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Celle Stadt Zwischen Grenzauslotung und Lifestyle-Diktat
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zwischen Grenzauslotung und Lifestyle-Diktat
20:46 10.01.2019
In der Rolle der Kiwi: Stefanie Winner. Quelle: Hubertus Blume
Celle

Ausgesetzt im ländlichen Niemandsland sitzt Kiwi, immer noch reichlich alkoholisiert, auf einem „notgedrungen“ geklauten Kinderfahrrad und saust – dem hilfreichen Hinweisschild sei Dank – durch die kalte, sternenklare Nacht Richtung Zuhause. Und sie fühlt sich „beschissen“, aber auch irgendwie großartig und frei … Diese Ambivalenz einer 14-Jährigen zwischen Pech und Glück, Traum und Wirklichkeit, Kind und Frau, zwischen nüchterner Unsicherheit und angetrunkenem Mut, ist Kern des aktuellen Jugendstücks „Kiwi on the Rocks“, das am Mittwoch im Celler Schlosstheater Premiere hatte.

Überzeugende Leistung von Stefanie Winner

Dies auf eine sehr persönliche Ebene zu stellen und herauszuarbeiten, entspricht nicht nur dem Werk des Autors Daniel Ratthei. Die Umsetzung ist auch dem kleinen, kompakten Team aus Simon Klösener (Regie), Mona vom Dahl (Dramaturgie) und vor allem Stefanie Winner, die in dem Einpersonenstück sehr überzeugend die Kiwi spielt, bestens gelungen. „Kiwi on the Rocks“ erzählt ganz aus der Sicht des jungen Mädchens, wie schwierig die Waage zu halten ist zwischen „in sein“ und „dazugehören“ einerseits und dem, was man eigentlich möchte (oder vielmehr nicht möchte), es sich aber nicht zu sagen, geschweige denn durchzusetzen traut, weil die anderen dann „wer weiß was von einem denken“.

Nicht in der anonymen Masse verschwinden

Eigentlich ist Kiwi eine Namensschöpfung aus Kirsten Wittenbrinck – „Kiwi“ findet sie viel cooler, weil sie das zu etwas Besonderem macht. Besonders zu sein, nicht in der anonymen Masse zu verschwinden und übersehen zu werden, ist dem Mädchen – wie vielen in diesem Alter – sehr wichtig. Zwischen Grenzauslotung und Lifestyle-Diktat bewegt sich Kiwi in der Abenteuerreise des Erwachsenwerdens.

Das Leben herauszufordern, erfordert Mut, und den holen sich die, die sich trauen, die dabei sein wollen, statt am Rande zu stehen, durch Alkohol. Der schaltet nicht nur das warnende Bauchgefühl aus, sondern schürt die Illusion, alles im Griff zu haben. Dass sie dabei häufig über Grenzen hinausgeht und in Situationen gerät, die sie besser vermieden hätte, nimmt der Teenager dabei billigend in Kauf. Ihre Fantasie hilft ihr dabei, die Realität immer wieder umzuformen, aus einem eigenen Blickwinkel heraus Erfahrungen umzudeuten und umzuwerten. Sie ist eben eine echte Piratin – da gehört zu jedem zu bestehenden Abenteuer das Risiko von Blessuren dazu. Und das ist auf alle Fälle besser, als nichts zu erleben. „Fehler machen einen besonders.“ Oder nicht?

Feiern und Party machen

Stefanie Winner spielt das junge Mädchen aus einem ganz normalen Elternhaus, für das feiern und Party machen das Größte ist – dort, wo der eigene Marktwert am besten gemessen werden kann – ganz pur und sehr authentisch. Nichts lenkt von ihrer Geschichte ab, die Kiwi zu erzählen hat. Sie berichtet von ihren letztlich weit aus der Spur gelaufenen Abenteuern der vergangenen 24 Stunden ganz aus ihrer eigenen Perspektive. Der Zuschauer bekommt in unterschiedlichen Sequenzen nicht nur das, was passiert – und passiert ist –, sondern auch das Warum, was und wie Kiwi darüber denkt, präsentiert. Dieser Kunstgriff sorgt dafür, dass man das Mädchen nie in eine billige Schublade stecken kann. Das macht ihre Erfahrungen so echt, ehrlich und pressant. Ein gelungenes und wichtiges Stück für Eltern und Jugendliche gleichermaßen.

Zunächst wird „Kiwi on the Rocks“ nur für Schulen aufgeführt, die das Stück buchen können. Im März gibt es dann Termine für den freien Verkauf, die das Schlosstheater noch bekannt geben wird.

Von Doris Hennies

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