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Celle Stadt Thorsten Encke zu Gast im Celler Beckmannsaal
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Thorsten Encke zu Gast im Celler Beckmannsaal
16:50 14.08.2018
Werke des Komponisten und Dirigenten Thorsten Encke (Foto) werden heute Abend im Celler Beckmannsaal von Pianistin Julia Bartha gespielt. Quelle: Zuzanna Jagodzinska-Specjal
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Thorsten Encke lebt nun schon viele Jahre in Hannover, ist aber nach wie vor stark mit demjenigen Ort verbunden, in dem er aufgewachsen ist, wo er die ersten musikalischen Erlebnisse und Erfolge hatte. Als Kind einer kulturinteressierten Notars- und Lehrerfamilie kam er sehr früh in Kontakt mit Musik und lernte das Cello-Spiel. Das muss ziemlich gut gelaufen sein, denn bereits zum Abschluss der Schulzeit im Jahr 1985 spielte Encke zusammen mit einem Kammerorchester der Privaten Musikschule unter Irmgard Eichhorn im Beckmannsaal das C-Dur-Cellokonzert von Joseph Haydn.

Es war Enckes erster großer Auftritt als Solist mit Orchester. Noch heute betont er im Gespräch immer wieder, wie wichtig für ihn diese Erfahrung des Spielens mit dem Orchester waren. Er erzählt weniger von seinen Instrumental- und Schullehrern, sondern kommt immer wieder darauf zurück, wie wichtig es ihm war, in diesem Orchester dieses oder jenes Stück von Mozart oder Beethoven gespielt zu haben. Und zwar recht häufig im Beckmannsaal. Auch später hat es Encke immer wieder in diesen Saal gezogen, in fast allen Konstellationen, in denen er musiziert hat. Mal als Quartett, mal im Trio, mal solistisch. Und natürlich auch als Komponist wie dieses Mal.

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Inzwischen sind die Auftritte des Instrumentalisten Encke rar geworden. Er dirigiert viel, organisiert sein Orchester und er komponiert. Und das inzwischen auf einem so anerkannten Niveau, dass er sich über fehlende Aufträge nicht beklagen kann, weshalb er sich immer wieder in sein kleines Studier- und Komponierrefugium an einem ostdeutschen See zurückzieht. Dabei ist Encke keineswegs ein Komponist, der, wie so manch Kollege, in einem abgehobenen, abgeschotteten Raum wirken würde und in einer Musiksprache schreiben würde, die ein „Normalhörer“ gar nicht mehr aufnehmen kann. Ganz im Gegenteil: Encke schreibt zwar komplexe und anspruchsvolle Musik, aber er versucht dabei, so eingängig zu schreiben, dass das Publikum diese Musik auch mit emotionalem Gewinn hören kann. Simplizität oder Anbiederung, um jemandem zu gefallen, das sind Dinge, die Encke fern sind, aber er möchte als Komponist Gehör finden. Encke sieht die über viele Jahrzehnte gewachsene Distanz zwischen Publikum und heutiger klassischer Musik kritisch. Und er weiß, dass man die eingefahrenen Hörgewohnheiten bei den Zuhörern aufbrechen muss. Deshalb bietet er mit seinem Orchester „musica assoluta“ immer wieder neue Konzertformate an, die ein offenes Hören erleichtern sollen. Er hat es in Hannover zwar nicht einfach damit, aber er gibt nicht auf, auch wenn die so unbefriedigende und von fast allen Musikaktivisten beklagte schlechte Konzertsaalsituation in Hannover hemmend ist.

Als Komponist ist es Encke wichtig, aus dem eigenen Respekt gegenüber musikalischen Traditionen zu schreiben. So auch bei den sechs „Aprèsludes“, die er, assoziativ an Debussy anknüpfend, verfasst hat. „Bereits 2008 hat mich die Pianistin Julia Bartha angesprochen, ob ich nicht ein Stück mit Bezug zu Debussy für sie schreiben könne. Das habe ich dann gemacht. Im Laufe der Jahre wurden daraus dann „sechs Aprèsludes“. Im Celler Konzert sollen die beiden Stückblöcke erstmals hintereinander aufgeführt werden. Und Encke wird einiges Interessantes zum Programm erklären.

Von Reinald Hanke

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