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Celle Stadt Tauschgeschäft für Traumauto
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Tauschgeschäft für Traumauto
16:14 03.08.2018
Quelle: David Borghoff
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Celle

Er blickt zurück: „Ich hatte zuvor einen Käfer, an dem ich viel getüftelt habe.“ Sein blau-rot lackiertes Modell des VW-Klassikers stattete er unter anderem mit Flugzeugsitzen, Lkw-Scheinwerfern und herzförmigen Fenstern aus. Doch der 200 PS starke Flitzer hatte auch seine Nachteile. „Ich bin mit dem Käfer damals schon aggressiver gefahren“, gesteht der gelernte Maschinenschlosser. Seine Ehefrau sorgte sich um ihn. Als ein Mann ihm 1997 bei einem Oldtimer-Treffen in Berlin ein Isabella Coupé der Marke Borgward zum Tausch anbot, schlug er zu. „Warum er den Käfer genommen hat, ist mir bis heute ein Rätsel“, schmunzelt Ruhland.

Die Isabella hatte fünf Vorbesitzer und stammt aus dem Jahr 1961. „Der Wagen hätte nicht mal in Apulien TÜV gekriegt“, ist sich Ruhland sicher. Für ihn stellte das aber kein Problem dar. „Wenn man einen Oldtimer bauartbedingt verändern kann, muss man es auch machen.“ Nach dem Autotausch suchte er unermüdlich nach Werkstattbüchern, Zeitungsartikeln, Skizzen und anderen Unterlagen, die ihm Informationen über das Coupé lieferten. Ruhland sammelte alles, was ihm in die Finger kam.

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2002 zog es ihn und seine Frau von Berlin nach Meißendorf. Dort geriet der Wagen etwas ins Hintertreffen. „Ich habe die Isabella lange auf Eis gelegt, da ich auch Traktoren repariert habe“, erklärt Ruhland. Erst vor wenigen Jahren legte er seinen Fokus auf das Auto. Ruhland nahm sich der Aufgabe an und tauschte diverse Bauteile wie Auspuff, Warnblinklicht und Rückspiegel aus. Manchmal musste er improvisieren: So verbaute er ein normales Trinkglas mit Henkel im Motorraum, da es dem originalen Behälter für Scheibenwaschwasser ähnelte. Ruhland betont: „Bei alten Autos kann man alles selber machen und sich mit wenigen Mitteln behelfen.“

Etwas fremde Unterstützung nahm er dann doch in Anspruch. Den Motor ließ er bei einem Borgward-Experten in Visselhövede reparieren. Von Januar 2014 bis September 2015 dauerte der Vorgang, dann folgte die erste Testfahrt. „Ich war irgendwie aufgeregt, nervös und zittrig. Das Gefühl kann man nicht beschreiben“, verrät Ruhland und ergänzt: „Man muss etwas vorausschauender fahren, da das Bremsen etwas dauert.“ Wenn er mit seinem erdbeerroten Coupé durch die Gegend rollt, freuen sich besonders die älteren Generationen, denen die 1963 aufgelöste Marke noch vertraut ist. Und auch die jüngeren Leute haben dank seiner Restaurationsarbeit die Chance, einen originalen Borgward der 60er Jahre auf der Straße zu sehen.

Von Sebastian Salpius

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