wahren Adel: Das edle Pferd absolvierte brav die Freiheitsdressur. „Robby“ – ein gelehriges Prachtkerlchen mit einem eigenen Kopf. „Müller zwo“ hatte zuvor gewettet, dass er als allererster das Publikum „auf die Beine“ bringen würde. Das gelang ihm mit Bravour: Standing Ovations.

Den abschließenden Höhepunkt der Show markierte die Große Quadrille, ein Welthit des Celler Landgestüts: „Pferdetanz“ vom Allerfeinsten – eine Mischung aus Harmonie und Präzision, die unerreicht ist. Das Publikum war begeistert – und Pferde und Reiter werden gerade erst warm: Die Celler Hengstparaden-Saison hat glanzvoll begonnen.

Für die klassischen Hengstparaden, die am 19., 20., 26. und 27. September jeweils um 13 Uhr beginnen, gibt es noch Restkarten. Stehplätze kosten 12 Euro (Kinder frei), Sitzplätze zwischen 27 und 35 Euro (Kinder die Hälfte). Karten für alle Veranstaltungen gibt es über die Hotline s (01805) 960611 oder im Büro des Landgestüts, s (05141) 929415 oder per E-Mail an baerbel.klose@lgst-celle.niedersachsen.de.

www.landgestuetcelle.de