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Celle Stadt "Todesangst": Celler Paare waren während des Massakers in Las Vegas
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Todesangst": Celler Paare waren während des Massakers in Las Vegas
12:38 05.10.2017
Von Simon Ziegler
Patricia und Oliver Stark haben am Freitag in Las Vegas geheiratet. Aus einer unbeschwerten Hochzeitsreise wurde ein Albtraum. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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LAS VEGAS. Seine Frau Patricia war sich "sicher, dass ich sterben werde. Ich hatte abgeschlossen." Die beiden waren nach Las Vegas gereist, um dort zu heiraten. Am Freitag gaben sie sich in der Glücksspiel-Metropole das Ja-Wort. Es sollte ein unbeschwerter Urlaub werden.

Doch es kam ganz anders. Die vier hatten im Excalibur eingecheckt, ein Hotel, das etwa 300 Meter vom Mandalay Bay entfernt ist. Am Tag des Massakers entschieden sie sich, eine Michael-Jackson-Aufführung im Mandalay Bay zu besuchen.

Etwa 2000 Besucher verfolgten die Inszenierung, als plötzlich die Musik ausging. Ausgerechnet das Stück "Thriller" sollte gespielt werden, erzählt der 40-jährige Stark, der in Celle ein Fachgeschäft für Beleuchtung betreibt. Es hieß, dass aufgrund technischer Probleme die Aufführung zunächst unterbrochen wird. Doch nach wenigen Minuten war den Cellern klar, dass etwas nicht stimmte. Das Licht ging aus, es gab keine Informationen. Langsam machte sich Panik breit, denn niemand durfte den Saal verlassen.

Was sich zu diesem Zeitpunkt im 32. Stock des Gebäudes abspielte, wusste im Theater niemand. "Das Schlimmste war, dass einem keiner gesagt hat, was passiert ist", berichtet die 28-jährige Patricia Stark. Ein paar Polizisten kamen in den Raum, sie erklärten lediglich, dass die Besucher für die eigene Sicherheit den Saal nicht verlassen dürften.

Unter den Gästen kursierten zu der Zeit nur vage Gerüchte, die über Twitter durchsickerten. Es soll eine Schießerei gegeben haben, viel mehr war nicht bekannt. Als plötzlich von außen Menschen in das Theater kommen wollten – möglicherweise Touristen, die vor dem Massaker flohen – befürchtete die Polizei, der Attentäter könnte das Theater stürmen. "Ein Polizist schmiss sich auf den Boden, das Gewehr in Richtung der Eingangstür. Alle mussten sich auf den Boden werfen", sagt Oliver Stark, der mit Patricia und seinen Freunden nur etwa zehn Meter von dieser Tür entfernt saß – es war der Moment, als die vier mit dem Schlimmsten rechneten.

Das Martyrium sollte noch lange andauern. Etwa acht, neun Stunden kauerten die Celler im Theater des Hotels. Sie hatten Angst, dass irgendein Besucher die Nerven verliert und vielleicht eine Waffe zieht. Denn viele Amerikaner tragen immer eine Waffe bei sich, auch wenn sie abends ausgehen. Am frühen Morgen, als Spezialeinheiten die Kontrolle übernahmen, fühlten sie sich endlich sicherer. Um sechs Uhr morgens waren sie wieder in ihrem Hotel. Erst dann verstanden sie, was passiert war. Welche Ausmaße die Attacke hatte. Sie sahen die ersten Bilder, lasen Berichte. "Dass der Attentäter im selben Gebäude war wie wir, das habe ich erst realisiert, als ich beim Auschecken die kaputten Fenster sah", sagt Patricia Stark, die bei der Samtgemeinde Wathlingen arbeitet. Wenige Stunden später flogen sie nach Deutschland zurück.

Zwei Tage danach können die Celler kaum glauben, dass sie beim schlimmsten Schusswaffen-Massaker der US-Geschichte vor Ort waren. "Wie kann das passieren, dass wir gerade da waren?", fragt Patricia ungläubig. "Gott sei Dank, wir leben noch", sagt ihr Mann.