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Celle Stadt Große darstellerische Kunst
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Große darstellerische Kunst
19:26 27.01.2019
Von Jürgen Poestges
Gestörtes Familienverhältnis: (von links) Niklas Hugendick als Happy, Jürgen Kaczmarek in der Rolle des Willy Loman und Felix Lüke als Biff. Quelle: Hubertus Blume
Celle

Hochregale, die Bühne ist ein einziges Hochregal. Fleißige Arbeiter schieben auf Sackkarren Pakete hin und her, sortieren sie in die Fächer. Stupides Abarbeiten, immer im gleichen Rhythmus, ohne Abwechslung. Das ist die Kulisse für „Tod eines Handlungsreisenden“. Das Stück von Arthur Miller aus dem Jahr 1949 feierte am Freitag im Schlosstheater eine frenetisch gefeierte Premiere.

Willy Loman ist Handlungsreisender. Jetzt, mit 63 Jahren, fühlt er sich zunehmend müde, abgehängt, nicht mehr ernstgenommen. Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich immer mehr miteinander. Eigentlich weiß Willy, dass er in seinem Leben nicht viel erreicht hat. Dennoch redet er sich ständig ein, er sei einmal ein erfolgreicher Handlungsreisender gewesen. Dazu kommt der Zwist mit seinem ältesten Sohn Biff, der, wie der Zuschauer später erfährt, seinen Vater bei einem Seitensprung auf einer seiner Geschäftsreisen erwischt hat. Seitdem ist das Verhältnis zu ihm gestört.

Von Zerrissenheit und Selbstbetrug

Jürgen Kaczmarek spielt den Willy Loman faszinierend und eindrucksvoll. Die Zerrissenheit, der Selbstbetrug, die Glorifizierung der Vergangenheit – man möchte ihn wachrütteln. Eindrucksvoll sind die Szenen, in denen er mit seinem verstorbenen, aber zu Reichtum gekommenen Bruder Ben redet. Auch diese fiktive Figur belügt er, was sein Leben und seine Familie betrifft.

Dieser außergewöhnlichen Darstellung steht Felix Lüke in nichts nach. Sein Biff ist ein verzweifelter junger Mann, der mit seinem Leben hadert, der immer versucht, die Erwartungen seines Vaters zu erfüllen. Sei es als Football-Star der Schule oder im Berufsleben. Immer ist er gescheitert. Und ebenso scheitert er darin, seinem Vater deutlich zu machen, wie sehr er ihn liebt. Wenn Biff am Ende, als einziger aus der Familie Loman im Übrigen, seinen Frust und seine Seelenpein herausschreit und dazu sein Leben und das der gesamten Familie als große Lebenslüge entlarvt, ist das ganz große darstellerische Kunst.

Leben in einer Scheinwelt

Der Theaterbesucher kann es nicht fassen, dass er damit seinen Vater wieder nicht erreicht. „Er hat sich bei mir ausgeweint, er liebt mich. Aus ihm wird noch einmal etwas Besonderes“, verklärt Willy den verzweifelten Ausbruch seines Sohnes.

Niklas Hugendick als der jüngere Sohn Happy und Tanja Kübler als Ehefrau Linda sind in ihren eigenen Rollen in diesem Drama ebenfalls gefesselt. Im Verlauf des Stückes stellt sich heraus, dass Sohn Happy keineswegs so erfolgreich ist, wie er seinen Eltern vorspielt. Auch er ist nur ein „kleines Licht“, auch er lebt in einer Scheinwelt.

Linda versucht, die Familie zu kitten, zu vermitteln, wo es nur geht. Auch sie scheitert, wirft die Söhne aus dem Haus und hält am Ende die Urne mit Willys Asche in Händen. Denn Willy sieht nur im Selbstmord eine Lösung. Mit dem Geld seiner Lebensversicherung hofft er, die Finanzmisere der Familie zu beenden. „Jetzt sind wir frei“, sagt Linda mehr als doppeldeutig.

Hochregale mit besonderer Funktion

Zora Fröhlich als Willys Geliebte und Chefin, die ihn feuert, und Armin Köstler als der erfolgreiche Nachbar Charley, der Willy immer Hilfe anbietet, komplettieren mit überzeugenden Leistungen das Stück.

Regisseur Martin Kindervater und Bühnenbildnerin Anna Manss setzen das Stück eigenwillig, aber überzeugend um: In den Hochregalen werden manchmal drei Zeitebenen gleichzeitig gespielt, die verschiedensten Orte mit wenig Aufwand dargestellt. Eine perfekte Symbiose zwischen Bühnenbild und Handlung.

Das sah auch das Premierenpublikum so. Es gab minutenlange stehende Ovationen am Ende. Und die hatten sich Schauspieler, Regisseur, Bühnenbildnerin und Dramaturgin mehr als verdient.

Vorstellungen

Weitere Vorstellungen jeweils um
20 Uhr: 26., 29., 30. und 31. Januar, 3., 9., 11., 14., 15., 20., und 26. Februar sowie am 17. Februar um 15 Uhr.

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