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Celle Stadt Teufelsanbeter trifft Engel
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Teufelsanbeter trifft Engel
15:06 13.06.2010
Von Andreas Babel
CD-Kaserne: Maybebop singt a cappella Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

Maybebop muss sich umbenennen. Das wurde beim Donnerstagkonzert in der Celler CD-Kaserne deutlich. Bop, so erläuterte dort Bariton Oliver Geis, ist eine Stilrichtung des Jazz, der die Krönung desselben bezeichnet, auch weil dort die höchsten und die tiefsten Töne gefordert werden. Die sitzen bei dem A-capella-Quartett so sicher, dass es sich eigentlich in surebop umbennen müssten.

Das Duell des Bass´Sebastian H. Schröder mit dem Countertenor Jan Malte Bürger entschied der Hüne knapp für sich. Bürger brillierte mit seiner engelsgleichen einfühlsamen hohen Stimme zum Beispiel beim Rausschmeißer "Der Mond ist aufgegangen". Schröder schockte das Publikum mit seinem ersten Solopart in Mutterleib. Mit weit aufgerissenen Augen und irrem Blick, scheinbar unkoordinierten Handbewegungen und mit Druck gesungenen Passagen jagte er den Zuhörern Schauer über den Rücken. Bei "Ebenbild" stellte sich dann wohliges "Gänsehautfeeling" ein und mit "Mein kleiner grüner Kaktus" als Zugabe hatte er das Publikum vollends gepackt.

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Teufelsanbeter und Engel, in diese Rollen scheinen Bürger und Schröder zu schlüpfen. Lukas H. H. Teske und Oliver Gies überzeugten vor allem durch ihre weichen, gefühlvollen Stimmen: Sunnyboy trifft Melanchoniker.

Neben den perfekten Stimmen, die so wunderbar zueinander passen, zeichnet die Gruppe noch zweierlei aus: Zum einen ist das die ungeheure Bandbreite des Repertoires, ihr Stilmix und der plötzliche Wechsel beziehungsweise das Nebeneinander von Gefühl und Comedy. Zum anderen ist das die beeindruckende Bühnenpräsens mit einer Aktivität, die man von anderen A-cappella-Gruppen so nicht kennt. Das erinnert eher an halb so alte Mitglieder von Boy Groups, wie die Mitdreißiger da über das Parkett fegen und dazu noch die Töne treffen, ohne aus der Puste zu geraten. Man sieht es ihnen an, dass sie viel üben, fett werden sie so bestimmt niemals.

Ihre Spontaneität bewiesen die Vier, als Zuschauer sich einen Song über Angela Merkel in der Stilrichtung Heavy Metal wünschten. Mit viel Augenzwinkern und Kreativität legten sie ein flugs erfundenes Lied vor, das etwa 660 Zuschauer in der großen Halle des Veranstaltungszentrums zu Beifallsstürmen hinriss.

Nach seinen drei Horror-Songs wünschte Sebastian H. Schröder dem Auditorium eine gute Nacht: "Träumt nicht so schlecht, träumt vor allem nicht so schlecht von mir." Das Gegenteil wird der Fall gewesen sein.