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Celle Stadt Tödliche Seuche? Rätselhaftes Kaninchensterben
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Tödliche Seuche? Rätselhaftes Kaninchensterben
15:12 13.06.2010
Von Michael Ende
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Celle Stadt

„Das arme Tier“, sagt Conny Kinder, Leiterin des Waldtierheimes des Vereins aktiver Tierfreunde, und bückt sich zum Kadaver eines Wildkaninchens herunter, das Passanten nahe den Sportanlagen am Herzog-Ernst-Ring entdeckt haben. Äußerlich lässt sich nicht erkennen, warum das Tier verendet ist. Ein einzelnes totes Kaninchen wäre eine traurige Randerscheinung – doch was die Tierschützerin bestürzt, ist, dass hier ein rätselhaftes Massensterben vorliegt: „Seit zwei Wochen geht das nun schon so“, sagt Kinder. „Immer wieder werden hier tote Kaninchen gefunden. Dutzende wurden uns schon gemeldet – gestern habe ich drei Stück auf dem Fußballplatz aufgesammelt.“

Woran sind die Kaninchen gestorben? Sind sie von Menschen vergiftet worden oder Opfer einer Krankheit? Um diese Frage klären zu lassen, hat Kinder zwei Kadaver beim Veterinäramt des Landkreises abgegeben, von wo aus man sie zu Untersuchung nach Hannover geschickt hat. Doch Experten haben einen Verdacht. „Chinaseuche“, sagt Dr. Heini Treu, der bei der Jägerschaft des Landkreises Celle als Experte für Wildkrankheiten und Tierseuchen fungiert: „Das ist zunächst natürlich nur eine Idee. Genaues kann man erst sagen, wenn das Untersuchungsergebnis vorliegt.“

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Der Verdacht ist schlimm, denn die „Chinaseuche“ RHD gilt für Kaninchenbestände als eine noch tödlichere Bedrohung als die bekanntere Seuche Myxomatose. RHD wurde 1988 erstmals in Deutschland nachgewiesen – in Celle. Seitdem hat die Seuche, die sich auch auf Hauskaninchen übertragen kann (für sie ist eine Impfung möglich), in weiten Landstrichen ganze Kaninchenpopulationen ausgerottet. Früher waren die flinken Nager ein begehrtes Wild, heute haben sie Seltenheitswert. Celles Kreisjägermeister Hans Knoop sieht für die grauen Flitzer ziemlich schwarz: „Es sieht sehr, sehr schlecht aus. Draußen auf dem Land sieht man kaum noch Kaninchen. Ihr letztes Refugium sind Friedhöfe.“